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Internet-Surfen per WLAN in der Trambahn – wird das bald möglich sein? 

Kostenlos unterwegs surfen

Söder verspricht WLAN-Tram - nur MVG weiß nichts davon

München - Markus Söder will die Münchner Trambahnen mit kostenlosem WLAN ausstatten - die MVG hat von diesen Plänen aber noch nicht erfahren. 

Deutschland ist W-Lan-Entwicklungsland. Kaum ein anderes Land in Europa hat so wenige öffentlich zugängliche Zugangspunkte zum Internet. Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU) will das im öffentlichen Nahverkehr in München ändern. In allen 114 Münchner Trambahnzüge soll bis spätestens Ende des nächsten Jahres das kostenlose Internetsurfen möglich sein – als Teil von Söders Großprojekt „Bayern W-Lan“, durch das 20 000 Hotspots an Sehenswürdigkeiten, Behörden und Universitäten im Freistaat entstehen sollen. Doch dabei muss die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), Betreiber des Münchner Trambahn-Netzes, mitspielen. Die MVG war am Mittwoch vom Vorstoß des Ministers überrascht. In einer Stellungnahme des Unternehmens heißt es: Man werde „das Angebot des Freistaats gerne prüfen“, sei grundsätzlich „aufgeschlossen“.

Die Stadtwerke und die MVG haben nämlich eigene Pläne für den Ausbau des kostenlosen Internets im öffentlichen Nahverkehr: In München existieren bereits 21 W-Lan-Hotspots, oberirdisch etwa am Marienplatz, am Stachus und am Giesinger Bahnhof, die von den Stadtwerken im Auftrag der Stadt betrieben werden. Außerdem testet das Unternehmen sein sogenanntes M-W-Lan unterirdisch im Sperrengeschoss der Münchner Freiheit. 2017 plant die MVG einen Pilotversuch in zehn Bussen, bevor weiter investiert wird.

Die Kosten für die Einrichtung des „Bayern W-Lan“ in den Trambahnen würde der Freistaat übernehmen. Rund 900 000 Euro soll das etwa kosten, schätzt Söder. Die Stadt München müsste lediglich für die laufenden Internetkosten von etwa 3400 Euro im Monat aufkommen. Insgesamt kostet das Projekt also nur einen Cent pro Fahrgast pro Jahr, rechnet der Minister vor.

„W-Lan ist ein fester Bestandteil unseres Lebens“, sagt Markus Söder, „und besonders in der Technologiehochburg München gehört das einfach dazu.“ Die Installation der Router und Antennen in Trambahnen soll ganz einfach sein. Deshalb verspricht Söder: Bis „Mitte, Ende 2017“ ist das W-Lan auf allen 13 Trambahnlinien verfügbar. Nach einer Testphase soll das Konzept auf andere bayerische Städte mit Tramlinien übertragen werden.

Allerdings würde statistisch gesehen nur einer von fünf Fahrgästen der MVG von dem Angebot profitieren. Busse, U-Bahnen und S-Bahnen sollen vorerst offline bleiben. Vor allem unterirdisch sei die Einrichtung zu kompliziert, sagt Söder. Gleichzeitig sei das Pilotprojekt eine Möglichkeit, das Trambahnfahren noch attraktiver zu machen. „Es ist eine Hommage an Tradition und Fortschritt“, sagt er.

Für die Nutzer soll das „Bayern W-Lan“ einfach und unkompliziert funktionieren. Eine Registrierung ist für eine Nutzung nicht notwendig. Vielmehr bleiben die Nutzer anonym, Daten werden keine gespeichert, so der Plan.

Nur „auf einige wenige Amüsements“ müssten die Nutzer verzichten: Sex- und Gewalt-Inhalte werden von einem Filter gesperrt. Aber nicht alle finden den Jugendschutz gut: „Wir lehnen eine Zensur-Infrastruktur ab“, sagt Jan Morawek vom Verein „Freie Netze München“. Der Verein setzt sich für den sogenannten Freifunk, den Aufbau eines nicht-kommerziellen W-Lan-Netzes, in München ein. Morawek: „Eine Zensur kann vom Betreiber auch missbraucht werden, um unliebsame Inhalte wegzusperren.“ Man sei zwar auch für einen Jugendschutz, aber da müssten andere Lösungen gefunden werden.

Noch steht Söders Vorhaben als Angebot im Raum. Immerhin: Im Rathaus findet man die Idee offenbar gut. Es sei ein „sehr sinnvolles Pilotprojekt“ und eine „gute Nachricht für die Münchner Trambahnfahrer“, sagt Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU). Und auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) finde die Idee gut, berichtet Söder. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wäre München die erste deutsche Großstadt mit kostenlosem W-Lan in Trambahnen.

Caspar von Au

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