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Erfreulicher Rückgang der Straftaten: Die Gesamtzahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent.

Polizei-Sicherheitsreport 2015 für München

Weniger Einbrüche, aber mehr Betrüger

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München - München bleibt Deutschlands sicherste Millionenstadt. 2015 ist die Zahl der Straftaten sogar gesunken. Das geht aus dem Sicherheitsreport der Polizei hervor. Doch es gibt Grund zur Sorge.

Als Jahr der großen Herausforderungen bezeichnet Polizeipräsident Hubertus Andrä 2015. Sicherheitskonferenz, G7-Gipfel, die vielen ankommenden Flüchtlinge und nicht zuletzt viele Versammlungen haben die Polizei auf Trab gehalten. Dabei wurde eine neue Rekordmarke gesetzt: 1447 Freiluft-Versammlungen begleitete die Polizei. 38 817 Beamte waren dabei im Einsatz, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Polizeichef Andrä schreibt dies vor allem den Veranstaltungen der Gruppierungen „Muegida“ und „Bagida“ (heute Pegida) zu. Dabei kamen 18 765 Beamte zum Einsatz – so viele, wie im Jahr zuvor bei allen Versammlungen.

Pegida und die Folgen

Den Pegida-Demonstrationen ist maßgeblich auch der Anstieg bei der politisch motivierten Kriminalität geschuldet, 520 Delikte auf Seite der linken Szene (plus 9,7 Prozent) und 433 auf Seite der rechten (plus 3,7 Prozent). In diesem Zusammenhang betont Andrä, dass die Polizei verpflichtet sei, Versammlungen, die nicht verboten sind, zu schützen. Er verurteilt die heftigen Angriffe von Personen der linken Szene auf die Polizisten, beobachtet aber auch mit Sorge „die Tatsache, dass sich unter den Versammlungsteilnehmern regelmäßig uns bekannte Rechtsextreme aufhalten“, so Andrä. Auch Propagandamittel der NPD kämen zum Einsatz. Delikte der rechten Szene richteten sich auch gegen Asylbewerberunterkünfte in Form von Schmierereien, Beschädigungen auf Baustellen künftiger Unterkünfte bis hin zu Hausfriedensbruch in der Bayernkaserne. Ein wachsames Auge hat die Polizei nach den Anschlägen in Paris und Brüssel auch auf Ausländer, von denen möglicherweise Gefahren ausgehen.

Mehr Drogen-Delikte

Viele Fahrzeug- und Personenkontrollen haben die Fallzahlen in anderen Bereichen in die Höhe schnellen lassen, wie etwa bei der Rauschgift-Kriminalität. Mit 7886 Fällen hatte es die Polizei in der Stadt zu tun – 810 Fälle oder 11,4 Prozent mehr als im Vorjahr. In 70 Prozent der Fälle von Drogenkonsum ging es um Cannabis. 64 Menschen starben wegen ihrer Sucht.

Ein besonderes Augenmerk richtet die Polizei zudem auf die Betrugsfälle: Von ihnen gab es im Vergleich zum Vorjahr 1950 mehr, insgesamt 14 800. Groß ist der Anteil der Enkeltrickbetrüge (2015: 831 Fälle, 2014: 534).

Kriminelle Zuwanderer

Auch der anhaltende Zustrom von Flüchtlingen schlägt sich in der Statistik nieder: Bleiben die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz unberücksichtigt, hatte es die Polizei mit 20 122 nichtdeutschen (von insgesamt 42 790) Tatverdächtigen zu tun, 1,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. 12,9 Prozent davon sind Zuwanderer. „Deren größter Straftatenanteil liegt im Bereich des einfachen Diebstahls“, sagt Andrä. Die meisten der Gewalttaten richteten sich gegen andere Zuwanderer. „Für die Entwicklung der Sicherheitslage wird auch entscheidend sein, wie gut die Integration unserer ausländischen Mitbürger gelingt.“

Weniger Straftaten

Insgesamt können sich die Münchner laut Andrä sicher fühlen: Die Zahl der Straftaten im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums München sank 2015 sogar – um 4,2 Prozent auf 104 134. „Ein bemerkenswerter Tiefstwert, denn er bedeutet trotz Bevölkerungszuwachs einen Rückgang um 14,1 Prozent im Zehn-Jahresvergleich“, so Andrä. Mit 6465 Delikten pro 100 000 Einwohner werden die Münchner viel seltener Opfer einer Straftat als die Bewohner anderer Millionenstädte. Zurückgegangen ist unter anderem die Zahl der Gewalttaten im Stadtgebiet – von 3876 (2014) auf 3778. Die Zahl der Raubdelikte sank binnen Jahresfrist von 578 auf 560 Fälle, die der Sexualstraftaten von 755 auf 717, die der Diebstähle von 37 534 auf 33 463 und die der Straßenkriminalität von 18 577 auf 16 446 Fälle.

Ausgeklammert sind dabei die Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, die um fast 200 Prozent zunahmen. Laut Polizei spielen sie aber keine Rolle für die Kriminalstatistik, da jeder Flüchtling, der sich registrieren lässt, eine Anzeige wegen illegaler Einreise erhält.

Erfolglose Einbrecher

Als „sagenhaft“ bezeichnet Andrä den Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen: von 1426 auf 1108 Fälle. Offenbar wurde Einiges an Sicherheitstechnik nachgerüstet, mittlerweile verläuft laut Polizei fast jeder zweite Wohnungseinbruch für den Täter erfolglos.

Der komplette Bericht

mit Zahlen zu allen Straftaten kann im Internet eingesehen werden unter www.polizei.bayern.de/muenchen, Stichwort „Kriminalität“.

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