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Großfahndung nach dem Raketenforscher – so berichtete der Merkur 1962.

Mysteriöses Verschwinden nicht aufgeklärt

Verschleppten Mossad-Agenten Münchner Raketenforscher?

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Seit über 55 Jahren ist der Münchner Raketenforscher Heinz Krug verschwunden. Um seinen mutmaßlichen Tod ranken sich wilde Gerüchte. Jetzt gibt es eine neue, abenteuerlich klingende Theorie.

München - „Rätselraten um Dr. Heinz Krug“, meldete der Münchner Merkur am 15. September 1962. Der 49-jährige Jurist und Techniker war vier Tage zuvor spurlos aus seinem Büro in der Münchner Schillerstraße unweit des Hauptbahnhofs verschwunden. Ein Vermisstenfall, wie es viele gibt. Doch Krug war nicht irgendjemand. Er hatte in der NS-Zeit im Team des Raketenpioniers Wernher von Braun in Peenemünde geforscht und sich auch nach 1945 fortgebildet. Der Spezialist für Raketenantriebe und -bau baute über seine Firma „Intra Handelsgesellschaft mbH“ offenbar einen lukrativen Vertrieb von Bauteilen für Raketen nach Ägypten auf. So lag die Vermutung nahe, die auch schon kurz nach Krugs Verschwinden laut wurde: dass dem Geschäftsmann seine politischen Kontakte zum Verhängnis geworden seien.

Jetzt hat Der Spiegel zusammen mit Report München die Gerüchteküche um den mutmaßlichen Tod des Raketenforschers um eine schier abenteuerlich klingende Vermutung bereichert: Krug soll damals von Mossad-Agenten zu einem Treffen ins Münchner Stadtviertel Solln gelockt, dort überwältigt, gefesselt und geknebelt worden sein. Er wurde betäubt und dann entführt. Via Marseille hätten ihn die Leute vom israelischen Geheimdienst mit einer El-Al-Maschine dann nach Israel ausgeflogen. Dort sei Krug verhört und nach mehreren Monaten erschossen worden. „Seine Leiche sei von einer Maschine der israelischen Luftwaffe über dem Meer abgeworfen worden“, heißt es imSpiegel, wo mehrere ehemalige Mossad-Agenten teils anonym zitiert werden. Am Montagabend (ARD, 23.30 Uhr) gibt es dazu und zu anderen Mossad-Mordkommandos eine TV-Dokumentation.

Schon vor knapp zwei Jahren war der Mossad mit dem Verschwinden Krugs in Verbindung gebracht worden. Damals zitierte die angesehene israelische Zeitung Haaretz anonyme ehemalige Mossad-Leute mit einer kaum weniger sensationell klingenden Theorie. Demnach sollte Krug vom Mossad entführt worden sein – aber nicht nach Israel (oder, wie seine Ehefrau damals annahm, nach Ägypten), sondern nur bis zu einem Waldstück im Norden von München. Dort habe ihn kein anderer als der ehemalige SS-Mann Otto Skorzeny ermordet. Skorzeny war eine Berühmtheit in NS-Kreisen, weil er 1943 den gestürzten italienischen Diktator Mussolini aus der Gefangenschaft befreit hatte. Nach der Ermordung von Krug, so Haaretz weiter, soll seine Leiche im Wald durch Säure spurlos beseitigt worden sein.

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Von Skorzeny ist bei der neuen Theorie jetzt nicht mehr die Rede – dafür aber vom damaligen Mossad-Chef Isser Harel, der in der Geschichtsschreibung als derjenige bekannt ist, der den Organisator des Holocaust, Adolf Eichmann, aus Südamerika entführen ließ. Bei der Entführung und Ermordung Krugs, so behauptet der Spiegel mit Berufung auf einen israelischen Geheimdienstexperten, soll Harel sogar persönlich in München gewesen sein – was höchst außergewöhnlich wäre.

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Ob nun die neue Theorie der Weisheit letzter Schluss ist, erscheint eher fraglich. Nach der Publikation der ersten Mordtheorie hatten die Kinder Krugs, Kaj R. Krug und Barbara Krug, beim Herbig Verlag ein Buch mit dem Titel „Raketen-Krug. Das rätselhafte Verschwinden unseres Vaters“ angekündigt. Das Manuskript lag damals auch unserer Zeitung vor. Doch das Buch erschien nie – zu vage waren wohl die damaligen Informationen. Ob das Buch jetzt erscheint? Vorerst wollen die Kinder Krugs, wie sie im Spiegel ankündigten, bei der israelischen Botschaft vorstellig werden.

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Dirk Walter

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