Erinnerungskultur

Zentralrats-Präsident setzt sich für Stolpersteine ein

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München - Die Rathaus-Koalition aus CSU und SPD hat sich darauf geeinigt, dass es in München weiter keine Stolpersteine geben soll. Doch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist für Stolpersteine

CSU und SPD im Rathaus hatten gehofft, dass die Debatte um die Stolpersteine beendet sei. Aber die Befürworter der knapp 10 mal 10 Zentimeter großen Gedenktafeln am Boden haben ihre Initiative in den letzten Tagen noch verstärkt.

Die Münchner Stolperstein-Initiative hat jetzt aber ein Schreiben von Josef Schuster verbreitet, indem er sich für Stolpersteine ausspricht. Das könnte durchaus Relevanz haben: Die spezielle Debatte hatte sich in München auch deshalb anders entwickelt als anderswo, weil immer wieder auf Charlotte Knobloch verweisen worden war. Die ehemalige Zentralrats-Präsidentin ist Münchner Ehrenbürgerin - und klare Gegnerin der Stolpersteine.

Schuster schreibt:  "Sich auf persönliche Weise der Vergangenheit stellen und den jüdischen Menschen, die während der Shoa ermordet wurden nicht nur als Opfer, sondern als Individuen zu gedenken – das ist der große Verdienst der Stolpersteine und seines Erfinders Gunter Demnig. Mehr als 50.000 solcher kleiner Mahnmäler gibt es Deutschland- und Europaweit mittlerweile. Sie erinnern uns tagtäglich daran, dass jüdisches Leben vor dem 2. Weltkrieg in den Herzen der Städte stattgefunden hat. "

(...)

Die Stolpersteine sind für mich auch eine Art Ruhepol, um mitten im Alltag innezuhalten und über unsere Werte und die Fragilität dieser Werte nachzudenken. Dass auch gerade viele junge Menschen sich dem Projekt in Form von Patenschaften annehmen, die dazugehörigen Biographien recherchieren und sich der Pflege der Steine widmen, halte ich für besonders lobenswert und für einen wichtigen Beitrag zur künftigen Gedenkkultur.

Zwei persönliche Anliegen waren mir jedoch, einen Konsens mit den Verwandten der Überlebenden einzuholen, sofern für diese ein Stolperstein verlegt wird und zum anderen, die auf den Steinen in Anführungszeichen gesetzte NS-Terminologie als solche besser sichtbar zu machen. Ich freue mich, dass nach einem Gespräch mit Herrn Demnig, diese Anliegen in Zukunft berücksichtigt werden.

(...)

Die jüdischen Menschen lebten mitten unter uns. Das Gedenken an sie sollte daher ebenfalls genau dort stattfinden. Dafür sorgen die Stolpersteinen auf beeindruckende Weise.“

Stolpersteine in vielen Städten ganz selbstverständlich

Seit zehn Jahren ist es verboten, in München auf öffentlichem Grund die kleinen Gedenktafeln für Opfer der Nazis zu verlegen. In vielen deutschen und europäischen Städten sind sie auf Gehwegen ein alltägliches Bild. In München wurde die Form unter anderem mit dem Hinweis darauf abgelehnt, dass Bodendenkmäler schneller verschmutzen würden. Die Menschen würden sorglos darüber hinweglaufen und diese Form sei unwürdig. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte die Frage nach den Stolpersteinen in den letzten Monaten erneut diskutieren lassen. Seine Koalition will nun aber andere Gedenkformen erarbeiten - etwa Stelen vor den ehemaligen Wohnhäusern der Deportierten oder Tafeln an Hauswänden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, dessen Idee die Stolpersteine waren und der alle Stolpersteine herstellen lässt, war unter anderem deshalb in die Kritik geraten, weil er Täterssprache verwendet hatte - etwa, indem er "Gewohnheitsverbrecherin" auf Gedenktafeln schrieb. Außerdem kritisierten seine Gegner, dass er in Einzelfällen Stolpesrteine verlegt habe, obwohl Angehörige der Opfer nicht zugestimmt hatten. Für beide Punkte glaubt Schuster jetzt, einen Kompromiss gefunden zu haben.

Felix Müller

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