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Mit einem Blumenstrauß gratulierte Constanze Söllner-Schaar Franz Hermann.

Die Stadt gratuliert

Münchner wünscht sich zum 105.: „107 will ich schon noch werden!“

Franz Herrmann, Jahrgang 1912, ist auch noch im hohen Alter fit – und stolz auf seine zwei Enkel und fünf Urenkel. 

München - Der 27. Juli 1912 ist ein historisches Datum: der letzte Tag der Olympischen Sommerspiele in Stockholm – und der Tag, an dem Franz Herrmann geboren wurde. Am Donnerstag ist der Münchner stolze 105 Jahre alt geworden.

Munter begrüßt er seine Geburtstagsgäste in der kleinen Seniorenwohnung in Pasing. Es gibt Sekt und Knabbereien. Er selbst nimmt nur einen O-Saft, denn getrunken hat er noch nie viel und geraucht gleich gar nicht. Aber: „Auf der Wiesn bin ich doch schon ein-, zweimal gewesen – pro Jahr“, schmunzelt er. Da sei er natürlich noch viel jünger gewesen.

Geboren in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn

Als Franz Herrmann 1912 geboren wird, gehört sein böhmischer Heimatort Maffersdorf noch zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Heute liegt der Ort in der Tschechischen Republik. Sein Vater fällt im Ersten Weltkrieg. „Zwei Wochen bevor der Krieg aus war, haben sie ihn noch erschossen“, erinnert er sich. Sein jüngerer Bruder und er wurden von der Mutter, einer Teppichnäherin, alleine aufgezogen. Im Zweiten Weltkrieg wird Herrmann als Sudetendeutscher dann selber Soldat. Von 1939 an ist er in Frankreich, Russland und zuletzt in Süditalien. Bei Kriegsende wird er von Briten gefangen genommen.

Nach einem Jahr Gefangenschaft zieht er 1946 nach München, weil das am nächsten liegt. Arbeit findet der gelernte Buchdrucker nur schwer. Einige Jahre schuftet er als Hilfsarbeiter für eine Baufirma. Dann findet er eine Stelle in einer Druckerei. Allerdings geht die Firma pleite, weil der Chef sich mitsamt Betriebskasse und Sekretärin in die USA absetzt. Herrmann geht zum Korsch-Verlag. Mit 60 wechselt er noch einmal: Zu einer Krankenkasse, weil der Verlag aus München wegzieht. „Das ging natürlich nur, weil ich da eine Bekannte hatte“, erzählt er verschmitzt.

Täglich eine halbe Stunde Gymnastik - und garteln

Seinen Ruhestand verbringt Franz Herrmann mit Vorliebe in seinem gut 300 Quadratmeter großen Schrebergarten. Und er ist noch aktiv. Mindestens eine halbe Stunde täglich Gymnastik. Das hält den 105-Jährigen auch geistig fit. Die Termine für Ärzte, Masseure und Gymnastik hat er alle im Kopf. Er verfolgt politische Diskussionen im Fernsehen und liest immer noch regelmäßig in der Zeitung. Nur Auto fährt Herrmann seit 1991 lieber nicht mehr. „Aber ich habe noch einen Führerschein. So eine neue Karte sogar“, sagt er und lacht.

In München tief verwurzelt

Hochzeitsfoto: Franz und Therese Herrmann.

Herrmann ist tief in München verwurzelt. Hier lernte er auch seine Frau Therese kennen. 1949 wird die gemeinsame Tochter Christine geboren. Kurz zuvor holt Herrmann seine Mutter aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) nach München. Allerdings stirbt sie bereits 1951. Und auch seine geliebte Ehefrau hat Franz Herrmann längst überlebt. Nachdem sie mehrere Schlaganfälle hatte, pflegte er sie zehn Jahre lang bis zu ihrem Tod. „Geistig war sie zum Glück noch voll da. Nur körperlich...“ Herrmann wird nachdenklich. Die traurige Erinnerung bleibt aber nicht lange. Denn seinen Geburtstag kann er mit zwei Enkeln und fünf Urenkeln feiern, alle wohnen sie in der Nähe. Sogar der Bundespräsident hat eigenhändig unterschriebene Glückwünsche geschickt. „Vom Seehofer hab’ ich auch was bekommen“, sagt Herrmann und deutet auf einen großen Karton. Darin ein Schreiben aus der Staatskanzlei und eine Schale aus Nymphenburger Porzellan.

Dann trifft Stadträtin Constanze Söllner-Schaar (SPD) ein, um dem Jubilar zu gratulieren. Die beiden begrüßen sich wie alte Freunde mit einer Umarmung. Söllner-Schaar ist bereits zum vierten Mal als Geburtstagsgast da. Und wenn es nach Franz Herrmann geht, dann wird sie auch noch ein paar Mal vorbeischauen, denn „107 will ich schon noch werden“.

Von Jan Reichmann

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