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urn:newsml:dpa.com:20090101:150919-90-006998

Islamzentrum

Alt-OB Ude wird Moschee-Botschafter

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München - In den nächsten Wochen muss Imam Benjamin Idriz der Stadt eine Finanzierung für das geplante Islamzentrum präsentieren. Offenbar hat er bei der Suche nach einem Großspender einen herben Rückschlag erlitten. Jetzt präsentiert Idriz ein prominentes Kuratorium: mit Alt-OB Ude an der Spitze.

Eins ums andere Mal hat die Stadt die Frist verlängert. Jetzt wird es ernst: Bis Ende des Jahres soll das Münchner Forum für Islam (MFI) eine Finanzierung für das Islamzentrum vorlegen. Bis dahin reserviert das Kommunalreferat eine Fläche von mehr als 3300 Quadratmetern an der Dachauer Straße neben dem entstehenden Kreativquartier. Seit Jahren wirbt der Penzberger Imam Benjamin Idriz für das Projekt einer Moschee, in der auf Deutsch ein Islam gepredigt wird, der dem Grundgesetz entspricht. Jetzt soll ein prominent besetztes Kuratorium helfen, auf den letzten Metern den Durchbruch zu schaffen.

Diese Woche traf sich das Gremium zu einer ersten gemeinsamen Sitzung im Nobel-Hotel Bayerischer Hof. „Es ist ein Kuratoium, in dem alle Teile der Gesellschaft vertreten sind“, sagte Idriz nicht ohne Stolz. „Juden, Muslime, Christen, Vertreter aus Kunst, Wissenschaft und Kultur.“ An die Spitze des Kuratoriums wurde Alt-Oberbürgermeister Christian Ude gewählt. Der hatte dem Münchner Forum für Islam (MFI) 2014 als eine seiner letzten Amtshandlungen das Gelände an der Dachauer Straße angeboten. Einst war er ein Befürworter einer Moschee am Rande der Altstadt gewesen – die Idee wurde schließlich verworfen. Im Rathaus hatten viele eine repräsentative Moschee mitten in der Stadt abgelehnt. Ude beendete die Debatte schließlich für alle Seiten gesichtswahrend. Offizieller Grund: Sicherheitsbedenken. Nun also macht er sich das Projekt noch einmal zu eigen. „Viele Kuratorien sind nur ein schmückendes Beiwerk“, sagte er am Freitag. „Das ist mir zu wenig. Ich will nicht nur ein Grüß-Gott-August sein.“ Ude sagte, er wolle sich „wirklich für das Projekt einsetzen“. „Es geht jetzt ganz wesentlich darum, die Realisierung zu ermöglichen.“ Ude unterstrich, dass Idriz gemeinsam mit vielen Münchner Imamen Erklärungen verfasst hat, die ihn sehr beeindruckt haben. „Die Welt wäre eine andere, wenn es mehr Erklärungen dieser Art gegeben hätte – astreine Bekenntnisse zur Religionsfreiheit für alle und eine klare Absage an Gewalt.“

Ude sagte, für das Kuratorium gehe es jetzt auch darum, das Bild des Moschee-Projekts in der Öffentlichkeit „zurechtzurücken“. „Denn es wird Anfeindungen geben – wie bei jeder islamischen Initiative.“ Für das MFI bleibt ein Hauptproblem: die fehlende Finanzierung. Vier Millionen Euro soll der Kaufpreis für das Grundstück betragen, seit Jahren wird von Projekt-Gesamtkosten um die 40 Millionen Euro ausgegangen. Jahrelang hoffte man auf den Staat Katar als den Großsponsor, der dem Islamzentrum zum Durchbruch verhelfen sollte. Konkrete Gespräche fanden etwa am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz statt. Nach Informationen unserer Zeitung hat der Emir von Katar aber mittlerweile endgültig abgewunken.

Bei der ersten Kuratoriums-Sitzung soll trotzdem eine optimistische Stimmung geherrscht haben. Die Rede ist mittlerweile etwa vom Sultan von Oman, der sich in großem Stil engagieren könnte. Dabei ist für Ude wie für Idriz klar: Einfluss auf die Arbeit an einem bewusst europäisch ausgerichteten Islamzentrum darf kein arabischer Herrscher nehmen. „Ein Geldgeber muss von Anfang an auf jeden Einfluss verzichten“, sagte Idriz. In der Kuratoriums-Sitzung soll auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, besonders auf die Bedeutung dieses Punktes hingewiesen haben. Spender sollen sich nun auch schriftlich zu einem modernen Islam-Verständnis bekennen. Imam Idriz gibt sich auf jeden Fall weiter optimistisch. „Ich hoffe, dass wir der Stadt Ende des Jahres ein Finanzierungskonzept vorlegen können“, sagte er. Ude betonte, sein Kuratorium wolle jetzt auch „ganz wesentlich“ daran arbeiten, dass das Geld zusammenkomme. Als amtierender OB hatte er das stets weit von sich gewiesen: Es sei nicht die Aufgabe eines Oberbürgermeisters, einer Religionsgemeinschaft Geld zu beschaffen.

Ude hofft auch auf viele symbolische Kleinspender. Münchner Unternehmen hat er da im Blick, Münchner Muslime – aber auch einfach Menschen, die von diesem Projekt des friedlichen Zusammenlebens überzeugt sind. Beeilen müssen sich Idriz und seine Unterstützer bei alldem auf jeden Fall: Wenn nicht alles täuscht, wird das Rathaus die Reservierung für das Grundstück nicht noch einmal deutlich verlängern. Schon in wenigen Wochen könnte die Moschee durchgesetzt sein – oder gescheitert.

Einen Kommentar zur Debatte lesen Sie hier.

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