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Hier haben Radler Vorrang: Wilfried Blume-Beyerle bei der Einfahrt in die Fahrradstraße. Ein Zeichen auf dem Asphalt weist auf sie hin.

Autofahrer sollen umsteigen

München schafft mehr Platz für Radler

München - Langsam, aber stetig erobern die Radler München: 25 neue Fahrradstraßen entstehen in den kommenden Wochen. 47 werden es am Ende sein - in keiner deutschen Stadt gibt es mehr. Doch viele Münchner kennen die Radlstraße und ihre Regeln nicht. Das soll sich jetzt ändern.

Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle fuhr natürlich mit dem Radl vor, um eigenhändig die Schrauben am Schild festzuziehen, das auf die Fahrradstraße hinweist. Mit 1,6 Kilometern ist die Clemensstraße in Schwabing zwischen Schleißheimer und Leopoldstraße die längste Fahrradstraße in der Innenstadt - und die erste der 25 Straßen, die zusätzlich zu den bestehenden 22 den Radlern gewidmet werden.

Wie der Name schon sagt - in der Fahrradstraße haben Radler klar Vorrang. Nebeneinander fahren ist sogar ausdrücklich erlaubt, auch in Gruppen. Ein viereckiges Schild mit rundem blauem Kreis, weißem Fahrrad in der Mitte und dem Schriftzug „Fahrradstraße“ weist auf eine solche hin. Auto- oder Motorradfahrer dürfen hier nicht fahren, außer ein Zusatzschild erlaubt es.

Reine Fahrradstraßen gibt es in München nicht. Überall prangt das Zusatzschild mit dem Auto- und Motorradsymbol und dem Zusatz „frei“ darunter. Die Begründung der Stadt: Auf einer reinen Fahrradstraße könnten Anwohner mit Autos nicht mehr zu ihren Grundstücken fahren und Geschäfte nicht mehr beliefert werden. Doch auch wenn Autos hier fahren dürfen - sie müssen entsprechend langsam unterwegs sein und Rücksicht auf die Zweiräder nehmen. Vorfahrtsregeln wie rechts vor links gelten aber für alle.

Die Fahrradstraßen sind Teil des „Grundsatzbeschlusses Radverkehr“, den der Stadtrat 2009 gefasst hatte mit dem Ziel, die Bedingungen für Radfahrer kontinuierlich zu verbessern und das Radeln sicherer und komfortabler zu machen. Die neuen Fahrradstraßen wurden in Abstimmung mit den Bezirksausschüssen ausgewählt. Die hatten 50 Straßen vorgeschlagen, die das Kreisverwaltungsreferat dann geprüft hat. Verschiedene Kriterien mussten erfüllt sein: Die Fahrbahn muss ausreichend breit und ihr Belag fahrradtauglich sein - also Asphalt statt Pflastersteinen. Die Straße muss zudem bereits gerne von Radlern genutzt werden, ebenso die angrenzenden Straßen. Ausgeschlossen sind Hauptverkehrsstraßen und andere, wo es Interessenkonflikte geben könnte. Etwa, wenn dort Linienbusse verkehren.

„Wir hoffen, dass noch mehr Autofahrer umsteigen“, sagte Blume-Beyerle. Etwa 17 Prozent ihrer Wege legen die Münchner derzeit mit dem Fahrrad zurück. 20 Prozent und mehr sollen es sein. „Die Erfahrungen zeigen, dass viele die Fahrradstraße und ihre Regeln noch nicht kennen“, bedauert der Referent. Deswegen gibt es einen neuen Info-Handzettel - unter anderem in der Stadtinformation im Rathaus erhältlich -, den die Anwohner der neuen Radlstraßen bald im Briefkasten finden werden.

Der KVR-Chef setzt weiterhin auf Ausbau. „Bis Ende des Jahres soll es mehr als 50 Radlstraßen geben.“ Zudem werden weitere Einbahnstraßen in beide Richtungen für den Fahrradverkehr geöffnet - 295 von 700 sind es bereits. Blume-Beyerle: „Trotz rasant wachsender Einwohnerzahlen wollen wir die Mobilität in der Stadt aufrechterhalten, ohne permanent schlechte Luft einzuatmen oder ständig im Stau zu stehen.“

Mehr Informationen

zum Fahrradverkehr in München gibt es im Internet auf www.radlhauptstadt.de. Hier finden sich auch die aktuellen Broschüren über die Fahrradstraßen und den Radlstadtplan mit den besten Routen.

Doris Richter

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