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Helmut S. leidet an Parkinson. Nach einem Unfall war der Führerschein weg. Jetzt hat er ihn sich wieder zurückgeholt.

Gericht hat entschieden

Trotz Parkinson und Diabetes: Rentner (76) darf wieder Auto fahren

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Vor mehreren Jahren verursachte ein Münchner Rentner, der an Parkinson und Diabetes leidet, einen Unfall. Er verlor seinen Führerschein, doch nun darf er wieder fahren. 

München - Ich bin kein Rentner, der immer daheim hockt“, sagt Helmut S. (76). Am wohlsten fühlt sich der ehemalige Unternehmer auf der Straße. Rund 35.000 Kilometer im Jahr ist er unterwegs. Doch seit März 2016 bremst ihn die Stadt aus. Wegen seiner Parkinson-Erkrankung sei er nicht fahrtauglich. Das Gericht sieht das anders.

Als Hochbauingenieuer erschuf der Münchner einst Kirchtürme und Brücken. Auch jetzt ist S. noch voller Tatendrang. 2011 aber ändert sich sein Leben schlagartig. „Es war beim Arzt“, erinnert sich S.. „Da konnte ich plötzlich mein Hemd nicht mehr zuknöpfen.“ Zittrige Finger, Diagnose: Parkinson im Anfangsstadium. Dazu kommt, dass S. Diabetiker ist. Wenig später fährt der Münchner mit seinem Geländewagen seinem Vordermann gegen die Stoßstange. Nur Blechschaden. Für S: aber sind die Konsequenzen verheerend.

Stadt zweifelt an der Fahrtauglichkeit

Die Stadt hegt Zweifel an S.s Fahrtauglichkeit und ordnet deshalb im März 2014 ein Gutachten an – auch wegen psychologischer Bedenken. Denn S., so der Vorwurf, würde seine Krankheit nicht akzeptieren. Außerdem achte er trotz seiner Zuckerkrankheit nicht auf eine gesunde Ernährung. „Das stimmt nicht“, sagt der Rentner. „Ich nehme Medikamente und lasse mich untersuchen.“

Vor dem Verwaltungsgericht konnte die Stadt jetzt letztlich nicht nachweisen, dass S. eine Gefahr im Straßenverkehr darstellt. „Ihr Gutachten ist eine einzige Themaverfehlung“, monierte eine Richterin. In der Beurteilung würdige der Experte nämlich fast ausschließlich den Unfall, nicht aber den Vorwurf, S.  würde seine Krankheit leugnen. Das Gericht signalisierte deutlich, dass die Stadt in dem Verfahren schlechte Karten habe, und riet deshalb, die Auseinandersetzung zu beenden. Bedingung: S. darf wieder ans Steuer. Die Stadt akzeptierte trotz bleibender Bedenken.

S.s Anwalt Lutz Libbertz sagte nach der Verhandlung zur tz: „Der Fall zeigt, dass man am Verwaltungsgericht etwas gewinnen kann – wenn man sich traut.“ Für Helmut S. geht eine Leidenszeit zu Ende: „Es ist schwierig, von anderen abhängig zu sein.“ Seine erste Fahrt: „An den Schliersee in mein kleines Bootshaus.“

J. Heininger

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