Neue Serie mit alten Bildern - Teil 5

Zeitreise durch München: So sahen Theresienwiese, Türkenstraße und Pini-Haus damals aus

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gern durch ­alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie München ­damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100 000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831 000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt (re.) hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und ­seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausg’schaut hat!“

Die Theresienwiese

Die Theresienwiese 1925 (oben) und heute.

Da schau her: Unsere „Theresienwüste“ (oben rechts) war mal eine echte Wiesn! Mit sattem Grün. Wie die fünf Münchner Bauersfrauen rechts im Bild heißen, wissen wir zwar nicht – aber fleißig am Heu-Zammrechen sind sie. Und das mitten in unserer Stadt. Noch bis in die 20er-Jahre haben die Bauern von Sendling einmal im Sommer und einmal vor dem Oktoberfest auf der Theresienwiese Heu geerntet – wie unsere alte Aufnahme aus dem Jahr 1925 beweist. Damit das Gras wieder wuchs, wurde der karge Boden durch die Hinterlassenschaften mehrerer Schafherden biologisch-dynamisch gedüngt, die noch bis in die 50er-Jahre regelmäßig als lebende Rasenmäher über die riesige Fläche unterhalb der Bavaria getrieben wurden. Geologisch hochinteressant ist übrigens auch das inzwischen so abfällig mit „Kotzhügel“ bezeichnete Bergerl an der Westseite der Theresienwiese, wo so mancher Wiesnbesucher heutzutage regeneriert, wenn er zu tief in den Masskrug geschaut hat. Die Theresienhöhe ist nämlich das linke Hochschotterufer der Ur-Isar, das vor 15 000 Jahren in der Würm-Eiszeit vom Schmelzwasser des Isar-Loisach-Gletschers aufgeschüttet wurde. Heute fließen keine Wassermassen mehr – aber zu jeder Wiesn immerhin gut sieben Millionen Liter Bier.

Das Pini-Haus

Das Pini-Haus 1860 (oben) und heute.

Der Münchner liebt ja Spitznamen. Und so nennt er den Rund-Bau am Stachus Ecke Bayer-/ Schützenstraße noch immer Pini-Haus, obwohl es das dortige Fotogeschäft „Pini am Stachus“ längst nicht mehr gibt. Erbaut wurde es übrigens 1877. Vorher war an der selben Stelle der königliche Poststall untergebracht (siehe oben rechts). Wozu der diente? Aufgabe des Poststallmeisters war es, Pferde für die Fahr- und Reitpost bereitzuhalten, sich um die erschöpften Pferde der ankommenden Kutschen zu kümmern und sie gegen frische auszutauschen. Auf dem um 1860 gemalten Aquarell rechts oben von Joseph Puschkin sieht man (wenn man genau hinschaut) noch im Hintergrund den von Friedrich Bürklein neu erbauten, roten Münchner Hauptbahnhof, an dessen Stelle vorher die Münchner Armbrustschützen ihren Schießplatz hatten. Daher kommt nämlich auch der Name Schützenstraße. Wie gesagt: 1877 war’s vorbei mit der Biedermeier-Idylle, und das damals hochmoderne Pini-Haus, das ursprünglich Imperial-Haus hieß, wurde als westlicher Abschluss für den Stachus errichtet.

Die Türkenstraße

Warum heißt die Türkenstraße eigentlich Türkenstraße?

Haben Sie sich schon mal gefragt, woher die Türkenstraße ihren Namen hat? Die Erklärung liefert ein Traum von Kurfürst Max Emanuel (1679-1726): Der wollte mit einem Kahn von der Münchner Residenz ins Schloss Schleißheim gondeln. Kein Witz! Und so begann er ab 1702, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Natürlich nicht er persönlich: Zum Ausheben des Kanals beschäftigte er türkische Kriegsgefangene, die er aus dem Großen Türkenkrieg 1699 nach Bayern verschleppt hatte. Die mussten sich zwei Jahre abmühen. Was dann passierte? Der Bau des Kanals wurde 1704 wegen technischer Probleme auf Höhe des heutigen Luitpoldparks eingestellt. Der Boden wurde immer steiniger, zudem verlor der Kurfürst auch langsam die Lust an seinem Wasser-Projekt. Die Strecke behielt jedoch bei den Bürgern den Namen „Türkengraben“ – da sie jahrelang die Gefangenen beim Ausschaufeln sahen. Tag für Tag. 

Lesen Sie morgen: Der Krach am Donisl

Sie wollen noch mehr alte Fotos von München sehen? Hier finden Sie alle Teile der Serie:

Heinz Gebhardt

Rubriklistenbild: © Gebhardt

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