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Die Herrin der Straßen.

Interview mit Margarita Hausberger 

Sie sucht Namen für Münchens Straßen – „netter Kerl“ als Grund reicht nicht

Margarita Hausberger (51) ist in München die Herrin der Straßen. Sie arbeitet beim Geodaten-Service der Stadt. Dort entscheidet sie mit, welche neuen Straßennamen in Frage kommen, welche Wege umbenannt werden müssen und welche Vorschläge unsinnig sind. 

Was ist, wenn ich Ihnen schreibe: Mein Nachbar, der Johannes, ist ein netter Kerl. Bitte benennen Sie eine Straße nach ihm! 

Margarita Hausberger: Dann würde ich eine freundliche Antwort schreiben, dass wir leider ablehnen müssen, wenn Ihre Begründung „netter Kerl“ ist. 

Warum?

Hausberger: Wir haben zwar einen Ermessensspielraum, aber ich muss Vorschläge selbstverständlich rechtfertigen. Unsere Vorgaben sind eindeutig. 

Wie lauten sie? 

Hausberger: Es ist zwar nirgends als Gesetz formuliert, aber eine der Vorgaben aus der Praxis ist, dass eine Person, die für eine Straßenbenennung in Frage kommt, Außerordentliches geleistet haben oder ein besonderes Lebenswerk vollbracht haben soll. 

Weitere Vorgaben? 

Margarita Hausberger (51).

Hausberger: Eine zeitliche. Wenn man eine öffentliche Verkehrsfläche Münchens nach einer Person benennen möchte, sollte sie etwa ein Jahr tot sein. Das hat sich als sinnvoller Abstand etabliert. Bei aktuellen Bezügen darf aber auch nicht zu viel Zeit verstrichen sein. Wenn Sie in 20 Jahren versucht hätten, eine Straße nach Dominik Brunner zu benennen, hätte sich kaum jemand an ihn erinnert. Herr Brunner wurde leider Opfer seines couragierten Einschreitens zum Schutze Schwächerer. Daher war es in diesem Fall sinnvoll, relativ bald nach dessen Tod einen Weg nach ihm zu benennen. 

Was passiert grundsätzlich mit Vorschlägen zur Straßenbenennung? 

Hausberger: Grundsätzlich beantworten wir jedes Schreiben und beschäftigen uns mit jedem ernst gemeinten Vorschlag. Wenn es ein grundsätzlich umsetzbarer Vorschlag ist, nehmen wir ihn auf unsere Vorschlagsliste. Wir bereiten eine Stellungnahme vor und argumentieren. Aber entschieden wird woanders. Wir treffen nur eine Vorauswahl. 

Wohin geht dann Ihre Stellungnahme? 

Hausberger: Handelt es sich um einen Namen einer Person, lassen wir sie vom Bundesarchiv in Berlin prüfen, vor allem, falls sie vor 1926 geboren wurde, um eine Nazi-Vergangenheit auszuschließen. Mit dem Münchner Stadtarchiv arbeiten wir auch immer zusammen. Auch dort wird noch mal intensiv geprüft. Danach legen wir den Vorschlag weiteren Gutachtern vor, etwa der Frauengleichstellungsstelle. Zum Schluss schaut Stadträtin Ulrike Boesser drauf. Zusätzlich schalten wir die Stadtbibliothek ein. Falls alle positiv urteilen, leiten wir den Vorschlag dem Ältestenrat weiter. Das ist die politische Ebene. Wenn er den Namensvorschlag auch befürwortet, folgt der Beschluss durch den Kommunalausschuss. 

Woher nehmen Sie denn Ihre Inspiration? 

Hausberger: Unter anderem aus unserer Personenliste mit etwa 1200 Namen. 

Können Sie uns Beispiele nennen? 

Hausberger: Leider nicht. Die Liste ist sozusagen geheim. 

Und wenn kein Name aus der Liste in Frage kommt? 

Hausberger: Dann könnte auch der Vorschlag einer Privatperson relevant sein. Oder ein aktueller Todesfall. Einflussreiche Politiker, die kürzlich verstorben sind, kommen oft in Frage. Die nehmen wir eigentlich immer in unsere Liste auf. 

Worauf müssen Sie noch achten? 

Hausberger: Eine der neueren Vorgaben ist, dass bevorzugt Frauennamen vorgeschlagen werden. 

Woher kommt diese?

Hausberger: Aus der Stadtpolitik. Gleichstellung ist stets ein wichtiges Thema. Seit 2004 müssen wir Rechenschaft darüber abgeben, wie viele Männer- und Frauennamen vergeben wurde. Schließlich wurden ja früher Straßen fast nur nach Männern benannt. 

Wie ist das Verhältnis derzeit?

Hausberger: In München gibt es etwa 6100 Straßennamen. Etwa 2800 davon sind Männernamen, rund 420 sind Frauennamen. 

Wie viele der mehr als 6000 Straßennamen könnten Sie aufzählen? 

Hausberger: (Lacht) Nur ganz wenige. Vielleicht 50. Die merke ich mir doch nicht alle. Das ist ja wie bei ’Wetten, dass...?’ 

Haben Sie persönliche Namensfavoriten? 

Hausberger: Ja, inspiriert von einem Radiosender. Er führte die Umfrage durch, welcher Straßenname in München demnächst vergeben werden soll. Und die Leute sprachen sich für Freddie Mercury aus. Eine sehr sympathische Idee mit München-Bezug. Mercury hat sich ja bekanntlich oft in München aufgehalten. 

Interview: Hüseyin Ince

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