Zwei Kandidaten bleiben

Stichwahl in München: Frank fordert Amtsinhaber Reiter heraus - Wähler brauchen wohl Geduld

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Der künftige Münchner OB wird in einer Stichwahl ermittelt. Diese bringt in Corona-Zeiten besondere Herausforderungen für die Bewerber Dieter Reiter und Kristina Frank mit sich.

  • Bei der Kommunalwahl 2020 am 15. März erreichte keiner der Münchner OB-Kandidaten eine absolute Mehrheit.
  • Deshalb steht am 29. März eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Dieter Reiter und Herausforderin Kristina Frank an.
  • Das grassierende Coronavirus* erschwert das komplette Prozedere.

Update vom 27. März: Am Sonntag wählen die Münchner ihr neues Oberhaupt. Auf die Ergebnisse der Stichwahl werden sie jedoch ein wenig warten müssen. Die Stadt hat bereits angekündigt, dass die Auszählung am Sonntagabend abgebrochen wird. Eine erste Tendenz soll sich jedoch gegen 20.30 Uhr abzeichnen - diese wird für die Wähler online einsehbar sein. Das Endergebnis wird am Montag erwartet.

Am Wahltag, 29. März, erhalten Sie alle Informationen zur Stichwahl im Kommunalwahl-Ticker für Bayern* und im Kommunalwahl-Ticker für München*.

Stichwahl in München zwischen Reiter und Frank nur als Briefwahl - Post mit Sondermaßnahme wegen Corona-Krise

Update vom 25. März: Es ist ein eher ungewöhnlicher Hinweis - aber wegen der Corona-Krise ist die Abstimmung am kommenden Sonntag auch keine gewöhnliche OB-Stichwahl in München*: Es wird zuvor bayernweit eine Sonderleerung der Post geben. Die Wahlberechtigten können ihre Wahlbriefe für die Kommunal-Stichwahlen bis Samstag um 18.00 Uhr in jeden beliebigen Briefkasten im Freistaat einwerfen. 

Sämtliche 19.559 Briefkästen werden dann noch einmal geleert und die Briefe dann bis Sonntagabend rechtzeitig zugestellt. Das kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Mittwoch im Landtag an. Wegen der Corona-Krise ist dieses Mal nur Briefwahl erlaubt.

Stichwahl um Münchner OB-Posten - Reiter und Frank beurteilen die Ausgangslage

Ursprungsmeldung vom 16. März: München - Es ist ein Novum in der Geschichte von Wahlen - und es ist natürlich der Corona-Krise geschuldet. Für die Stichwahl am 29. März zwischen dem amtierenden Rathauschef Dieter Reiter (SPD) und Kristina Frank (CSU) kann nur per Briefwahl abgestimmt werden. Die Wahllokale bleiben an diesem Tag geschlossen. Das heißt: Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat nun alle Hände voll zu tun, um die Unterlagen für die mehr als 1,1 Millionen Stimmberechtigten zu verschicken.

Nach Angaben von Behördensprecher Johannes Mayer arbeitet das KVR mit Hochdruck. Man sei aber auch darauf vorbereitet gewesen, dass es eine Stichwahl geben würde. Wer sein Kreuzchen gemacht hat, schickt die Unterlagen zurück ans Wahlamt. Wie im ersten Wahlgang besteht aber auch die Möglichkeit, seinen Wahlzettel in eigens dafür vorgesehene Sonderbriefkästen einzuwerfen. Diese befinden sich beim Kreisverwaltungsreferat (Ruppertstraße 11 und 19), am Rathaus auf Höhe des Fischbrunnens sowie bei den Bezirksinspektionen Ost (Trausnitzstr. 33), Nord (Hanauer Str. 56) und West (Landsberger Str. 486).

Dieter Reiter hatte im ersten Wahlgang am Sonntagabend mit 47,9 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit knapp verfehlt. Kristina Frank landete mit 21,3 Prozent knapp vor Katrin Habenschaden von den Grünen (20,7 Prozent). 2014 war es zu einer Stichwahl zwischen Reiter und CSU-Kandidat Josef Schmid gekommen. Der hatte im ersten Wahlgang 36,6 Prozent erreicht, Reiter 40,5 Prozent. In der Stichwahl setzte sich der Sozialdemokrat dann mit 56,7 Prozent der Stimmen durch. Es ist erst die dritte Stichwahl nach dem Zweiten Weltkrieg in München. Außer 2014 war dies noch 1984 der Fall.

München steht 2020 nicht alleine da. In anderen bayerischen Städten wird es auch zur Stichwahl kommen. Nähere Informationen finden Sie hier zu den Städten Nürnberg*, Augsburg*, Regensburg* und Ingolstadt*.

Kommunalwahl 2020 in München: Eingeschränkter Wahlkampf vor der Stichwahl

OB Dieter Reiter sieht seine Hauptaufgabe darin, die Münchner die nächsten Wochen gut durch die Corona-Krise zu bringen. „In Bezug auf die Stichwahl sehe ich die größte Herausforderung darin, die Wähler erneut zum Wählen zu motivieren“, sagte der OB unserer Zeitung. Positiv sei, dass es eine Briefwahl für alle wird. Da sei der Aufwand vergleichsweise überschaubar.

Dass der Wahlkampf nur eingeschränkt möglich ist, sieht er als Herausforderung. „Viele Möglichkeiten habe ich nicht, weil ich wegen Corona ständig unterwegs und in Abstimmung bin. Wenn ich mich an die Münchner wende, dann wird es um Corona gehen.“ Zudem sei zwischen ihm und seiner Kontrahentin Kristina Frank inhaltlich ohnehin deutlich zu differenzieren. „Die Debatten sind geführt, die unterschiedlichen Schwerpunkte sind klar.“ 

Frank geht „kämpferisch“ in die Stichwahl zur OB-Wahl in München

Auch Kristina Frank steht am Montag noch ganz unter dem Eindruck eines „spannenden Abends, wie man ihn selten erlebt“. Überhaupt seien die vergangenen eineinhalb Jahre seit ihrer OB-Nominierung anstrengend gewesen. „Aber ich bin eine Kämpferin.“

Von der CSU gibt es am Montag keinen Kommentar dazu, ob man offensiv auf die Grünen zugehen werde, um für eine Wahlempfehlung zu werben. „Wir wollen jetzt erst einmal das endgültige Stadtratsergebnis abwarten“, erklärt die Herausforderin von OB Dieter Reiter, Kristina Frank. Ansonsten sei sie froh, dass die CSU im abgelaufenen Wahlkampf „ihre Hausaufgaben“ gemacht habe.

Kommunalwahl 2020 in München war für Habenschaden „eine Achterbahn der Gefühle“

Sie hat am Sonntagabend „eine Achterbahn der Gefühle mit nicht schönem Ausgang“ erlebt - die Grüne-OB-Kandidatin Katrin Habenschaden. Bis 19.50 Uhr lag sie noch knapp vor Kristina Frank (CSU), danach übernahm Frank die Führung und zog in die Stichwahl ein. Ob die Grünen wie 2014 eine Wahlempfehlung abgeben (damals hatte sich Spitzenkandidatin Sabine Nallinger für Dieter Reiter erklärt)? Kein Kommentar. Vorerst. Klar: Die Grünen sind absehbar stärkste Fraktion im Stadtrat, jede Wahlempfehlung schwächt die Verhandlungsposition, wenn es dann darum geht, eine neue Stadt-Regierung zu zimmern. Und außerdem: Trotz grüner Wahlempfehlung 2014 - am Ende regierte Reiter mit der CSU, weil es mit den Grünen nicht reichte.

Vor der Stichwahl in München gibt es keine Hilfe von den Kleinen

Gibt es eine Wahlempfehlung anderer Parteien - spricht sich jemand für Reiter oder Frank aus? FDP-OB-Kandidat Jörg Hoffmann schließt das aus. „Wir werden das noch mal besprechen. Aber wir haben das noch nie gemacht, daher gehe ich davon aus, dass es dabei bleibt.“

ÖDP-Spitzenkandidat Tobias Ruff sieht die Sache ähnlich. „Wir verhalten uns neutral, unsere Wähler sollen selbst entscheiden, für wen sie sich aussprechen.“ FW-OB-Kandidat Hans-Peter Mehling sagte unserer Zeitung: „Wir sind fest entschlossen, dem Bürger die Chance zu lassen, zwischen zwei Kandidaten selbst zu entscheiden, ohne dass man ihnen Tipps gibt.“ Das halten im Übrigen alle Parteien so.

Kategorischer ist die AfD, deren Spitzenkandidat Wolfgang Wiehle sagte: „Eine Wahlempfehlung wird es von uns nicht geben. Wenn der CSU-Chef und der Oberbürgermeister auf einer Anti-AfD-Demo auftreten, gibt es für eine Wahlempfehlung keinen Grund.“

Kommunalwahl 2020: So läuft der Stimmenfang vor der Stichwahl

Der Wahlkampf für die Stichwahl wird nahezu komplett eingestellt. SPD-Vize Roland ­Fischer sagte unserer Zeitung: „Wir werden bis Mitte der Woche plakatieren. Ansonsten wird auf der Straße nichts stattfinden.“ Der Wahlkampf erfolge vorwiegend ­online. Wie die CSU das macht, ist noch „vollkommen offen“, sagte Bürgermeister Manuel Pretzl. „Infostände sind ja eher unwahrscheinlich…“

Umfragen zur OB-Wahl in München lassen einen klaren Trend erkennen. Alle wichtigen Informationen zur Stichwahl finden Sie in diesem Artikel.

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S. Karowski, K. Vick

Rubriklistenbild: © dpa / Felix Hörhager

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