+
Alternative Dachnutzung: 2017 hielt Pfarrer Rainer Maria Schießler eine Predigt in luftiger Höhe im Werksviertel.

München 2040 - Die Stadt der Zukunft

Über den Dächern der Stadt: Neuer Lebensraum für Münchner?

  • schließen

Die Stadt wächst und wächst. Doch wo werden Münchens Kinder künftig noch spielen – und ihre Eltern entspannen?

München - Zum Abschluss unserer Zukunfts-Serie beschäftigen wir uns mit dem Thema Freiflächen. Die Dächer der Stadt sollen hierbei eine wichtige Rolle spielen – wenn es nach OB Dieter Reiter geht. Doch in der Realität ist das nicht so einfach.

Münchens Dächer sollen belebt werden: eines der Hauptanliegen von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) für dieses Jahr. „Wenn wir mal nach New York schauen, dort gibt es fast kein Dach, das nicht genutzt wird. Bei uns gibt es fast keines, das genutzt wird“, sagt Reiter.

Lärmschutz und fehlende Genehmigungen stehen häufig im Weg

Die Überlegung: Könnten beispielsweise Sport- oder Spielplätze, Pools oder Beete zum Garteln in die Höhe verlegt werden, entsteht mehr Platz für Wohnungsbau. Und den braucht München dringend. Er wolle zukünftig keine Planungen mit ungenutzten Flachdächern mehr sehen, so Reiter. Nun brauche es „ein Signal, ein Pilotprojekt“. Doch guter Wille alleine reicht nicht. So wird die Dachterrassen-Bar mit Swimmingpool „The Lit“ im Werksviertel heuer nicht mehr eröffnen. Der Grund: Anwohner-Beschwerden wegen Lärm. Erhalten bleiben zumindest die Schafe, die im Herbst auf einen anderen Teil des Daches gezogen sind. Lärmschutz, fehlende Genehmigungen: Sie stehen der Dächer-Vision häufig im Weg. 

Bisher gibt es in München nur eine Handvoll Vorzeigeprojekte. Vor rund einem Jahr weihte die Stadt ein Haus auf Stelzen über dem Parkplatz des Dantebads ein. Der Clou: ein Spielplatz auf dem Dach. Architekt Florian Nagler (51) sagt, er habe ein vielfältiges Angebot schaffen wollen. „Es sollte was da sein zum in Ruhe sitzen genauso wie Spielmöglichkeiten.“ Beim Dach am Dantebad läuft bis jetzt alles ohne größere Probleme. 

Architekt Florian Nagler hat einen Spielplatz auf dem Dach des Stelzenhauses beim Dantebad entworfen.

Hortleiterin kann Aufregung nicht verstehen

Anders war das an der Grund- und Mittelschule Führichstraße (Ramersdorf). Dort nutzen Kinder des städtischen Horts an der Kirchseeoner Straße seit dem Sommer 2016 ein Sporthallen-Dach. Doch die Stadtratsfraktion der Grünen und der Rosa Liste beklagte in einem Antrag ein Jahr später, bei der Planung sei mehr auf Architektur als auf die Bedürfnisse der Kinder geachtet worden. So gebe es große Pflanztröge aus Metall. Optisch schön – aber sie erhitzen sich bei Sonne so stark, dass sich niemand draufsetzen könne. Auch dürften die Kleinen oben selbst keine Pflanzen anbauen. Und ein Sandkasten sei aus statischen Gründen nicht erlaubt.

Hortkinder können auf diesem Dach in Ramersdorf ins Freie.

Hortleiterin Ulrike Thiele kann die Aufregung nicht verstehen. Die Kritik sei nicht von ihrer Seite gekommen. „Die Kinder haben die Terrasse so angenommen, wie sie ist. Wir sind zufrieden“, sagt sie. Die Terrasse sei von allen Räumen des Hortes einsehbar, weswegen die Kinder dort alleine etwa mit Bällen spielen dürften. Das Dach sei durch ein Gitter abgesichert. Und: „Wir haben jetzt auch erlaubt bekommen, eins der Beete zu bepflanzen.“

Ein neuer Versuch der Stadt für das ersehnte Vorzeigeprojekt: In Freiham sollen auf den Dächern eines Gymnasiums und einer Realschule Bereiche für Sport und Erholung entstehen. Doch wer Näheres zu dem Vorhaben erfahren möchte, der stößt rasch an Grenzen. Die Dachnutzung befinde sich in einer „frühen Planungsfrage“, heißt es seitens des Baureferats. Details hierzu könnten derzeit nicht genannt werden.

München 2040 - Die Stadt der Zukunft: Weitere Teile unserer Serie

Dieter Reiter im Interview über Pendler, Mietpreise und Rentner

Wie die MVG den drohenden Verkehrskollaps verhindern will

München und der Wohnungsbau: Der Kampf gegen die Windmühlen

Günstige Mieten: Was München von Wien lernen kann

Sharing - der neue Trend: Wir teilen alles!

Schnellwege, Transporträder und E-Bikes: So radelt München in die Zukunft

Unser Großstadtleben in München wird ein Erlebnis

Technik-Sensation aus München: Pflegt uns bald dieser Roboter?

Werksviertel und Co.: Wo in unserer Stadt die Zukunft wohnt

Höher, kleiner, günstiger: Unsere Wohn-Zukunft

Unsere Mobilität von morgen: So fährt die Stadt München

Unsere Visionen - Was sich acht Münchner wünschen – und was möglich ist

Brauchen wir Tabu-Gebiete?

Die Stadt denke oft nur da­ran, wo sie noch bauen kann. Doch es ­müsse auch Freiflächen geben, die tabu sind – das findet Katrin ­Habenschaden (40) von den Stadtrats-Grünen. Ihre Partei forderte deswegen im vergangenen Sommer ein Register für Grünflächen – und rief Mitglieder in den Bezirksausschüssen dazu auf, Flächen zu sammeln. „Die Frage, wer über die ­Flächen in der Stadt bestimmt, wird bei dem zu erwartenden Bevölkerungswachstum die ­Zukunftsfrage schlechthin“, ist sich Habenschaden sicher. 

Die ehrenamtliche Stadträtin und Diplombetriebswirtin arbeitet auch als Wald- und Wildnis­pädagogin. Daher weiß sie, wie wichtig auf die Stadt verteilte Grünflächen sind, etwa um die Luft abzukühlen oder zum Spielen für Kinder. Schon jetzt ist München laut dem Statistischen Amt die Beton-Hauptstadt unter den vier Millionenstädten Deutschlands. Das Verhältnis von Flächen für Bebauung und Verkehr zu unbebauten Arealen beträgt in München 60 zu 40. In Hamburg etwa lautet es 50 zu 50. 

Grünen-Politikerin plädiert für mehrgeschossige Parkhäuser

Eins ist Habenschaden wichtig: Ihrer Partei gehe es keinesfalls darum, dass in München nicht gebaut werden dürfe. Doch das müsse nicht immer auf Grünflächen erfolgen. Alternativ könnten man zum Beispiel ebenerdige Parkplätze in mehr­geschossige Parkhäuser verlegen und den dadurch gewonnenen Platz nutzen. Tabu sind für die Grünen unter anderem der Kustermannpark (Ramersdorf), Grünflächen südlich der Siemensallee (Thalkirchen), der Schnepfenweg (Fasanerie, im Dezember zur Bebauung freigegeben), das Virginia-Depot (Lerchenau) oder die Panzerwiese (Milbertshofen).

Schützenswert: der unbebaute Panzerwiesen-Teil

Englischer Garten wächst zusammen

Eine Achterbahnfahrt sei das schon ­gewesen, sagen Petra Lejeune-Grub und Hermann Grub. „Aber wir haben ­starke Nerven.“ Und so hat das Architektenpaar seine Vision durchgeboxt: ein Tunnel, der den Englischen Garten wieder ­vereinigt. 2010 stellten die beiden ihr Konzept vor, im Juni 2017 startete der Stadtrat dann endlich eine konkrete Planung für einen 390 Meter langen Tunnel. Kosten: etwa 125 Millionen Euro. 

Ein Tunnel soll den Englischen Garten wieder vereinen.

Seit den 1960er-Jahren trennt der Isarring den Englischen Garten in zwei Teile. Durch den neuen Tunnel wird man etwa 10.000 Quadratmeter Fläche gewinnen. „Hier soll ­eine große Wiese entstehen und Radwege“, so die Architekten. Außerdem sollen Bäche wie der Schwabinger Bach wieder ungehemmt nach Norden fließen dürfen. Und weil die Lejeune-Grubs Optimisten sind, könnten sie sich vorstellen, dass der Tunnel schon in fünf Jahren fertig ist. „Dann machen wir erst mal einen langen Spaziergang durch den Englischen Garten.“ 

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen. Hier entlang zur Liste.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Riesen-Chaos bei der MVG: Mehr als 2.000 Kunden warten täglich am Info-Schalter
Knapp 2.000 Kunden warten täglich am Schalter der MVG. Mit einer Kampagne sollen viele von ihnen nun zur Nutzung der Homepage überredet werden. 
Riesen-Chaos bei der MVG: Mehr als 2.000 Kunden warten täglich am Info-Schalter
Verzögerungen und Zugausfälle erwartet - Personen legen S-Bahnlinie lahm
Zahlreiche Pendler sind auf den S-Bahn-Verkehr angewiesen. Doch immer wieder kommt es zu Störungen, Sperrungen und Ausfällen. In unserem News-Ticker informieren wir Sie …
Verzögerungen und Zugausfälle erwartet - Personen legen S-Bahnlinie lahm
Reichtum auf der Bahnhofstoilette: Putzmann soll mit irrer Masche Erfolg gehabt haben
Er soll mehr als 425.000 Euro aus einer Toilettenanlage gestohlen haben - seit Mittwoch steht ein Putzmann deshalb vor Gericht.
Reichtum auf der Bahnhofstoilette: Putzmann soll mit irrer Masche Erfolg gehabt haben
SPD will die Mieter in ganz München schützen
Schutz vor Luxussanierung und Verdrängung: Durch eine Ausweitung der sogenannten Erhaltungssatzungen will die SPD Mieter in München künftig stärker schützen.
SPD will die Mieter in ganz München schützen

Kommentare