Umstrittene Entscheidung

U5 nach Pasing offiziell beschlossen

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München - Die U-Bahn nach Pasing rückt näher. Gestern hat der Stadtrat einstimmig den Grundsatzbeschluss für das 547-Millionen-Euro-Projekt gefällt. Außerhalb des Rathauses gibt es dennoch viele Kritiker.

Den U-Bahn-Ausbau hat sich die Große Koalition auf die Fahnen geschrieben. Und zumindest die 3,7 Kilometer lange Trasse vom Laimer Platz zum Pasinger Bahnhof hat sie jetzt einen guten Schritt näher gebracht. Gestern fiel im Stadtrat der einstimmige Grundsatzbeschluss für den Bau der Strecke mit den neuen Bahnhöfen Wilibaldstraße, Am Knie und Pasing Bahnhof sowie der Möglichkeit, eine Abzweigung in die Blumenau zu bauen und die U5 von Pasing aus bis nach Freiham weiterzuentwickeln.

Wie berichtet, geht das Baureferat inzwischen von 547 Millionen Euro Kosten aus – einst waren noch 350 Millionen Euro geschätzt worden. Im Stadtrat diente die Kostenexplosion aber nicht als Gegenargument – zu einig ist man sich, dass die Trasse gebaut werden soll. Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sprach gar von einer „Spar-U-Bahn“ und wünschte sich weitere Investitionen – etwa ein drittes Gleis im U-Bahnhof Wilibaldstraße. Innerhalb der Koalition steht vor allem die CSU für die U5-Verlängerung. Bürgermeister Josef Schmid etwa hatte im Wahlkampf vehement für sie geworben. Schmid betont, das Projekt sei „für den Münchner Westen, aber auch für die Verknüpfung des ÖPNV-Systems ganz wichtig“. Die Bagger könnten 2019 anrollen. Geplant ist zunächst die Trasse bis Pasing, würden die Optionen nach Freiham und in die Blumenau gleich mitgeplant, sei dieser Zeitplan nicht zu halten, hieß es.

Die SPD trug die Entscheidung mit, Fraktionschef Alexander Reissl klang aber deutlich weniger begeistert als die CSU-Kollegen. Man entscheide sich für die Strecke, betonte er, aber nicht dafür, welche Trasse zuerst gebaut werde. Er sei der Meinung, dass die U9 die nächste U-Bahn sein „muss und auch wird“. Diese zusätzliche Linie soll von der Implerstraße über die Theresienwiese, den Hauptbahnhof, die Pinakotheken zum U-Bahnhof Giselastraße führen. Außerhalb des Rathauses halten ohnehin viele eine Entlastung auf den Innenstadt-Linien für dringlicher als den Ausbau nach Pasing. Der Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Matthias Korte, unterstrich erneut, dass die U5-Verlängerung nicht zur Entlastung im Stadtzentrum beitragen könne. „Entgegen landläufiger Erwartung“ werde sie aber auch im Störungsfall auf der S-Bahn-Stammstrecke keine große Entlastung bringen. Zur Wiesn-Zeit werde der U-Bahnhof Theresienwiese noch überfüllter.

Im Alltag hingegen rechnet die MVG unterm Strich mit kaum mehr Fahrgästen auf der Linie. Die Folge: ein Defizit, das „entweder alle Fahrgäste (über die Fahrpreise) oder der Steuerzahler (über städtische Zuschüsse)“ zu tragen habe. Kritik kam gestern auch von der „Aktion Münchner Fahrgäste“. Sprecher Andreas Nagel sagte, der Preis für den Ausbau sei im Verhältnis viel zu hoch. „Dabei hat man momentan nicht mal das Geld, alle U-Bahnen bis Betriebsschluss im Zehn-Minuten-Takt fahren zu lassen“, schimpfte er. Nagel sieht Landes- und Bundesmittel für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke gefährdet, da sie weniger notwendig sei, wenn viele Fahrgäste auf die U-Bahn umsteigen. Die CSU sieht kein Problem. „Mit der steigenden Bevölkerung werden die Fahrgastzahlen so wachsen, dass es das Problem nicht gibt“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Und der U-Bahn-Ausbau soll weitergehen. Für Freitag plant die CSU eine Pressekonferenz. „Die Fortführung der U-Bahn über Pasing, das Westkreuz und Neuaubing nach Freiham“, heißt es in der Einladung, „ist unverzichtbar".

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