Bekannte Unterstützer der „Goldgrund“-Aktion: Schriftsteller Friedrich Ani und die Kabarettisten Christian Springer und Frank-Markus Barwasser (von links). Im Hintergrund zu sehen ist das grüne Haus Pestalozzistraße 2. Foto: Oliver Bodmer

Pestalozzistraße 2

Goldgrund: Prominente demonstrieren gegen Haus-Abriss

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Ein wahres Prominenten-Aufgebot hat gestern Abend gegen den Abriss eines Hauses am Sendlinger Tor protestiert. Die Erfolgsaussichten der „Goldgrund“-Aktion sind zwar gering – OB Dieter Reiter will aber prüfen lassen, ob nach dem Abriss Flüchtlings-Container auf dem Areal unterkommen könnten.

Dunkelgrün und schmutzig steht das Haus Pestalozzistraße 2 im Auspuffdunst neben dem Altstadtring. An diesem Dienstagabend allerdings verleihen bekannte Gesichter der zum Abriss verdammten Immobilie ein wenig Glanz: Da stehen die Kabarettisten Erwin Pelzig, Christian Springer und Luise Kinseher, Claudia Schlenger und Hanns Meilhamer alias Herbert und Schnipsi, die Autoren Axel Hacke und Friedrich Ani sowie Regisseur Marcus H. Rosenmüller auf dem Trottoir. Knapp 300 Teilnehmer haben sich eingefunden. Die „Express Brass Band“ spielt auf. Denn muss dieser Abriss wirklich sein? Die Organisation „Goldgrund“ und ihr Kopf Till Hofmann finden: nein. Die prominenten Freunde unterstützen sie dabei. Der jahrelange Leerstand städtischer Wohnungen nervt sie. Ihr Motto: „Amts-Schimmel stoppen!“

Wobei nicht alle so konkret in ihrer Ablehnung sind. „Nicht alles, was die Verwaltung macht, ist falsch“, sagt Frank-Markus Barwasser alias „Erwin Pelzig“. Ob das Haus abrisswürdig sei oder nicht, vermöge er nicht zu beurteilen. „Generell hege ich aber große Sympathie für ,Goldgrund‘, weil sie Druck auf die Verwaltung aufbauen, sich zu rechtfertigen.“

Tatsächlich ist die Truppe um Till Hofmann seit 2013 wie ein lästiges Wimmerl für Münchens obersten Immobilienverwalter, Kommunalreferent Axel Markwardt. Denn „Goldgrund“ brachte das Thema Leerstand von städtischen Gebäuden erst auf die Agenda. An der Müllerstraße 2-6 sorgte eine prominent besetzte Sanierungs-Aktion in Affenkostümen dafür, dass Haus 6 nun doch nicht abgerissen wird. Und am Montag ließ Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mitteilen, er wolle auch für Haus 2-4 „keine Denkverbote“. Vielleicht könnten dort ja Flüchtlinge einziehen? Man wolle sich mit Goldgrund über ein Konzept unterhalten.

Der Abriss der Pestalozzistraße 2 ist allerdings unumkehrbar, wie Markwardt am Dienstag schriftlich mitteilt: „Eine Umnutzung des Gebäudes für Wohnzwecke wäre baugenehmigungspflichtig und der damit verbundene Planungs-, Genehmigungs- und Bauaufwand überstiege zeitlich und finanziell bei weitem das Maß einer ,Schönheitsreparatur‘ (neue Grundrisskonzeption, vorbeugender Brandschutz u.a. mit Sicherstellung eines 2. Rettungswegs, Baustatik).“ Nach einem Abriss könnte das Grundstück jedoch „viel eher einer kurzfristigen Nutzung zugeführt werden“. So prüft das Kommunalreferat im Auftrag von OB Reiter derzeit, ob auf dem Areal Funktionsbauten für die Unterbringung von Flüchtlingen aufgestellt werden können. „Wenn ein Haus nicht mehr saniert werden kann, weil es baufällig ist, dann muss zügig abgerissen und für das Gelände bis zum Baubeginn eine sinnvolle Zwischennutzung gefunden werden“, teilt Reiter auf Anfrage mit.

Flüchtlinge könnte man doch auch in dem bestehenden Haus unterbringen, finden Hofmann und viele seiner Mitstreiter. Die Prominenten lesen vor dem Haus niedergeschriebene Schicksale von jugendlichen Flüchtlingen vor. Christian Springer, der seit Jahren Hilfe für Syrien organisiert, hält eine flammende Rede. „Ich bin gegen einen Fingerzeig auf die Stadt, wir sind hier alle hundertmal vorbeigefahren, ohne uns Gedanken zu machen“, sagt er. Letztlich gehe es doch um das Schicksal von Menschen. „Wenn wir es schaffen, dass diese Bruchbude erhalten bleibt, aber die Flüchtlinge in der Bayernkaserne frieren, sind wir ein armseliger Haufen.“

Von einer Bruchbude spricht auch Markwardt. Er betont, das Haus sei bereits fast völlig entkernt, verschimmelt und unsanierbar. Hofmann nennt den Abriss dagegen eine „gewaltige Verschwendung von Zeit und Ressourcen“.

Luise Kinseher wünscht sich „Verantwortungsbewusstsein und Verstand“ seitens der Verwaltung. „Sicher ist es nicht immer einfach, den Leerstand zu managen. Aber manchmal fragt man sich schon, warum die Verantwortlichen nicht früher und vielleicht auch mal spontan in die Gänge kommen.“

Johannes Löhr

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