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„Wir streiken, bis die Forderungen erfüllt werden“, sagten gestern die Studenten Benedikt Heyl, Laura Biehler und Maya von Ahnen (v.l., alle 20), bei der Vorstellung ihres Klima-Katalogs.

Fridays for Future

Unser Klimaplan für München - Studenten drohen Stadt mit Streik bis ihre Forderungen erfüllt sind

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Anhänger der Münchner Fridays-for-Future-Bewegung stellten ihren Klima-Katalog für die Stadt vor und kündigten an zu streiken, bis sich die Politik ihren Forderungen annimmt.

„München klimaneutral bis 2035“ – dieses Ziel geben die Aktivisten der Fridays for Future-Bewegung für München aus. „Das ist nicht verhandelbar“, sagt der Student Benedikt Heyl (20). In den vergangenen drei Monaten haben die Aktivisten mithilfe der Wissenschaftler von Scientists for Future einen Klima-Katalog erstellt, mit dem dieses Ziel erreicht werden soll. Zu dritt haben Benedikt Heyl und die Studentinnen Maya von Ahnen (20) und Laura Biehler (20) gestern die 31 Forderungen an die Stadt präsentiert – unter dem Motto: „Wir streiken, bis ihr handelt!“

Münchens Oberbürgermeister will den Dialog mit der Jugend

OB Dieter Reiter (SPD) sagte gestern auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich habe die Münchner Gruppe von Fridays for Future bereits vor einigen Wochen zu einem gemeinsamen Gespräch ins Rathaus eingeladen, um mit ihnen über ihre Vorstellungen zu diskutieren, und wiederhole die Einladung hier gerne noch einmal.“ Er begrüße das Engagement so vieler junger Menschen. „Wir werden uns jeden einzelnen Punkt deshalb genau ansehen und dann unterhalte ich mich gerne mit den Vertreterinnen und Vertretern von Fridays for Future darüber.“

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • Eine autofreie Stadt

In puncto Verkehr hat die Fridays for Future-Bewegung die meisten und radikalsten Forderungen an die Stadt: „Der Straßenverkehr verursacht mehr als 20 Prozent der Münchner CO2-Emissionen“, heißt es. In zwei Schritten solle die Innenstadt deshalb zu einer autofreien Zone werden: Der ganze Bereich des Altstadtrings müsse ab sofort autofrei werden, bis spätestens 2025 dann auch alle Bereiche innerhalb des Mittleren Rings. Bis dahin solle auch der ÖPNV massiv ausgebaut werden – und kostenlos verfügbar sein. Außerdem müsse der Altstadt-Radlring, den der „Radentscheid München“ fordert, bis 2022 fertiggestellt und Kurzstreckenflüge von und nach München vom Flugplan genommen werden. Dass es einen Radlring geben soll, hat die Stadt bereits beschlossen – heute wird im Stadtrat über die autofreie Altstadt diskutiert.

  • Saubere Stadtplanung

Die Stadt soll die Sanierungsrate der bestehenden Häuser bis 2025 auf vier Prozent erhöhen, um deren Energiebedarf zu senken. Typische Sanierungsmaßnahmen sind zum Beispiel die Modernisierung von Heizungsanlagen und die Verbesserung der Gebäudedämmung. Außerdem sollten ab 2020 ausschließlich Häuser gebaut werden, die Solarenergie nutzen.

Die Stadt arbeitete zuletzt an drei Szenarien, die aufzeigen, welche CO2-Einsparungen bis 2040 erreichbar seien – hier ist von Sanierungsraten in Höhe von ein und zwei Prozent die Rede.

  • Energieversorgung

München solle seinen Strom bis 2025 ausschließlich aus erneuerbaren Energien gewinnen. Dafür müsse die Stadt neue Kraftwerke bauen, die erneuerbare Energien erzeugen. Außerdem solle der Bürgerentscheid, den Kohleblock im Heizkraftwerk Nord bis 2022 abzuschalten, durchgesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Fernwärme in München bis 2035 ausschließlich durch erneuerbare Energien gewonnen werden solle.

Die SWM haben hier übrigens seit 2012 den Plan, die Fernwärme bis 2040 komplett CO2-neutral zu erzeugen – überwiegend aus Geothermie.

  • Abfall und Ernährung

Ab 2030 soll der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) mindestens 90 Prozent des Mülls recyclen. Einwegplastik soll bis 2025 in München tabu sein. Außerdem soll die Stadt weggeworfene Lebensmittel retten – etwa durch Gebühren für Gastronomien und Supermärkte, die Lebensmittel wegwerfen. Hinzu kommt, dass der Anteil an vegetarischen Gerichten in städtischen Verpflegungseinrichtungen auf 75 Prozent steigen solle.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) kämpft seit Jahren gegen das Plastik-Problem in München – aktuell mit den Kampagnen „Plastikmüll ist ein Riesenproblem“ und „Plastik raus aus der Biotonne“.

  • Divestment...

...bedeutet das Gegenteil von Investment und ist eine Bewegung, die 2012 im Rahmen entstand und den Abzug von Investitionen in „klimaschädliche Wertanlagen“, also zum Beispiel die Kohleindustrie, fordert.

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In der Stadt wird es immer heißer -Schock-Studie prophezeit Klima-Kollaps in München. Unser Hitze-Ticker hält Sie über die Ereignisse im Zusammenhang mit der aktuellen Hitzewelle in Deutschland auf dem Laufenden.

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