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Referentin ist zuversichtlich

Schüler-Rekorde in München: Vor diesen Herausforderungen steht die Stadt

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Für die wachsende Schülerschar baut die Stadt stetig neue Schulen. Doch reicht es? Stadtschulrätin Beatrix Zurek meint: ja. Dennoch steht die Stadt vor gewaltigen Herausforderungen – vor allem bei Berufsschulen und Betreuung.

München - Knapp 11.000 Münchner Erstklässer – mehr denn je – haben ihre erste Schulwoche hinter sich. Und die kribbelige Spannung des Anfangs weicht dem Gefühl: Jetzt wird es ernst. Ähnlich fühlt sich offenbar Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD). Auf die Frage, wie es ihr gehe, sagte die 57-Jährige gestern: „Na ja, kaum fängt die Schule wieder an, ist der Urlaub schnell vergessen.“

Kein Wunder – München befindet sich mitten in gewaltigen Herausforderungen. Bis zum Jahr 2035 muss die Stadt 33 000 neue Plätze in Schulen schaffen. Wie das angesichts knapper Flächen und fehlender Pädagogen gehen soll oder ob der „Schul-Notstand“ drohe, erläuterte Zurek gestern im Münchner Presseclub.

Laut aktueller Prognose wird München im Jahr 2035 bereits 125.000 Schüler haben. Damit wurde die alte Zahl binnen zwei Jahren um rund 10.000 nach oben korrigiert. Zurzeit besuchen knapp 108.000 Eleven die 350 städtischen und staatlichen Schulen. Vor allem neue Gymnasien, Grund- und berufliche Schulen müssen her. Vier zusätzliche Gymnasien müssen allein wegen der Umstellung auf das G9 gebaut werden. Bereits zwei Bauprogramme mit einem Gesamtvolumen von 3,8 Milliarden Euro hat der Stadtrat abgesegnet.

Beatrix Zurek (SPD), Münchens Bildungsreferentin.

Zurek übt sich in Zuversicht. Natürlich herrsche Konkurrenz um die raren Grundstücke. „Wir wollen kreativ sein, die Dinge anders denken und das Baurecht ausschöpfen“, sagt sie. Künftig sollen Schulen wieder höher gebaut werden als nur zweistöckig, wie es seit Jahren aus pädagogischen Gründen geschieht. Auf Turnhallen sollen Spielwiesen für Horte entstehen, und weiterhin braucht es Pavillons. Noch gelinge es dem Baureferat, all die Projekte zu managen – allerdings mache sich auch hier die Überlastung der Baufirmen bereits bemerkbar, so die Bildungsreferentin.

Der akute Lehrermangel ist nicht ihr Thema, hier muss sie auf den Freistaat verweisen. Sie sagte nur: „Die größten Probleme werden wir an unseren 85 beruflichen Schulen bekommen“ – weil zu wenig Studierende Berufsschullehrer werden wollen. Zurek sprach sich dafür aus, dass alle Lehrer künftig interkulturelle Kompetenz haben sollten. Nur so lasse sich der multikulturellen Realität begegnen, auch in den Sprachförder- und Übergangsklassen für Migrantenkinder.

Eine Riesenbaustelle bleibt das Thema Kita: Bis 2035 müssen 11 000 neue Plätze in Krippen und Kindergärten entstehen und ebenso viele in der Ganztagsbetreuung von Schülern. Das bedeutet auch: „Wir werden im vierstelligen Bereich Erzieher brauchen.“ Schaffen will Zurek das, indem sie die Ganztagsschule ausbaut und den Freistaat dabei noch stärker mit in die Verantwortung nimmt. Zudem sollen weitere Berufsgruppen in die Kinderbetreuung einbezogen werden, etwa Heilpädagogen. Denn schon jetzt fehlen rund 190 Erzieher allein in städtischen Kitas.

Auch an der Gebührenfreiheit wird gearbeitet. Im Mai hatte die Rathaus-SPD gefordert, Kitas für Eltern kostenfrei zu machen. Kommendes Jahr will Zurek dem Stadtrat ein Modell vorlegen. Da ärmere Familien in München aber ohnehin keine oder reduzierte Gebühren zahlen – ist da Gebührenfreiheit überhaupt gerecht? Zurek blockte die Frage ab: Sie bearbeite nur einen Stadtratsauftrag.

Warum es so schwierig sei, verlässliche Prognosen über Schülerzahlen herzustellen, obwohl es seit Jahren Rekorde bei Geburten und Krippenanmeldungen gibt? Laut Zurek liegt das am unvorhersehbar starken Zuzug. Den Familien, die zurzeit besonders unter Schulbaustellen und Betreuungsnot leiden, gab Zurek zum Trost mit: „Ich habe diese Standorte im Blick. Wir müssen gemeinsam unkonventionelle Lösungen finden.“

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