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Am Donnerstag gingen über 3000 Menschen auf die Straße.

Sie schildern ihre Not

Erzieher, Pfleger und andere Verdi-Mitglieder streiken: Darum reicht‘s uns!

Bunt, laut, schrill! Die ­Angestellten im öffentlichen Dienst haben am Donnerstagvormittag ordentlich auf die Pauke gehauen. 

München - Ein Menschenzug aus mehr als 3000 Streikenden wälzte sich gegen 9.30 Uhr durch die Schwanthalerstraße. Ihr Ziel: das Haus des Kommunalen Arbeitgeberverbandes in der Hermann-Lingg­Straße, um das sie eine ­Menschenkette bildeten. 

(Lesen Sie zu diesem Thema auch: Warnstreik! Volle Mülltonnen bleiben in München stehen)

 Ihre Forderungen: eine ­Einkommenserhöhung von sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro monatlich ­sowie 100 Euro mehr für Auszubildende und Praktikanten. Es sollen vor allem diejenigen entlastet werden, „die am wenigsten haben“, sagt der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner (s. unten). Rund die Hälfte der 430 städtischen Kindertagesstätten und Tagesheime blieb ­wegen des Streiks gestern geschlossen. Auch andere Betriebe des öffentlichen Diensts beteiligten sich am Arbeitskampf, darunter die Stadtwerke München (SWM), einige Referate, die Stadt­bibliothek sowie der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM). Die Mülltonnen blieben deshalb größtenteils ungeleert: Rund 90 Prozent der Münchner Restmüll-, Papier und Biotonnen seien stehen geblieben, teilt der AWM mit.

(Vielleicht interessiert Sie auch das: Gehalt - Wie viel verdienen Erzieher in Deutschland?)

Die Wertstoffhöfe waren ebenfalls geschlossen. Genauso wie das ­Nordbad, das Bad Forstenrieder Park und das Prinzregentenstadion der Stadtwerke. Auch die Vorstellung am gestrigen Abend in den Kammerspielen musste ausfallen – das Bühnenpersonal streikte auch dort. Was bringt die Menschen auf die Straße? Die tz hat sich bei den Streikenden umgehört. 

Daniela Schmitt

Warum es uns reicht!

Am Donnerstag gingen über 3000 Menschen auf die Straße.

Ich habe Kinderpflegerin gelernt, weil das immer mein Traumberuf war. Aber ich habe erst jetzt wieder angefangen, in dem Beruf zu arbeiten. Ich war davor zehn Jahre im Einzelhandel tätig, weil ich da immer noch mehr verdient habe. Das ist doch traurig. 

Maria Ruhland (30), Kinderpflegerin aus Germering

Wir leisten einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft. Als Erzieher ist man stark gefordert – aber leider schlecht bezahlt, oft weit unter 2000 Euro netto. Auch der Personalnotstand ist nicht mehr tragbar.

Sandra Maier (20, links), Kinderpflegerin, Dany Ducksch (22) und Lisa Kiesswetter (27), Erzieherinnen

Ich arbeite halbtags und habe netto 1000 Euro im Monat. Mein Mann 2100 Euro. Das reicht gerade so. Wir haben das Glück, in einer Genossenschaftswohnung zu wohnen. Sonst könnten wir uns das Leben in München mit Kind nie leisten. 

Elisabeth (45) und Erwin Haunstetter (49) aus Schwabing, Verwaltungsangestellte bei den Stadtwerken

Ich liebe meinen Job an der frischen Luft. Wenn die Bezahlung besser wäre, wäre es ein Traumjob. Das Grundgehalt eines Müllladers beträgt 2200 Euro brutto. Da kommen Zulagen dazu, aber viele müssen sehr aufs Geld schauen. Vor allem, wenn man Familie hat, wie ich. 

Harry Schwarzer (49) aus Trudering, Mülllader beim AWM

Wir glauben, dass viele unterschätzen, wie viel Auszubildende leisten. Wir bekommen 900 Euro im Monat. Für München ist das viel zu wenig. Wir wohnen noch bei unseren Eltern – beziehungsweise im Schwesternheim. 

Anna-Lena Günther (21, links) und Melanie Lippmann (21), Auszubildende zum Gesundheits- und Krankenpfleger

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