Heftige Unfallstellen: Um herauszufinden, wo die Unfallschwerpunkte liegen, hat die Verwaltung ein Institut beauftragt, die Unfälle der Jahre 2010 bis 2014 zu analysieren und in einer Karte aufzuführen.

Wo es oft kracht

Münchner Unfall-Atlas: Diese Gefahrenstellen will die Stadt entschärfen

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Weniger Unfälle - mehr Todesopfer: So sieht die Verkehrsbilanz 2017 auf Münchens Straßen aus. Im Rahmen einer Analyse wurden nun die unfallträchtigsten Stellen ermittelt. Die Stadt leitet Maßnahmen ein.

Die Münchner Straßen sind ein gefährlicher Ort. Allein im Jahr 2016 starben 19 Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen, 526 wurden schwer verletzt. Die Stadt will reagieren und plant ein kommunales Verkehrssicherheitskonzept. Am nächsten Dienstag beschäftigt sich der Kreisverwaltungsausschuss damit. 

Um herauszufinden, wo die Unfallschwerpunkte liegen, hat die Verwaltung ein Institut beauftragt, die Unfälle der Jahre 2010 bis 2014 zu analysieren und in einer Karte aufzuführen - eine einmalige Analyse der Verkehrssicherheitslage in der Stadt (siehe Plan). Auf den ersten Blick zeigt sich: Am öftesten kracht es an den großen Hauptstraßen. Die Zahlen sprechen für sich: Durchschnittlich 18.150 Unfälle jährlich ziehen Personen- oder Sachschäden mit Bußgeld nach sich. Dabei muss die Häufigkeit der Unfallursache nichts über die Schwere der Folgen aussagen. Ein Beispiel: Lediglich 470 Unfälle (2,5 Prozent) passieren beim Überqueren der Straße - trotzdem sind diese Unfälle besonders gefährlich, verursachen gut neun Prozent aller Schäden. Und ausgerechnet bei diesem Unfalltyp erkennen die Experten einen Anstieg, während andere eher stagnieren. 

Die Frage, wo es gefährlich wird, hängt maßgeblich davon ab, wie und wo man sich im Straßenverkehr bewegt. 60 Prozent der Unfälle mit Fußgänger-Beteiligung passieren auf freier Strecke. Radfahrer hingegen sind besonders an Kreuzungen ohne Ampeln und an Grundstückszufahrten gefährdet. Zwischen Autofahrern kracht es meistens an Kreuzungen mit Ampeln. Hauptprobleme dabei: Kollisionen beim Linksabbiegen, Rotlichtverstöße und Unfälle an Ampeln, die außer Betrieb sind. 

Einige Maßnahmen zur Verbesserung hat die Stadt bereits auf den Weg gebracht: Vor Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen soll verstärkt Tempo 30 gelten. Ab Herbst versucht die Stadt zudem, Raser mit Dialog-Displays auszubremsen. Wer zu schnell fährt, bekommt ein ärgerliches rotes Gesicht zu sehen, wer sich ans Limit hält, freut sich über einen grünen Smiley. Auf der Karte sind die Unfallschwerpunkte Münchens eingetragen - zudem erinnern wir an vier schwere Unfälle dort:

Vier dramatische Unfälle, die uns in München bewegten

1. Seine Freunde haben die Unglücksstelle an der Lerchenauer Straße / Ecke Glockenblumenstraße mit Blumen und Kerzen geschmückt: Hier war ein Motorradfahrer (30) vergangenen September ungebremst in den Citroën C3 einer Münchnerin (39) gekracht. Im Krankenhaus starb der Mann an seinen Verletzungen. 

2. Der Fond des Opel ist nicht mehr da: Im September 2017 hatte ein 60-jähriger BMW-X5-Fahrer an der Wasserburger Landstraße/Jagdhornstraße mit überhöhter Geschwindigkeit den Corsa gerammt. Der französische Fahrer (29) und zwei Mitfahrer 29,36) starben, die Beifahrerin (68) überlebte schwer verletzt. 

Im September 2017 hatte ein 60-jähriger BMW-Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit den Corsa gerammt. Drei Insassen starben.

3. Eine Linienbusfahrerin (53) übersah im November 2017 beim Linksabbiegen eine entgegenkommende 82-jährige Fußgängerin. Die Rentnerin wollte die Bäckerstraße in Pasing bei Grünlicht überqueren. Bei dem Zusammenstoß geriet die 82-Jähige unter die Vorderachse und starb noch an der Unfallstelle.

4. Ein weißes Rad und Kerzen sollen an Schauspielerin Silvia Andersen erinnnern: Sie war mit dem Radl unterwegs, als sie von einem abbiegenden Lasterfahrer (20) an der Ecke Reger-/Welfenstraße (wohl im toten Winkel) übersehen wurde. Bei dem Unfall im August 2017 starb die 51-Jährige noch vor Ort. 

Schauspielerin Silvia Andersen musste bei dem Unfall im August 2017 ihr Leben lassen. Schuld war ein Lastwagen-Fahrer, der die Radfahrerin übersehen hatte.

Das sagt die Polizei

Im vergangenen Jahr mussten 27 Menschen in München und dem Landkreis mit ihrem Leben bezahlen, acht mehr als 2016. „Jeder zehnte Unfall mit Todesopfern geht auf Ablenkung zurück“, erklärt Michael Reisch (l.) von der Verkehrsprävention der Polizei. Insgesamt gab es 53.229 Unfälle (2,8 Prozent weniger als 2016). Gekracht hat es am Montag auch auf der Leopoldstraße: Ein Lkw-Fahrer (46) wollte eine Warnbake und ein Gitter zur Seite schieben, als ein weißer Pritschenwagen die Bake touchierte. Diese krachte samt Gitter gegen den Lasterfahrer. Zum Glück wurde dieser nicht lebensgefährlich verletzt - er kam aber ins Krankenhaus.

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Marc Kniepkamp, Martina Williams

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