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In München wird demnächst viel gebaut.

Wegen der Wohnungsnot

Die Stadt will noch dichter bauen - das wäre die Folge

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Die Münchner Groko hat entschieden, dass in Neubauquartieren dichter gebaut werden darf. Dadurch sinkt der Grünflächenanteil pro Einwohner. Im Gegenzug müssen Investoren noch mehr preisgünstige Wohnungen anbieten. 

München - Das Modell, das nun modifiziert wird, heißt abgekürzt „Sobon“ (sozialgerechte Bodennutzung) – das Regelwerk gilt bundesweit als vorbildhaft. Bereits im Jahre 1994 wurde das Planungsinstrument von der Stadt eingeführt. Sobon gilt auf privaten Flächen, für die die Stadt neues Baurecht erteilt. Der Deal: Investoren müssen als Ausgleich für ihre Profite einen Beitrag für die Infrastruktur wie etwa Schulen, Kitas und Straßen in neuen Wohngebieten leisten. Zudem muss eine Quote von 30 Prozent für sozial geförderten Wohnungsbau reserviert werden. Nach Angaben der Stadt konnten nach diesem Modell bis Ende 2016 insgesamt 46.250 Wohnungen geschaffen werden, davon etwa 12.000 vergünstigte.

An der 30-Prozent-Quote soll sich nichts ändern. Im Gegenteil: Die Stadt hat in den Gesprächen mit der Bauwirtschaft nun noch zusätzlich zehn Prozent für „preisgedämpften Mietwohnungsbau“ ausgehandelt. Die Kaltmiete darf maximal 13,90 Euro betragen. Die Bindung gilt 30 Jahre lang, die Miete kann im gesetzlich üblichen Rahmen erhöht werden. Vertreter der Opposition von Grünen, FDP und Linken kritisierten dies als nicht gerade großen Wurf. „Das ist nicht wenig“, sagte Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher zur Eingangsmiete von 13,90 Euro. Das Ergebnis sei eine „Lachnummer“, meinte Brigitte Wolf (Linke). SPD und CSU verteidigten hingegen die Weiterentwicklung von Sobon.

Orientierungswert bei Freiflächen sinkt

Das Verhandlungsergebnis sei vernünftig und ein Gewinn für die Stadt, so Heide Rieke (SPD). OB Dieter Reiter (SPD) erklärte: „Es entstehen insgesamt mehr Wohnungen mit einer Preisbindung – und das ist eine gute Sache.“ Erhöht wird zudem der Beitrag für die Infrastruktur. Dieser lag bislang bei 66 Euro je Quadratmeter Wohnraum. Künftig sind es 100 Euro. Dies wurde parteiübergreifend begrüßt. Der sogenannte Gewerbeflächenausgleich fällt indes weg.

Die Grünen stießen sich vor allem an dem Junktim mit den Freiflächen. Bislang galt als Orientierungswert bei Neubauten, dass pro Einwohner 32 Quadratmeter Grünfläche geschaffen werden. Dieser Wert soll nun auf 15 Quadratmeter innerhalb des Mittleren Rings und 20 Quadratmeter außerhalb des Mittleren Rings abgesenkt werden. Man solle an den alten Werten festhalten, kritisierte Herbert Danner (Grüne). Und falls nicht, sollte Investoren als Kompensation eine Zahlung in einen Ausgleichsfonds für Grünflächen abgerungen werden. Fraktionskollege Bickelbacher ergänzte: „Freiflächen sind insbesondere wichtig für Kinder und Jugendliche, also für Familien. Und auch für alle, die eine kleine Wohnung haben und deswegen den öffentlichen Raum umso mehr brauchen.“

Heide Rieke und Johann Sauerer (CSU) entgegneten, es sei falsch, dass insgesamt weniger Grün entstehe – sondern nur eben pro Kopf. Dafür werde aber auch dichter und höher gebaut. Das Ganze sei also ein mathematisches Problem, so Sauerer. Der CSU-Stadtrat: „Wir haben in München eine begrenzte Fläche und immer mehr Einwohner.“ OB Reiter bezeichnete die Kritik der Grünen, dass weniger Grün entstehe, gar als „Quatsch“. „Wir gewinnen mehr Wohnraum. Das ist das Wichtigste.“

Wohnraum und Mieten in München: Es ist ein Streitthema - und das seit Jahrzehnten. Viele Wohnungen und Häuser sind für die meisten Münchner kaum bezahlbar, auch Normalverdiener haben im teuren München schwer zu kämpfen. Allerdings sind Neubauprojekte oft auch umstritten, zumindest in bestimmten Stadtteilen.

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