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Tibor Adamec ist von Anfang an BISS-Verkäufer. Standort: der Marienplatz.

Münchner Projekt feiert Jubiläum

„Wir haben BISS ohne Ende”: Straßenzeitung wird 25 Jahre alt

An Biss hat es Tibor Adamec nie gefehlt. Da passt es, dass der 80-Jährige die gleichnamige Zeitung verkauft. Zehn Stunden am Tag. Sechs Tage die Woche. Seit 25 Jahren. Genauso lang, wie es BISS gibt.

München - Heuer feiern die Münchner Institution „BISS“ und ihr ältester Verkäufer Tibor Adamec Jubiläum. Auf der Straße (siehe unten). Wo sonst? 1991 nahm das Projekt Bürger in sozialen Schwierigkeiten seinen Anfang. „Eine Gruppe von engagierten Menschen um Dr. Jürgen Micksch hatten bei einer Tagung in Tutzing die Idee, Obdachlosen Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen. Damals gab es Straßenzeitungen bereits in Amerika“, erzählt BISS-Geschäftsführerin Karin Lohr. Das Konzept: Anerkennung statt Almosen.

Im Oktober 1993 wurde die erste BISS-Ausgabe auf den Markt gebracht (monatlich verkaufte Auflage im Schnitt heute: rund 40.000). „Man hat mit drei festangestellten Verkäufern angefangen“, sagt Lohr. Einer davon war Tibor Adamec. „Ich war Radio- und Fernsehtechniker. Mit 56 wurde ich arbeitslos.“

Er schrieb zahlreiche Bewerbungen – nur Absagen. „Nicht mehr vermittelbar, hieß es.“ In der Teestube – einer Einrichtung des Evangelischen Hilfswerks – habe er von BISS erfahren. Wenig später war der einstige Marathonläufer angestellt. Sein Standplatz („Ich sitze nie. Das macht müde und geht aufs Herz.“) ist von jeher der Marienplatz. Adamec ist einer von 100 BISS-Verkäufern – 51 sind festangestellt.

„Eine Festanstellung gibt es ab einer verkauften monatlichen Stückzahl von 400 Zeitungen. Das Gehalt beträgt dann 630 Euro netto“, so Lohr. Für Adamec ein Klacks: 1200 Zeitungen und mehr verkauft der Spitzenmann im Monat, verdient rund 2000 Euro netto und kann sich eine kleine Wohnung leisten.

„Eigenes Geld zu verdienen, hat eine ungeheure Integrationskraft. Von unseren Verkäufern haben 80 Prozent wieder eine Wohnung“, weiß Lohr. Ihre Jubiläums-Bilanz: „BISS ist in der Stadtgesellschaft angekommen. Die Leute rufen auch schon mal an, wenn ein Verkäufer nicht an seinem Stammplatz steht. Das ist schön.“

Nach Adamec fragt selten jemand: Er ist immer da. „Ich bin nicht aufdringlich und immer gut angezogen. Ich punkte mit Sympathie, nicht mit Mitleid.“ Richtig fein gemacht habe er sich 2017 zu seinem 80. Geburtstag. „Da hat der Landesbischof für mich Geige gespielt.“ Die Berichte über sich hat er immer dabei. Ein waschechter Zeitungsmann eben.

Ein Denkmal zur Begegnung

Kurfürst Maximilian am Wittelsbacherplatz wird eingebaut.

Die älteste Straßenzeitung des Landes will zum Jubiläum die Aufmerksamkeit der Münchner noch stärker auf Armut und Obdachlosigkeit lenken und Berührungsängste abbauen. Eine Skulptur am Wittelsbacherplatz soll unter dem Motto I Will Be With You, Whatever („Ich werde immer bei Dir sein“) dazu beitragen als Begegnungsort. Das Reiterdenkmal Maximilians I. wurde mit einem halbtransparenten Pavillon umgeben. Historisch passender Hintergrund: Der Kurfürst (1573-1623) bat, kein Aufsehen um seine Beerdigung zu machen, sondern das Geld den Armen zu geben. Am heutigen Samstag um 14 Uhr eröffnen Hans Well und seine Wellbappn. Am Sonntag sitzen die BISS-Verkäufer ab 9 Uhr im Café Luitpold zusammen, um 11 Uhr gibt es ein Konzert am Wittelsbacherplatz. Um 13 Uhr führen die Künstler vom Studio Morison durch das Kunstwerk.

D. Schmitt

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