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Schafft es die neue Kampagne, die Wohnungsnot zumindest ein bisschen zu lindern?

Kampagne für bezahlbare Wohnungen

München, die „Weltstadt mit Herz“, sucht soziale Vermieter 

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In München leben immer mehr Wohnungslose. Wo sind Vermieter, die noch bezahlbaren Wohnraum übrig haben? An sie appelliert die neue Kampagne „München – Wohnstadt mit Herz“.

München - Dass die Stadt wächst, ist nicht nur ein Segen. Bereits 9000 Menschen sind wohnungslos, sie leben in Notquartieren und haben auf dem freien Mietmarkt kaum eine Chance. Zugleich gibt es in München womöglich viele potenzielle Vermieter von bezahlbarem Wohnraum. An sie appelliert die neue Kampagne „München: Wohnstadt mit Herz“, die gestern gestartet ist.

Immer mehr Münchner haben kein Zuhause

„Um eine geschützte Privatsphäre zu haben, braucht man ein Zuhause“, sagte OB-Gattin Petra Reiter. Sie ist Schirmherrin des Netzwerks Wohnungslosenhilfe, in dem sich Verbände zusammengeschlossen haben und das die Kampagne ersonnen hat. Doch immer mehr Münchner haben kein solches Zuhause. Rudolf Stummvoll, Leiter des Amts für Wohnen und Migration, skizzierte die Situation: Bis zu 30.000 Menschen ziehen jährlich nach München. Bei Wiedervermietungen beträgt die durchschnittliche Kaltmiete 16 Euro pro Quadratmeter. „Die Gefahr, keine Wohnung zu finden oder rauszufliegen, reicht inzwischen bis in die Mittelschicht“, sagte er.

Doch natürlich treffe es zuerst die, „die weniger Ressourcen haben“: Familien mit vielen Kindern, Menschen mit gesundheitlichen Problemen, Migranten, Alleinerziehende. Die Wohnungslosen-Einrichtungen seien voll. Zugleich, sagte Elke Prumbach vom Sozialdienst katholischer Frauen, sei „München völlig überfordert damit, rechtzeitig genug Wohnraum zu schaffen“.

„München – Wohnstadt mit Herz“ - was ist das Ziel der Kampagne?

Ziel der Kampagne: „Wir suchen soziale Vermieter, die Wohnraum abgeben an Menschen, die nicht die höchste Miete zahlen können“, so Prumbach. Womöglich hätten manche Münchner noch ein Zimmer oder eine Einliegerwohnung frei. Und Vermieter könnten beim Mieterwechsel auch mal darauf verzichten, die Miete anzuheben. „Es gibt in München mehrere Vermieter, die nicht den letzten Euro aus ihrer Immobilie rausholen“, sagte OB Dieter Reiter (SPD), der die Kampagne unterstützt. „Aber wir könnten noch mehr brauchen.“

Auch Vermieter sollten ein Herz zeigen: OB Dieter Reiter (Mitte) unterstützt die neue Kampagne des Netzwerks Wohnungslosenhilfe. Initiiert wurde sie von den Vorständen mehrerer Verbände und Vereine (v. li.): Helmut Berger, Thomas König, Petra Reiter (Schirmherrin), Elke Prumbach, Ludwig Mittermeier, Gordon Bürk und Christoph Frey. 

Nun sollen – unter Mithilfe der Innenstadtwirte – 50.000 orangefarbene Postkarten die Stadt fluten und hunderte Plakate aufgehängt werden. Die Kosten von 15.000 Euro tragen die Verbände des Netzwerks Wohnungslosenhilfe. Welchen Rücklauf sie sich erhoffen? Auch einige Dutzend Wohnungsangebote von Privatbesitzern oder Gesellschaften „würden schon helfen“, so Gordon Bürk vom Evangelischen Hilfswerk. Stummvoll berichtete: 750.000 Wohnungen gibt es, die Stadt kann über zehn Prozent davon verfügen, aber pro Jahr nur 3000 neu vergeben – obwohl 13.500 Münchner mit höchster Dringlichkeit auf eine geförderte Wohnung warten. 

Lesen Sie hier: Keiner will diese Traum-Wohnung! Was läuft da eigentlich falsch? 

Vermieter und Mieter zusammenbringen

Für Helmut Berger vom Verein Wohnhilfe geht es um etwas noch Größeres: „Wir wollen den Zusammenhalt bewahren und verhindern, dass Menschen an den Rand gedrängt werden.“ Barbara Uhl von der Wohnbaugenossenschaft Wagnis sagte, Vermieter und Mieter müssten sich wieder kennenlernen – um Vorurteile abzubauen. Im Prinz-Eugen-Park in Bogenhausen, wo Wagnis 73 Wohnungen baut, entstehen 2019 zwei Wohngruppen für jeweils drei Frauen aus prekären Lebensverhältnissen, betreut vom Sozialdienst katholischer Frauen. „Da gab es anfangs auch Vorbehalte, was da wohl für Frauen kommen“, so Uhl. „Aber die ließen sich rasch ausräumen, wenn man gemeinsam ein Konzept entwickelt.“

Ob der Kampagnentitel nicht nach hinten losgehen könnte wie beim Slogan „Radlhauptstadt“, den viele Münchner lächerlich fanden? Der Titel sei „bewusst provokant“ gewählt, sagte Ludwig Mittermeier vom Katholischen Männerfürsorgeverein. „Es braucht eben eine Vision: Eine Weltstadt mit Herz ist ohne Wohnen nicht denkbar.“

Interessierte Vermieter können auf www.wohnstadt-mit-herz.de oder unter Telefon 089/66 37 31 weitere Informationen bekommen.

In München steigen die Mieten von mehr als 27.000 Sozialwohnungen

Für Geringverdiener in geförderten Wohnungen werden die Mieten teurer. Der Sozialausschuss der Stadt hat die festen Preisobergrenzen bei Gewofag und GWG im Frühjahr 2017 abgeschafft.

Auch interessant: Video - Miese Tricks der Vermieter

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