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Ein Online-Test zur Erkennung von "Super-Recogniser"

„Super Recogniser“ 

Neue Geheimwaffe der Münchner Polizei: Die Fahnder mit dem Superblick

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Super Recogniser sind Menschen mit der besonderen Fähigkeit, sich Gesichter besser merken zu können als andere. Beim Münchner Polizeipräsidium arbeiten nun 37 davon.

München - Den Verdacht, dass sie bei dem Test ganz gut abschneiden könnte, hatte Christina W. von Anfang an. „Manchmal traf ich ehemalige Klassenkameraden zufällig wieder und traute mich gar nicht, sie anzusprechen, weil ich dachte: Die erkennen mich sowieso nicht wieder“, erzählt die 29-Jährige. 

Denn sie machte die Erfahrung, dass sie jemanden auch nach Jahren wiedererkennt, aber das Gegenüber sie nicht. Jetzt hat die Kriminaloberkommissarin auch die offizielle Bestätigung dafür, dass sie Gesichter besser zuordnen kann als andere: Christina W. ist eine von 37 „Super Recognisern“ bei der Münchner Polizei. In einem vierstufigen Test kristallisierten sich jetzt diejenigen im Präsidium heraus, die diese besondere Fähigkeit haben. 13 Frauen und 24 Männer sind jetzt ganz offiziell „Supergesichtswiedererkenner“.

Christina W. ist eine der neuen Super-Recogniser der Polizei München.

Forschung hat ihren Ursprung in den USA

Die Forschung über Super Recogniser hat ihren Ursprung in den USA. Bereits 2009 fanden amerikanische Forscher der Universität Harvard heraus, dass es Menschen gibt, die Gesichter besonders gut wiedererkennen. Man ging davon aus, dass es auch das Gegenteil der sogenannten Gesichtsblindheit (Prosopagnosie) geben muss. Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, können sich Gesichter so gut wie gar nicht merken.

Während der Ermittlungen zu den Unruhen in England 2011 („London riots“) zeigte sich, dass überwiegend die Beamten Tatverdächtige anhand von Videoaufzeichnungen identifizierten, die bei Tests hinsichtlich der Gesichtserkennung überdurchschnittlich gut abgeschnitten hatten. Die Universität Greenwich erforschte daraufhin in Kooperation mit der Metropolitan Police das Phänomen und die Möglichkeiten der polizeilichen Einsatzmöglichkeiten. In London arbeiten inzwischen 140 Super Recogniser, es gibt mittlerweile sogar eine eigene Dienststelle.

Testverfahren gemeinsam mit der Polizei München entwickelt

Josh Davis schrieb seine Doktorarbeit zu dem Thema und beschäftigt sich seit April 2011 mit der Fähigkeit. Er entwickelte auch den Test, mit dem Beamte mit dieser Fähigkeit ausgemacht werden können. Das Testverfahren wurde zusammen mit Davis für die Bedürfnisse der Münchner Polizei weiterentwickelt. 5300 Mal wurde der Vortest in München angeklickt, 630 Polizisten qualifizierten sich für die weitere Runde, am Ende blieben 37. „Weltweit haben etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung diese Fähigkeit“, erzählt Davis, der gestern in München zu Gast war, als vier der Super Recogniser vorgestellt wurden. „Sich Gesichter besonders gut merken zu können ist eine genetische Veranlagung, das kann man nicht üben oder trainieren.“

Josh Davis von der Universität Greenwich.

Die menschlichen Gesichtsscanner schlagen den Computer um Längen. Während der PC einen Treffer hat, hat ein Super Recogniser 500. Die Technik braucht im Gegensatz zum Mensch hochauflösende Bilder, eine gute Beleuchtung und den richtigen Aufnahmewinkel. „Manchmal vergisst man, dass der Mensch der wichtigste Baustein polizeilicher Arbeit ist und bleibt“, sagt Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä. Man habe herausgefunden, dass Eltern diese Fähigkeit ihren Kindern weitervererben. „Gedächtniskünstler zum Beispiel sind nicht unbedingt gut darin, Gesichter wiederzuerkennen.“

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Taschendiebe im Fokus?

In München gibt es seit August 2017 eine Projektgruppe, die sich unter anderem damit beschäftigt, wo Super Recogniser jetzt gewinnbringend eingesetzt werden können. Denkbar ist das unter anderem bei Fußballspielen, um Fans mit Stadionverbot sofort zu identifizieren. Auch auf dem Oktoberfest und auf Christkindlmärkten könnten Taschendiebe so schneller ausfindig gemacht werden. Generell verspricht man sich große Erfolge bei der Fahndung. „Es ist in allen Bereichen denkbar, wo Bilder vorliegen oder die Personen live angetroffen werden“, sagt Andrä. Mit dem Einsatz von Super Recognisern sei München Vorreiter.

Christina W. arbeitet im Kommissariat für Betrugsfälle und wird dort auch erst mal bleiben. Sie freut sich auf ihren ersten Einsatz als offizieller Super Recogniser. „Ein bisschen stolz ist man ja schon auf die besondere Begabung.“

Stefanie Wegele

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