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Bald mit Busspur: Die nordöstliche Abfahrtsrampe der Donnersbergerbrücke. 

Beschluss im Stadtrat 

Neue Fahrspuren, bessere Ampelschaltung: Die Stadt München beschleunigt ihre Busse

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An 14 Stellen im Stadtgebiet soll dem Bus das Durchkommen erleichtert werden – etwa durch eigene Spuren oder neue Ampelschaltungen. Der Stadtrat hat gestern dem zweiten Maßnahmenpaket Busbeschleunigung zugestimmt. Dabei sorgt für Kritik, dass Bus und Rad sich Spuren teilen sollen.

„Das ist kein politischer Beschluss, sondern ein mathematischer“, sagte CSU-Stadtrat Johann Sauerer und rechnete vor: In einem Auto säßen im Schnitt 1,4 Personen. „Das ist schon gut gerechnet.“ Bei einem Tempo von 50 Stundenkilometern verbrauche ein Mensch 140 Quadratmeter der Münchner Verkehrswegefläche, bei Tempo 30 noch 66 Quadratmeter. Gehe man beim Bus von einer Belegung von 20 Prozent aus, entfielen auf eine Person lediglich 8,6 Quadratmeter bei Tempo 30. Sei der Bus zu 100 Prozent gefüllt, dann seien es noch zwei Quadratmeter. Und da habe noch niemand über Einsparungen bei den Emissionen gesprochen. Ob der Satz des Sauerer nun ausschlaggebend für den Stadtrat war, sei dahingestellt. Das Gremium hat gestern jedenfalls mehrheitlich dem zweiten Maßnahmenpaket für die Beschleunigung des Busverkehrs zugestimmt.

Neue oder verlängerte Busspuren wird es an Trappentreu- und Herzogstraße, Donnersbergerbrücke, Dietlinden-/Potsdamer Straße, Ampfing-, Ludwig- und Wendl-Dietrich-Straße geben. An der Effnerstraße optimiert die Stadt die Lichtsignalanlage, ebenso im Be-reich Frankfurter Ring/Moosacher Straße. An den Ampeln der Rosenheimer Straße haben Busse den ganzen Tag über Vorrang. In der Haberlandstraße ist in Fahrtrichtung Lortzingstraße künftig nur noch Bus- und Radverkehr zulässig. An der Weitlstraße kommt ein Haltverbot, ebenso an der Ittlinger- und Manzostraße (wir berichteten).

Auf Wunsch von CSU und SPD soll die Maßnahme an der Trappentreustraße möglichst rasch umgesetzt werden. Zudem soll in einem Pilotversuch getestet werden, wie sich Radler und Busse eine Spur teilen können. Das geschieht etwa auf der Herzog- und der Wendl-Dietrich-Straße. Der Betriebsrat der Münchner Verkehrsgesellschaft hatte diese Kombi-Spur im Vorfeld der Sitzung kritisiert. Die SPD reagierte mit dem Antrag für eine Testphase. Stadtrat Jens Röver: „Wir wollen dann einen Bericht haben, wie sich die Nutzung dort macht und welche Auswirkung es auf die Verkehrssicherheit gibt.“

Grünen-Chefin Katrin Habenschaden sprach bei den Busspuren von einem Gewinn – auch für die Autofahrer. „Nur wenn der ÖPNV attraktiver wird, wird es uns gelingen, mehr Leute zum Umsteigen zu bewegen. Wenn die dann nicht mehr autofahren, profitieren auch diejenigen, die weiterhin das Auto nutzen müssen.“ Habenschaden kritisierte gleichwohl das Tempo. Mit der Verkehrswende werde es nichts, wenn es so weitergehe mit der Geschwindigkeit der Umsetzung. „Vor zwei Jahren hat uns die MVG 50 Vorschläge gemacht. Ursprünglich sollte alles bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Wenn wir so weitermachen, dann ist das nicht einzuhalten.“ Röver sagte: „Ja, es hat an der ein oder anderen Stelle gehakt. Das muss und sollte schneller gehen.“

Johann Altmann von der Bayernpartei warf den Grünen vor, erst Radspuren zu schaffen und diese dann für den Bus nutzen zu wollen. Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher erwiderte: „Es ist sicher nicht die ideale Kombination. Aber wenn wir den Platz nicht haben, ist die Alternative, dass der Bus im Stau steht.“

OB Dieter Reiter: „Wenn der Straßenraum neu aufgeteilt wird, entfallen gleichzeitig Fahrspuren oder Parkplätze. Aber die autogerechte Stadt, wie sie lange Zeit im Fokus der Verkehrspolitik stand, ist kein Modell für die Zukunft.“ Er wolle, dass die Stadt wieder mehr Platz für die Menschen bietet und damit mehr Lebensqualität. „Das geht nur mit einer zukunftsgerichteten Mobilität und einem starken ÖPNV.“

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