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Schule aus – und dann? Die Ganztagsbetreuung hakt noch an vielen Stellen. Nun hat die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Freistaat die „Kooperative Ganztagsbildung“ entwickelt

Bildungsreferentin: „Ein Durchbruch“

Stadt plant neues Modell: Das ändert sich für Grundschüler

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Die Stadt will ein neues Modell zur Ganztagsbetreuung von Grundschülern starten.

Sukzessive sollen die Kinder eine Garantie für einen Betreuungsplatz an ihrer Schule erhalten, wie Stadtsprecher Stefan Hauf gestern mitteilte. Damit eilt München den Plänen des Bundes voraus: Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht vor, dass bis 2025 jeder Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung bekommen soll.

41 886 Kinder besuchen aktuell Münchens öffentliche Schulen. Rund drei Viertel haben einen Platz in einer der Betreuungsformen: Hort, Mittagsbetreuung, gebundener oder offener Ganztag. Da die Schülerzahlen seit Jahren schneller wachsen als das Platzangebot, ist die Suche für viele Familien oft nervenaufreibend. Zudem bleiben immer noch geschätzt zehn Prozent der Kinder unversorgt.

„Kooperative Ganztagsbildung“

Nun hat die Stadt gemeinsam mit dem Sozial- und dem Kultusministerium in vorbildhafter Eintracht ein neues Modell entwickelt: Die „Kooperative Ganztagsbildung“ soll wochentags je nach Bedarf bis maximal 18 Uhr und auch in den Ferien buchbar sein. Als Erstes soll die Grundschule am Pfanzeltplatz in Perlach das Modell zum kommenden Schuljahr für alle Erstklässler anbieten. Weitere Grundschulen sollen 2019/20 folgen. Die Stadtratsausschüsse befassen sich am 10. April damit.

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In der Grundschulzeit endet der Unterricht in der Regel zwischen 11.15 und 13 Uhr. Die meisten Eltern „wünschen sich für ihre Kinder eine pädagogisch qualitätvolle Betreuung über den Unterricht hinaus“, so Hauf. Diesem Wunsch soll die „Kooperative Ganztagsbildung“ nun Rechnung tragen. Das neue Modell wird von der jeweiligen Grundschule mit einem Kooperationspartner umgesetzt. Bei der Pfanzeltschule übernimmt dies die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Eltern können dort ab September zwischen zwei Modellen wählen: dem rhythmisierten, gebundenen Ganztag und dem flexiblen Ganztag. Beide Formen gibt es schon – neu ist aber, dass nun auch Betreuung flexibel bis 18 Uhr, freitags und in den Ferien buchbar ist. Die bestehenden Mittagsbetreuungen an der Schule sollen mit der Ausdehnung des Modells sukzessive weichen, die Horte bleiben.

Spaenle: „Wir vereinen die Vorteile von Ganztagsschule, Hort und Mittagsbetreuung“

Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach von einem „neuen Weg“: „Wir vereinen die Vorteile von Ganztagsschule, Hort und Mittagsbetreuung in einem übersichtlichen Konzept.“ OB Dieter Reiter (SPD) sagte, nun werde ein „neues Kapitel“ aufgeschlagen. Stadtschulrätin Beatrix Zurek (SPD) sprach von einem „Durchbruch“, weil das Modell Qualität biete und zugleich Flexibilität ermögliche.

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Per Antrag hatte die Rathauskoalition aus CSU und SPD das Bildungsreferat beauftragt, mit dem Freistaat neue Konzepte für die Ganztagsbildung zu entwickeln. Da der Bund die Einführung des Rechtsanspruchs plane, sei die Stadt „frühzeitig aufgefordert, ihr Betreuungssystem dahingehend anzupassen“. Die bisherigen Angebote sollen stärker mit der Jugendhilfe kombiniert werden.

Christine Ulrich

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