Neue Öffnungszeiten

Neuer Service: Auch samstags in die Stadtbücherei

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München - Die Stadtteilbibliotheken sollen wie der Gasteig künftig auch samstags geöffnet werden. Montags bleibt indes fortan geschlossen. Dies schlägt das Kulturreferat vor und will damit einem dringenden Wunsch der Bürger nachkommen. 

Um Werbung in eigener Sache ist das Kulturreferat nicht verlegen, wenn es um die Münchner Stadtbibliothek – „das deutschlandweit größte kommunale Bibliothekssystem“ – geht. Die Behörde garniert ihren Beschlussvorlage beispielsweise mit aufschlussreichem Zahlenmaterial: 12,8 Millionen Medien würden pro Jahr ausgeliehen, gut 4,8 Millionen Besucher kämen pro Jahr – mehr als der FC Bayern München, das Schloss Neuschwanstein und das Deutsche Museum zusammengenommen.

Ein ziemlicher plakativer Vergleich, der nahelegen soll, wie beliebt der Gasteig und die 21 Stadtteilbibliotheken sind. Bibliothekschef Arne Ackermann hat ohnehin keinen Zweifel an der Strahlkraft des geschriebenen Worts: „Das Buch bleibt sexy“, hatte er mal in einem Interview erklärt. Dies hatte die SPD-Stadtratsfraktion ähnlich beurteilt und im November 2014 einen Antrag auf Optimierung der Öffnungszeiten gestellt. Künftig also soll das Kulturangebot von Dienstag bis Samstag zur Verfügung stehen. Der Montag ist für den normalen Publikumsverkehr geschlossen. An diesem Tag sollen aber interne Bibliotheksarbeiten und geschlossene Veranstaltungen, wie Klassenführungen oder Medienvermittlungsangebote, durchgeführt werden.

Die Stadtbibliothek sieht in diesem Modell mehrere Vorteile für die Kunden. So hätten die Erfahrungen der Stadtbibliothek Am Gasteig gezeigt, dass samstags mit Abstand am meisten Besucher kämen. Eine Bürgerbefragung im Jahre 2014 zum städtischen Dienstleistungsangebot hatte ergeben, dass die Samstagsöffnung das dominierende Thema im Bereich Kultur sei. Mehr als 90 Prozent der Befragten hatten sich dies gewünscht. Künftig soll flächendeckend in allen 21 Filialen der Samstag als Ausleihtag zur Verfügung stehen. Neue Zielgruppen wie Berufstätige, Familienväter und -mütter, die unter der Woche keine Zeit und Muße fänden, eine Bibliothek aufzusuchen, könnten dadurch erreicht werden. Und weil montags weiterhin Veranstaltungen abgehalten würden, bleibe auch das hohe Niveau von etwa 5000 Veranstaltungen pro Jahr konstant. Erst knapp zehn Prozent der Medien in der Stadtbibliothek sind im Übrigen digital, der Rest noch immer analog.

Die neuen Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 10 - 19 Uhr; Samstag 10 - 15 Uhr) sollen sukzessive von 2017 an eingeführt werden. Mittwochs war bisher nur von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Im ersten Schritt sind die Stadtteile Schwabing, Neuhausen, Bogenhausen, Sendling, Giesing, Laim und Pasing dran. Ein genauer Zeitplan, in welchen Monaten der Start stattfindet, steht noch nicht fest. 2018 folgen Hasenbergl, Moosach, Waldtrudering, Fürstenried, Neuperlach, Hadern und Allach-Untermenzing. Ab 2019 gilt die Neuregelung dann auch in der Maxvorstadt, Milbertshofen, Berg am Laim, in der Isarvorstadt, Ramersdorf, dem Westend und Neuaubing. Bereits im Jahre 2007 war die Münchner Stadtbibliothek dem vielfach geäußerten Wunsch nachgekommen, die Zentrale am Gasteig samstags von 11 bis 16 Uhr zu öffnen. Dort verschiebt sich der Zeitraum künftig auf 10 bis 15 Uhr.

Bisher, so heißt es in der Beschlussvorlage, seien alle Leistungsausweitungen der Stadtbibliothek durch interne Umstrukturierunsgmaßnahmen bewältigt worden. Doch die Belastungsgrenze der rund 250 Mitarbeiter sei erreicht. Bibliothekssprecherin Anna Zwenger sagt: „Die Samstagsöffnung ist ein Quantensprung für uns.“ Das Kulturreferat betont: „Für die 250 Kollegen, davon fast 90 Prozent Frauen, viele mit Kindern – bedeutet das einen maßgeblichen Einschnitt in ihr Berufs- und Privatleben.“ Die Schlussfolgerung des Kulturreferats: Ohne zusätzliches Personal sei das neue Öffnungszeitenmodell nicht umsetzbar. 22 neue Stellen sind vorgesehen, die Kosten betragen mehr als eine Million Euro. Der Stadtkämmerer wettert gegen den neuen Service: Es handele sich um die Ausweitung einer freiwilligen Leistung, die nicht finanziert werden sollte. Das Kulturreferat erinnert unterdessen daran, dass die Stadtbibliothek seit 1996 aufgrund von zahlreichen Konsolidierungsprogrammen 130 Stellen abgebaut habe. Die Rathausbehörde will nach einem vollen Jahr Samstagsbetrieb in den ersten sieben Stadtteilen über die Erfahrungen berichten.

Rubriklistenbild: © dpa

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