Nach Hollemann-Desaster

CSU sucht neuen Kandidaten fürs Umweltreferat

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München - Ihren Wunschkandidaten für den Posten des Umweltreferenten hat die CSU verloren. Die übrigen Bewerber finden viele Stadträte wenig überzeugend. Es ist möglich, dass doch ein CSUler der Nachfolger von Joachim Lorenz wird.

Der Wunschkandidat ist weg, bei der CSU herrscht Katerstimmung. Nun stellt sich die Frage: Wer wird Nachfolger von Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne), nachdem ÖDP-Politiker Markus Hollemann als Mitglied der Abtreibungsgegner der „Aktion Lebensrecht für Alle“ nicht mehr tragbar war? Die CSU hat das Vorschlagsrecht für den Posten – aber keinen Kandidaten mehr.

Im Wesentlichen stehen den Christsozialen jetzt drei Optionen zur Verfügung: Sie können einen der restlichen neun Bewerber nehmen, sie können die Stelle neu ausschreiben – oder einen ganz anderen Kandidaten aus dem Hut zaubern.

Dass es einer der übrigen neun Bewerber wird, ist nicht ausgeschlossen – aber eher unwahrscheinlich, heißt es aus CSU-Kreisen. Hollemann habe mit Abstand den besten Eindruck gemacht. Und was die Stadträte beim ersten Mal nicht vom Hocker haue, überzeuge sie jetzt als Notlösung auch nicht. „Man hört, die CSU findet das Bewerberfeld nicht so prickelnd“, sagt einer, der die Präsentationen mitbekommen hat.

Option zwei: Die Stelle wird neu ausgeschrieben. Das dürfte allerdings dauern, und damit wäre ein nahtloser Übergang nach Lorenz’ Vertragsende am 31. Mai ausgeschlossen. „Eine neue Ausschreibung fände ich ungut“, sagt deshalb SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Auch in der CSU sehen einige diese Variante kritisch.

Das macht die dritte Option derzeit am wahrscheinlichsten: Die CSU zaubert einen ganz neuen Kandidaten aus dem Hut. In CSU-Fraktionskreisen munkelt man, das könne auch jemand aus der eigenen Partei sein, oder zumindest jemand, der den Christsozialen nahesteht. Zwar war die CSU um Bürgermeister Josef Schmid sehr stolz gewesen, einen ÖDPler präsentieren zu können – dass man keine Parteibuchbesetzungen will, hatte Schmid vorher gebetsmühlenartig betont. Es hieß aber auch immer: Ein Parteibuch ist weder Vorteil noch Nachteil, auch eines von der CSU nicht.

Druck kommt offenbar auch aus der Landtags-CSU. Nun hat sich die Rathausfraktion der Christsozialen mit einem ÖDPler schon so weit aus dem Fenster gelehnt, und es ist krachend schiefgegangen – für einige ist das der Beweis dafür, dass Schmids Slogan „Neues Denken“ an seine Grenzen stößt. Aus der CSU-Landtagsfraktion hat aber offenbar auch niemand Lust auf den Job.

Eine naheliegende Lösung könnte allerdings CSU-Stadtrat Manuel Pretzl sein, der ambitionierte umweltpolitische Sprecher der Fraktion. „Der kann das, der macht das, der ist in der Koalition durchsetzbar“, sagte gestern einer, der sich in der CSU sehr gut auskennt.

Markus Hollemann hat unterdessen zu dem ganzen Vorgang auf seiner Website Stellung bezogen. "Ich betrachte es als äußerst problematische Entwicklung, dass ein Bürger mit einem christlich geprägten Menschenbild aufgrund seiner persönlichen moralischen Einstellung zum Lebensschutz trotz moderater politischer Positionen heute für bestimmte Positionen nicht mehr in Frage zu kommen scheint", klagt er dort - und stellt klar, "keine Sympathie für radikale Abtreibungsgegner" zu haben.

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