"München ist doch immer noch ein Dorf": Petra reiter im Marienhof.

Petra Reiter im Gespräch mit dem Münchner Merkur

OB-Gattin: „Ich würde ihn sofort wieder heiraten“

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München - Sie ist die First Lady der Stadt, die Frau des OB, aber kaum einer würde sie erkennen: Petra Reiter. Uns hat sie bei einer Tasse Kaffee erzählt, warum sie sich öffentlich so stark zurückhält. 

Diese Zöpfe! Dieses schöne rosa Kleid! „Meine Enkelin hat gar nicht mehr aufgehört, von ihrer Kindergarten-Freundin zu schwärmen“, erinnert sich Petra Reiter. Später habe sie ihre Enkelin vom Kindergarten abgeholt und das Mädchen mit den schönen Zöpfen gesehen: ein schwarzes Kind – aber das hatte ihre Enkelin mit keinem Wort erwähnt.

Petra Reiter erzählt die Geschichte mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen. Sie sitzt im Café Wörner an einem Tisch am Fenster. Ihr Blick geht hinaus auf den Marienplatz. „Wir können von den Kindern viel lernen“, sagt sie zu der Geschichte um ihre Enkelin und deren Kindergarten-Freundin.

Sie ist die First Lady, hält sich aber in der Regel eher zurück: Petra Reiter mit ihrem Ehemann, dem Münchner OB Dieter Reiter. 

Petra Reiter ist die First Lady Münchens, seit ihr Mann vor eineinhalb Jahren Oberbürgermeister wurde. Sie ist 53, war bis vor zwei Jahren Abteilungsleiterin in der Buchhaltung einer Kanzlei. Den Job gab sie im Wahlkampf auf. Heute ist sie nur noch die Frau des Oberbürgermeisters einer Stadt, in der es immer mehr Kinder gibt, die keine weiße Hautfarbe haben – und in der sich viele soziale Fragen stellen. Diese liegen Petra Reiter besonders am Herzen. Ganz konkret hilft sie im Kleinen – aber sie versucht auch, auf ihre Weise Politik zu machen.

Das war im Wahlkampf noch nicht absehbar. Ganz anders als sein damaliger Kontrahent Josef Schmid von der CSU entschied sich Dieter Reiter für einen fast Ehefrau-freien Wahlkampf. Petra Reiter fand und findet das richtig. „Meine Überzeugung ist: Es wird der Oberbürgermeister gewählt und nicht seine Frau“, erklärt sie. Petra Reiter ist eine Frau, die sehr bescheiden und herzlich wirkt. Wenn sie sagt, sie sei nicht der Typ, der in der ersten Reihe stehen wolle, nimmt man ihr das ab.

Mittlerweile nimmt sie schon Termine als Dieter Reiters Vertretung wahr

Dabei lässt sie sich mittlerweile durchaus oft mit ihrem Mann sehen – und nimmt auch Termine als seine Vertretung wahr, etwa Besuche zu 100. Geburtstagen von Münchnern. „Ich bin in meiner Rolle angekommen“, sagt sie. „Wie ich sie ausfülle, das hat auch mit meinen Ehrenämtern zu tun.“

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Die Ehrenämter. Auf die kommt man beim Cappuccino mit Petra Reiter immer und immer wieder zurück. Es ist ihr großes Thema. Sie selbst arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Sterbebegleitung. Petra Reiter mag das Wort überhaupt nicht. Weil es nicht zu dem passt, was sie erlebt, wenn sie Menschen am Ende ihres Lebens begleitet. „Am Ende des Lebens geht es wirklich um etwas“, sagt sie. „Nicht mehr um Schönheit oder um Geld. Man spricht nur noch über echte Herzensangelegenheiten.“ Das Leben so lange wie möglich lebenswert zu halten; darum gehe es doch in der Hospizarbeit. Oft sei aber auch einfach nur wichtig, dass jemand da ist. „Am schönsten“, sagt Petra Reiter, „ist oft ein Lächeln. Das ist so ehrlich. Der Patient freut sich über die paar Stunden, die man da ist.“

Die Gattin des OBs betreut derzeit einen Menschen in der Nähe ihrer Wohnung – was sie sehr gut findet. „Ich will bei mir in der Nähe im Einsatz sein“, sagt sie. „Wenn man jemanden am Ende seines Lebens begleitet, will man schnell vor Ort sein können.“

Petra Reiter: Ehrenamtliche Arbeit ist immer auch politisch

Ihr Einsatz geht aber über die konkrete Hilfe hinaus. Petra Reiter, die sagt, ehrenamtliche Arbeit sei immer auch politisch, macht auch Politik, trifft sich mit Ärzten und Politikern. Ihr großes Ziel: ein Kindercampus für schwerkranke Kinder. „Ich habe in vielen Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten gelernt, dass wir es mit Kindern anders angehen müssen als mit Erwachsenen“, sagt sie. „Wir brauchen nicht nur ein Haus für die vielen schwerkranken Kinder. Was wir brauchen, ist ein Kindercampus, auf dem zum Beispiel auch die Eltern einbezogen werden. Es muss eine pflegerische und palliative Versorgung geben.“ Wichtig sei, den Alltag aufrechtzuerhalten, „dass die Kinder zum Beispiel weiter zur Schule gehen können“.

Reiter investiert sehr viel Zeit in all diese Themen. Sie sitzt im Vorstand der Stiftung „Wir helfen München“ – und sagt selbst: „Ich frage oft: Welchen Wochentag haben wir eigentlich?“

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Doch ihr gefällt ihr Leben als OB-Frau und Ehrenamtliche. Ihr Mann habe sich durch das Amt gar nicht verändert, sagt sie. „Ich würde ihn sofort wieder heiraten.“ Und auch auf die sich rasant verändernde Stadt hat die gebürtige Sendlingerin einen liebevollen Blick bewahrt. „München ist doch immer noch ein Dorf“, sagt sie. Man treffe doch „die ganze Zeit jemanden, den man kennt“. „Dass die eigene Stadt einem fremd geworden ist – so geht es mir überhaupt nicht.“

Auch nicht durch all die Zuwanderung. Reiter ist seit vielen Jahren als Patin für Flüchtlingsfamilien im Einsatz. Ein kleines Mädchen aus Somalia begrüßt sie mittlerweile an der Tür mit „Griaß di, Petra“. „Da geht mir das Herz auf“, sagt die Frau des Oberbürgermeisters und strahlt. Gut möglich, dass sie auch Ärzte und Politiker überzeugen kann. Von dem, was ihr wirklich wichtig ist.

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