+
Am Samstag ist wieder Zweirad-Flohmarkt im Zenith.

Riesen-Auswahl an Fahrrädern

Rad-Eldorado für Schnäppchenjäger: Großer Radlflohmarkt am Samstag im Zenith

Mountainbikes, Kinderradl, Hollandräder – alle Sorten von Fahrrädern finden sich nicht nur unter den städtischen Findelrädern, sondern auch beim großen Radlflohmarkt.

München -  Am Samstag (28. April) finden Schnäppchenjäger im Zenith (Lilienthalallee 29, U6 Freimann) wieder eine große Auswahl an Fahrrädern. Veranstalter ist die Green City GmbH im Auftrag der Stadt. Der Zweirad-Flohmarkt beginnt um 10 Uhr. Wer sein Fahrrad verkaufen oder versteigern lassen möchte, muss sich vorher registrieren (www.radlhauptstadt.muenchen.de).

Auch das städtische Fundbüro lässt auf dem Flohmarkt etwa 80 Damen-, Herren- und Jugend-­Räder versteigern, die über ein halbes Jahr lagerten und nicht abgeholt wurden.

Der Herr der Rostradl

Wenn Wolfgang Großmann (57) das Hallentor aufschiebt, erkennt man zunächst nur ein Knäuel aus Metall und Gummi – fast wie eine ­abstrakte Kunst­installation. Doch auf den 370 Quadratmetern in einer Halle in Aschheim stehen säuberlich aufgereiht etwa 600 Fahrräder: Mountainbikes neben Freizeiträdern neben Kinderradln… Sie alle wurden in München an einem öffentlichen Radlständer zurückgelassen oder vergessen.

Wolfgang Großmann ist ­Geschäftsführer der städtischen Park und Ride GmbH (P+R). Sie sammelt seit einem halben Jahr ­offensichtlich unbenutzte Fahrräder in München ein, ­damit sie keine Stellplätze blockieren und das Stadtbild verschandeln. Die ehemalige Scheune in Aschheim ist eine von drei Lagerhallen, in denen die P+R die Räder aufbewahrt – aktuell sind es insgesamt rund 2500 Stück.

„Wir registrieren die Räder mit allen erkennbaren Details: Rahmennummer, Hersteller, Farbe, Zustand…“, erklärt Großmann. Ein halbes Jahr können die Eigentümer ihren Drahtesel zurückfordern (siehe auch Kasten rechts). „Nach sechs Monaten kann man von einem sogenannten Eigentumsverzicht ausgehen“, erklärt Großmann. Das habe ein Rechtsgutachten der Stadt ergeben. „Wir wundern uns schon, ­warum so wenige Münchner bei uns nach ihrem Radl fragen. Bisher konnten wir erst 24 Fahrräder an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben – also im Promillebereich.“

So lief‘s im letzten Jahr: Radlflohmarkt im Zenith

Unter den glücklichen ­Wiederfindern war ein Obdachloser. Er konnte ein unverwechselbares Merkmal seines Fahrrads nennen: Die Lenker­enden waren mit Klebeband umwickelt, weil der Mann sich offenbar keine richtigen Griffe leisten konnte. „Er brauchte sein Rad zum Flaschenpfand sammeln“, erzählt Michael Leis, der das Projekt Radl-Ramadama leitet. Wegen einer schweren Krankheit hatte der Obdachlose sein Rad längere Zeit nicht genutzt, so war es ins Visier der Stadtentrümpler von der P+R geraten.

„Aus­gerechnet bei so einem Schrott­radl meldet sich der Eigentümer…“, wundert sich Leis. „Andere Fahrräder, die noch richtig gut dastehen, vermisst offenbar niemand. Viele müsste man bloß mal aufpumpen, Kette ölen, und los geht’s.“ Zehn Inhaber machte die Polizei ausfindig, weil sie ihre Fahrräder als gestohlen gemeldet hatten. Darunter auch ein Nürnberger, dem das Rad in der Frankenmetropole gestohlen worden war.

So lief der Radlflohmarkt vor zwei Jahren 

Manche Bürger müssen sich mit der Aktion Radl-Ramadama noch anfreunden. ­„Eine Münchnerin hat sich mal bei uns beschwert, weil an ihrem Fahrrad unsere Banderole befestigt war“, erzählt Großmann. „Es stellte sich heraus, dass die Dame an vier S- und U-Bahnhöfen je ein Rad positioniert hatte und sie deswegen oft länger ungenutzt herumstanden.“ Großmann bat die Frau, die Bande­role einfach ab­zureißen. „Dann lassen wir das Rad natürlich stehen!“

Fahrrad-Ramadama: So räumt die Stadt auf

Die P+R hat innerhalb eines Jahres 3100 verlassene Räder von rund 1800 ­öffentlichen Orten eingesammelt. Zunächst bringen Mitarbeiter ­eine rot-weiße Banderole an Fahrrädern an, die offensichtlich nicht mehr benutzt werden, zum Beispiel, weil Teile fehlen. Ist die Banderole nach vier Wochen noch dran, wird das Schloss aufgeschnitten, das Rad abtransportiert und gelagert. Wenn sich sechs Monate ­niemand meldet, der sein Rad vermisst, gibt die P+R es an wohl­tätige Organisationen weiter. ­Caritas & Co. spenden die Räder dann an ­Bedürftige oder nutzen sie für Reparatur-Workshops. Fahrräder, die nur noch Schrottwert haben, werden entsorgt. Wer sein Fahrrad vermisst, kann über die Website www.radlramadama.de prüfen lassen, ob sein Rad von der P+R aufbewahrt wird. Im Optimalfall hat man die Rahmennummer parat.

H. Ince

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ohne eine spezielle Maßnahme bricht das Münchner U-Bahn-System zusammen
Die Verkehrsprognose seitens Stadtrat für den öffentlichen Nahverkehr fällt ziemlich drastisch aus. Die Integration der neuen U-Bahn-Linie U9 ist unabdingbar, sonst …
Ohne eine spezielle Maßnahme bricht das Münchner U-Bahn-System zusammen
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Die Oktober-Bauarbeiten an der Münchner Stammstrecke starten. An diesem Wochenende geht‘s weiter. Wer mit der S-Bahn in die Innenstadt möchte muss Geduld haben. 
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Das „Craftbeer Oktoberfest“ in der Münchner Reithalle dürfte unter den Liebhabern außergewöhnlicher Biersorten bis einschließlich Samstag ein besonderer Tipp sein.
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus

Kommentare