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Zur Aufmerksamkeit mahnt die Aktion „Augen auf!“: Lara Ramm von der Kibs-Beratungsstelle für junge Männer.

Kaum Vorfälle, aber Verunsicherung

Spannerangst in Freibädern: Das sollten Eltern jetzt wissen

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Fotografieren im Freibad. Zwar ist die Zahl der gemeldeten Vorfälle nicht gestiegen – doch was ist erlaubt, und wie soll man sich in bestimmten Situationen verhalten?

München - Erst am Dienstag gab es einen Vorfall im Westbad. Am Solebecken soll ein junger Mann andere Badegäste gefilmt haben. Mitarbeiter hätten laut Michael Solic, Sprecher der Stadtwerke München (SWM), die Polizei gerufen und den Mann „rausgezogen“. Er habe nun flächendeckend Hausverbot. Ein Einzelfall – doch das Thema bleibt: Viele Menschen, vor allem Eltern, sind verunsichert, was das Fotografieren im Freibad betrifft.

Viele Eltern sind verunsichert

„Die Zeiten sind anders geworden“, sagt Elisabeth von Medem-Stadler vom Verein „Power-Child“. „Mit Handys kann jetzt jeder jederzeit fotografieren und filmen – auch in sensiblen Bereichen wie Freibädern. Früher brauchte man einen Fotoapparat, das ist viel mehr aufgefallen.“ Heute geht das Knipsen oft so schnell, dass es kaum jemand mitbekommt. „Junge Eltern wenden sich häufiger an uns“, sagt von Medem-Stadler. Am Donnerstag informierten die Münchner Bäder mit der Polizei und Beratungsstellen im Michaelibad in Neuperlach.

Wie groß die Angst bei manchen Eltern ist, dass ein Spanner oder Pädophiler ihre Kinder ablichten könnte, zeigt auch ein Vorfall aus dem Hirschgarten im Juli. Dort wurde die Polizei gerufen, weil am Wasserspielplatz jemand fotografierte. Es stellte sich heraus, dass der Vater nur seinen eigenen Nachwuchs geknipst hatte. „Man merkt in der Regel, ob jemand nicht an einen Ort oder in eine Gruppe passt“, sagt Heidrun Holzer vom Sozialreferat.

Aktion gibt es schon seit 10 Jahren

Die Aufklärungsaktion „Augen auf! Spaß in M-Bädern“ zielt seit zehn Jahren darauf, dass Badegäste aufmerksam sein und Verdächtiges melden sollen. „Wir wollen auch Kinder und Jugendliche ermutigen, sich ans Badpersonal zu wenden, wenn ihnen etwas komisch vorkommt“, sagt von Medem-Stadler. Das Personal sei geschult, arbeite eng mit der Polizei zusammen und könne sofort helfen – auch nach einer unangenehmen Berührung im Wasser. „Kinder finden das vielleicht irritierend, trauen sich aber aus Scham, Angst oder Wut nicht, etwas zu sagen.“ Manche junge Mädchen wagten sich gar nicht mehr in Bäder aus Furcht vor Fotos. „Damit muss Schluss sein!“

Zahl der Beschwerden nicht gestiegen

Laut Solic hat die Zahl der Beschwerden wegen Fotografierens nicht zugenommen. Auch körperliche Belästigungen gebe es nicht mehr als früher. „Bei rund vier Millionen Badegästen jährlich ist die Zahl verschwindend klein“, sagt er: Laut Polizei ist die Zahl der Sexualdelikte im Freibad nicht angestiegen. 2016 wurden 16 Vergehen gemeldet, im Vorjahr waren es 23. Im ersten Halbjahr 2017 bewegten sich die Fälle bislang auf Vorjahresniveau.

Die Beratungsstellen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. „Aber unsere Aktion zeigt bereits Wirkung. Kinder und Eltern sind für das Thema sensibilisiert“, sagt Holzer. Eltern wird meist geraten, den Kindern Badebekleidung anzuziehen. „Jedes Kind braucht zwar auch die Erfahrung von Nacktheit“, sagt Christine Rudolf-Jilg von Amyna, dem Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch. „Aber das muss nicht unbedingt in der Öffentlichkeit oder einem städtischen Freibad sein.“

Bisher kaum Probleme mit Fotohandys

Bei den SWM sind laut Solic noch keine Beschwerden von Eltern aufgelaufen, dass herumfotografiert werde. Was es schon immer gegeben habe: dass sich einzelne Badegäste beschwerten, dass sie mitfotografiert worden seien. In solchen Fällen funktioniert die Vermittlung durchs Badpersonal laut Solic meist sehr gut.

Vom Vorstoß des Waldschwimmbads im hessischen Offenbach hält der SWM-Sprecher nicht viel. Dieses verpflichtet seine Gäste neuerdings, ihre Handykameras abzukleben. „Das funktioniert nicht“, meint Solic. „Wer kontrolliert, ob die Leute nicht kurz hinter der Kasse den Aufkleber wieder abziehen?“ Das Handy sei eben zum ständigen Begleiter geworden, „und die große Mehrheit geht verantwortlich damit um“. Das einzige, was sich massiv geändert habe, sei die öffentliche Wahrnehmung: „Die Leute sind viel stärker sensibilisiert“, sagt er. Viele glaubten, es passiere ständig etwas, Filmen, Übergriffe, Pädophilie – auch wenn alle Fakten dagegen sprächen.

Keine Regeln für die Bekleidung von Kindern

Welche Regeln gelten in den städtischen Bädern? Die SWM schreiben nicht vor, dass Kinder Badesachen tragen müssen: „Wir geben keine Empfehlung, das ist die Entscheidung der Eltern“, sagt Solic. Grundsätzlich bestehe in allen Bädern ein Fotografier- und Filmverbot, dessen Einhaltung auch überwacht werde. Ausgenommen seien etwa Fotos im Familienkreis, von Cliquen „oder das Selfie beim Bräunen“.

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