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So sollte es sein: Belegte Turnhallen, in denen Sport gemacht wird. Das Revisionsamt mahnt nun Leerstände an. 

Maßnahmen für bessere Auslastung

Münchner Turnhallen ein Ärgernis? Grünen wollen Konzept, um Leerstände zu beenden

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Die Münchner Turnhallen sind 100.000 Stunden im Jahr leer, dabei sind die Trainingszeiten in den Sportstätten doch so begehrt. Es gibt bereits Vorschläge zur Besserung.

Update, 14. Dezember, 19.43 Uhr: Neue Konzepte für die Vergabe der Trainingszeiten in städtischen Sporthallen fordern die Grünen in zwei Anträgen. Die Fraktion reagiert damit auf unseren Bericht (siehe unten). Demnach hatte das Revisionsamt bemängelt, dass sich die Leerstände in den Hallen auf 100.000 Stunden im Jahr summieren. Und das trotz der starken Nachfrage durch Vereine und freie Sportgruppen. Fraktionschefin Katrin Habenschaden hatte daher bereits in der Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses eine Nachprüfung in Auftrag gegeben. Die 41-Jährige fordert ferner, den Prüfbericht bereits in der nächsten Sitzung des Bildungsausschusses darzustellen und öffentlich darüber zu beraten. In einem zweiten Antrag fordert Habenschaden ein Konzept, um die knappen Hallenzeiten besser zu verteilen. Dazu gehöre vor allem eine zentrale Anlaufstelle für alle Vereine anstatt der bisher zersplitterten Zuständigkeiten. „Auch die IT-Verfahren könnten benutzerfreundlicher und transparenter gestaltet werden“, sagt Habenschaden. Außerdem müsse es gelingen, die Hallen auch am späten Abend noch nutzbar zu machen, ohne die Hausmeister über Gebühr zu belasten.

„Das Thema der Belegung von Sporthallen ist seit langer Zeit ein immer wiederkehrendes Ärgernis – sowohl für die Vereine als auch für Verwaltung und Politik. Dieser Prüfbericht muss der Anlass sein, jetzt schleunigst ein Konzept zu entwickeln um die Leerstände zu beenden“, sagt Habenschaden. Am wichtigsten sei es jedoch, das Problem des Schließens der Hallen anzupacken: „An vielen Schulen sind Hausmeister überlastet, sie können nicht bis 23 Uhr die Hallen betreuen. Wenn die Vereine das Auf- und Zuschließen der Hallen in Eigenregie übernehmen könnten, wäre das eine spürbare Entlastung für die Hausmeister.“

Sport in der Schule ist wichtig. Doch auch abseits davon könnten Turnhallen gut ausgenutzt sein. Das scheint in München nicht überall der Fall zu sein.

Turnhallen in München: Not trotz freier Kapazitäten - was läuft falsch?

München - Das Gesicht des Sports trägt Drei-Tage-Bart. Mit dem Herren mittleren Alters im Unterhemd mit Wohlstandswampe, Lockenkopf und Schweißbändern sowie dem Slogan „Muckis für alle“ wirbt die Verwaltung auf Plakaten in der Stadt für Münchens Fitness- und Gesundheitsprogramm. „In über 40 Hallen geht es sportlich zu – bis Juli 2019 erwarten Euch Kurse aller Art“, heißt es. Das Angebot richtet sich an alle Freizeitsportler, die nicht in einem der rund 700 Vereine mit mehr als 600 000 Mitgliedern organisiert sind. Alle eint aber nicht nur der Wunsch nach körperlicher Betätigung, sondern auch das Bedürfnis nach einem Platz dafür: Turnhallen. Und freie Zeiten in den Sportstätten der Stadt sind rar.

Da verwundert freilich der Bericht des Revisionsamtes. „Bei der außerschulischen Belegung der 373 Sporthallen stehen derzeit freie Kapazitäten zur Verfügung.“ Die Rede ist von 100.000 Stunden im Jahr. Der Stadtrat ist ob der Zahl irritiert und hat eine Nachprüfung in Auftrag gegeben. „Wir sind uns einig, dass wir die Verwaltung weiter kritisch begleiten müssen“, sagt FDP-Chef Michael Mattar. Grünen-Chefin Katrin Habenschaden sagt: „Uns erreichen häufig Hilferufe von Vereinen, die keine Zeiten in Hallen bekommen. Da geht es zum Teil um Hobbymannschaften, die auch bereit wären, in den späteren Abendstunden zu trainieren.“

Bekommt München eine neue Halle für Handball, Volleyball oder Hockey auf Bundesliga-Niveau?

Das Referat für Bildung und Sport teilt auf Anfrage mit, dass die Zahlen des Revisionsamtes zu hoch gegriffen seien. „Die Daten beruhen auf einem EDV-System, in dem alle Belegungen erfasst werden. Das Revisionsamt hat für alle Standorte die theoretisch maximal möglichen Nutzungszeiten zugrunde gelegt, dann wurde anhand der stadtweiten Auslastung hochgerechnet.“ Sporthallen seien aber aufgrund örtlicher oder organisatorischer Gegebenheiten, wie etwa der Lage innerhalb des Schulgebäudes oder notwendigem Betreuungspersonal, nicht im vollen zeitlichen Umfang nutzbar. „Zudem werden die Hallen im Sommer grundsätzlich weniger nachgefragt.“ Die Situation müsse daher differenziert betrachtet werden: Die Auslastung der stark nachgefragten Doppel- und Dreifachhallen sei unverändert sehr hoch. „Diese Sporthallen werden in der Regel bis zur maximalen Nutzungszeit von 23 Uhr belegt. Einfach- und Kleinsporthallen werden aufgrund ihrer Größe und den Nutzungsmöglichkeiten deutlich weniger nachgefragt.“ Die Belegungszeiten konzentrieren sich laut Referat auf den Zeitraum von 17 bis 20 Uhr. Die Zeiten von 20 bis 22 Uhr seien weniger begehrt. „Die freien Kapazitäten sind also lediglich zu Zeiten oder in Sporthallen-Typen vorhanden, an denen die Vereine kein Interesse zeigen.“

Beim Bayerischen Landessportbund (BLSV) sorgen die Leerstunden für Stirnrunzeln

„Auch 10.000 Stunden wären immer noch zu viel“, sagt der Vorsitzende des BLSV, Hermann Brem. Aber Brem nimmt auch die Vereine in die Pflicht. „Es wird aufgezeigt, dass die Nachfrage nach Doppelhallen deutlich geringer ist. Es stellt sich die Frage, ob alle Trainings- und Sportangebote immer in einer Dreifachhalle sein müssen. Da sind auch die Vereine gefordert, ein kleines Handballteam kann auch mal in einer einfachen Halle trainieren.“ Allerdings müssten die Sportstätten entsprechend ausgestattet sein. „Nicht, dass nur die Dreifachhallen große Lager haben, wo man die ganzen Utensilien unterbringen kann.“ Zur besseren Koordinierung von Belegungszeiten wünscht sich Brem eine zentrale Anlaufstelle bei der Verwaltung. „So ähnlich, wie es das Kreisverwaltungsreferat bereits macht mit dem Veranstaltungsbüro.“ Die noch zu schaffende Servicezentrale sollte beim Sportamt angesiedelt werden. „Für die Vereine ist es unglaublich wichtig zu wissen, wohin sie sich wenden können.“

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