Gebaut wird derzeit vor allem an der zweiten Stammstrecke im Westen. Demnächst wird diese Stabbogenbrücke über die Einschleifung zum Südring geschoben. Das Foto entstand im März.
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Gebaut wird derzeit vor allem an der zweiten Stammstrecke im Westen. Demnächst wird diese Stabbogenbrücke über die Einschleifung zum Südring geschoben. Das Foto entstand im März.

43 Ideen für den Bahnausbau

Zweite S-Bahn-Stammstrecke in München: Dicke Umplanung steht im Raum

  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
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An Visionen ist kein Mangel: Das bayerische Verkehrsministerium hat eine Liste mit 43 Vorhaben bekannt gemacht, die das Bahnnetz im Großraum München verbessern sollen. Eine dicke Umplanung steht bei der zweiten Stammstrecke im Raum.

München - Bei der zweiten S-Bahn*-Stammstrecke steht eine Umplanung im Raum - wieder einmal! Das bayerische Verkehrsministerium prüft, ob der Tunnel eine unterirdische Abzweigung nach Süden (Giesing) bekommen soll, um die S3 nach Holzkirchen und die S7 nach Kreuzstraße direkt anzubinden. Wenn das so käme, könnten diese Linien direkt auf die Stammstrecke einschwenken (statt wie bei den bisherigen Plänen am Ostbahnhof die Fahrtrichtung zu wechseln, so dass der Lokführer jeweils von vorn nach hinten gehen muss).

Diese mögliche Stammstrecken-Umplanung ist eine von 43 Maßnahmen für das Bahnnetz im Großraum München*, die „auf ihre verkehrliche Wirkung und ihre bautechnische Machbarkeit“ untersucht werden. Die Liste wurde nun von vier Autoren - darunter Frank Kutzner, Leiter des Referats -S-Bahnen/Bahnausbau im Verkehrsministerium - im Fachjournal Eisenbahntechnische Rundschau vorgestellt. Untersucht werden neben dem Bau neuer Bahnhöfe (etwa an der Menterschwaige) auch die Erweiterung eingleisiger Strecken um ein zweites Gleis sowie der Neubau bisher nicht vorhandener Bahnstrecken.

S-Bahn-München: Ein Südast für die zweite Stammstrecke?

Der Südast wäre eine der umfangreichsten Ergänzungen. Die Abzweigung wurde in den vergangenen Jahren zwar immer wieder erwogen, letztlich aber aus Kostengründen verworfen. Weil bei der Tunnelröhre im Osten aber ohnehin noch die Baugenehmigung fehlt, wäre für die Ergänzung zumindest kein neues Planfeststellungsverfahren notwendig. Trotzdem würde diese Änderung den Bau wohl weiter verzögern. Die derzeitigen Planungen sehen eine Fertigstellung der zweiten Stammstrecke im Jahr 2028 vor, Experten halten aber schon jetzt - also ohne Umplanung - eher 2032 für realistisch. Bautechnisch wäre die Süd-Abzweigung eine Herausforderung, sagt der frühere Tunnelkritiker Martin Runge (Grüne): „Der Giesinger Ast müsste die neue Stammstrecke unterirdisch über- oder unterqueren.“

Beim Mega-Bauwerk waren schon eine ganze Reihe von Umplanungen notwendig. Unter anderem soll der neue Bahnhalt am Ostbahnhof nun auf der Ostseite entstehen, nicht wie früher geplant am Orleansplatz. Außerdem muss die Bahn nun eine Rettungsröhre einplanen. Der Bau der zweiten Stammstrecke wurde vor über vier Jahren begonnen, das Projekt soll über drei Milliarden Euro kosten - die Umplanungen nicht eingerechnet. Die neue Entwicklung ist auch auf Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) zurückzuführen, die im Kreis München ihren Wahlkreis hat und wiederholt auf Verbesserungen bei der S7 im Osten gedrungen hatte. Ziel ist es, die Taktfolge der S-Bahnen hier von 20 auf 15 Minuten zu verkürzen

Leute, baut endlich!

Pro Bahn

Andere Planungen klingen utopisch. So schlagen die Autoren eine S-Bahn-Strecke München–Odelzhausen–Dasing parallel zur Stuttgarter Autobahn A 8 vor, deren Machbarkeit sich auch die Eisenbahnfans von Pro Bahn kaum vorstellen können. Auch über einen Bahnring rund um München wird in Fachkreisen eher gewitzelt – das gebe es ja nicht mal als Autobahn. Dagegen fehle zum Beispiel eine Ausbauperspektive für die Werdenfelsbahn südlich von Weilheim. Eben erst, so schimpft der Weilheimer Norbert Moy von Pro Bahn, habe die Gemeinde Wielenbach für ihre Forderung nach Wiedereröffnung des Bahnhofs Wilzhofen eine Absage kassiert. Anderes sei so selbstverständlich, dass man sich frage, warum es erneut untersucht werden müsse – etwa der zweigleisige Ausbau Grafing–Ebersberg. Der Rat von Pro Bahn: „Leute, baut das endlich!“

S-Bahn-Stammstrecke in München: Weitere Projekte

Auf der Liste der 43 neuen möglichen Ausbauvorhaben, die das bayerische Verkehrsministerium nun über Fachbüros untersucht, finden sich des Weiteren unter anderem folgende Projekte:

  • - Neue Bahnhalte/S-Bahnhöfe: Genannt werden von den Autoren in der Eisenbahntechnischen Rundschau konkret Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck), Berduxstraße, Weichselbaum, Menterschwaige (als Verknüpfung mit der Tram 25), Oberlaindern (Kreis Miesbach), Föching (südlich Kreuzstraße), Mintraching, das Parkzentrum West (am Flughafen als Anschluss an den Lab Campus), Eching-Ost sowie ein noch nicht genau bestimmbarer Halt zwischen Trudering und Gronsdorf.
  • - Verlängerung aller Bahnsteige im -S-Gebiet auf 210 Meter (für drei S-Bahn-Züge).
  • - Ausbau Südring: „Zur Verbesserung der Umsteigebeziehungen zur U-Bahn soll auch S-Bahnverkehr auf dem Südring in Betracht gezogen werden.“ Bisher hatte das Ministerium S-Bahn-Halte auf dem Südring strikt abgelehnt!
  • - Zweigleisiger Ausbau verschiedener S-Bahnstrecken, etwa der S 7 Giesing-Kreuzstraße, der S 7 Höllriegelskreuth-Wolfratshausen und der S 2 Markt Schwaben-Altenerding.
  • - Neubaustrecken auf der Linie Riem-Messe-Aschheim-Kirchheim-Pliening, zwischen Altomünster und Aichach sowie zwischen München, Odelzhausen und Dasing. Ebenfalls angedacht: ein S-Bahn-Abzweig von der S 3 zu einem Neubaugebiet auf dem Gelände des aufgegebenen Fliegerhorstgeländes Fürstenfeldbruck.
  • - Elektrifizierung der Strecke -zwischen Kaufering und Landsberg.

Insgesamt 43 neue mögliche Ausbauvorhaben werden nun untersucht. Einen Kommentar zum Vorhaben finden Sie hier.

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