Ein Haufen Obikes an der Theresienwiese. 

Es wird immer schlimmer

Vandalismus gegen gelbe Obikes: Woher kommt dieser Radl-Hass? 

Wenn’s um die gelben Fahrräder des Leihanbieters Obike geht, sehen so manche Münchner rot. Doch warum ist das so?

München - Oft stehen sie auf dem Kopf, mal ist der Sattel abgerissen, manchmal ist der Drahtesel gar in zwei Teile zersägt. Keine Frage: Wenn’s um die gelben Fahrräder des Leihanbieters Obike geht, sehen so manche Münchner rot. Da wird zerstört, was das Zeug hält. Jede Woche werden bei der Stadt zahlreiche Fälle von Rad-Vandalismus gemeldet!

Wo kommt diese Wut bloß her? Zur Erinnerung: Anfang August stellte das Unternehmen aus Shanghai in München 6800 Leihräder an allen Ecken auf – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Die gelbe Flut stieß offenbar so manchem Münchner sauer auf. Dann gab es auch noch ein Datenleck: Zehn Tage lang, während einer der größeren Obike-Server von Asien nach Deutschland transportiert wurde, konnte man bei etwa hundert Nutzern auf die Daten wie E-Mail-Adressen, Telefonnummern oder Profilbilder zugreifen. Schnell hieß es, der Leihradl-Anbieter verkaufe diese Infos gar weiter.

Radl-Verleiher spricht von „keinem guten Start“

Ein zersägtes Obike in München.

Kein guter Beginn – wie man auch bei der Firma weiß. „Dass der Start holprig gewesen ist, das wissen wir ja alle“, gibt Obike-Sprecherin Maria Bause zu. Zu viele Räder in zu kurzer Zeit mit zu wenigen Infos für die Münchner – das sei ein Fehltritt gewesen. Die Angriffe toleriere man aber nicht: „Wir bringen jede Beschädigung zur Anzeige, wenn wir die Hoffnung haben, dass der Fall aufgeklärt wird“, so Bause. Und die Sicherheitslücke? Die sei schon längst geschlossen. Übrigens: Weitere Räder plane man für München nicht mehr ein.

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Die seltsame Selbstjustiz ist auch den Stadtmitarbeitern bekannt. „Wir erhalten etwa zwei Beschwerden oder Hinweise pro Woche auf kaputte Obikes“, so Lukas Raffl, Koordinator der Bürgeranliegen für Radverkehr. Den schlechten Ruf der Firma sieht er zum großen Teil selbst verschuldet: „Obike hätte sich zum Marktstart besser erkundigen können, wie viele Fahrräder wo gebraucht werden, statt einfach eine große Anzahl an Rädern in die Stadt zu stellen.“ Auch eine Absprache mit den anderen Anbietern Donkey-Bike, Call-a-Bike und MVG-Rad hätte er sinnvoll gefunden. „Derzeit haben wir etwa 10 000 Leihräder in München. Laut Studien braucht die Stadt bis zu 30 000“, so der Experte, der die Obike-Qualität bemängelt: „Die Radl sind für den europäischen Markt eigentlich ungeeignet.“ Oftmals sogar nicht mehr verkehrssicher. Das alles rechtfertige aber natürlich keinen Vandalismus. Raffl: „Der ist uns wirklich ein Rätsel.“

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Der Schrott muss weg! 

„Diese Fahrräder braucht wirklich kein Mensch! Es gibt genug andere Leihfahrräder. Das sind Firmen aus China, die nur die Daten der Leute abgreifen wollen. Außerdem sind die Räder total schlecht. Das ist das perfekte Altmetall und sollte verschrottet werden!“

Stan B. (44) aus München

Die Radl stehen im Weg rum!

„Ich finde diese Fahrräder einfach furchtbar! Die sind urplötzlich aufgetaucht und stehen überall im Weg herum. Und dann immer gleich so viele auf einaml! Der Platz auf den Gehsteigen ist eh schon so begrenzt. Die Radl-Flut nervt total!“ 

Raphaela Kühl (27), Bühnentänzerin aus München

Ist das Kunst? Oder kann das weg?

„Für manche sind die Räder sicher gut, weil man damit schnell von A nach B kommt. Ich persönlich bin wegen der Kreditkartendaten sehr skeptisch. Diese RadlTürme, die man überall sieht, finde ich total albern, da denke ich mir nur: Ist das Kunst oder kann das weg?“

Christian Bogner (47), Monteur aus Mainburg

hi/jk

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