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Der Erfinder: Vor 25 Jahren hat Ulrich Willburger die Trixi-Spiegel erfunden. Nun hängen zwei an der Ecke Arnulfstraße und Paul-Heyse-Unterführung. 

Abbiegeunfälle

Stadt testet Spiegel gegen den toten Winkel - die Technik ist schon 25 Jahre alt

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Die Stadt möchte die Sicherheit von Fahrradfahrern verbessern: Deshalb testet sie Spiegel, die für Lastwagenfahrer den toten Winkel einsehbar machen. Die Technik ist nicht neu.

  • Abbiegeunfälle verursachen auch in München Verletzte und Tote.
  • 100 sogenannte Trixi-Spiegel werden nun von der Stadt getestet
  • Die Spiegel sollen Unfälle verhindern helfen - andernorts hängen sie schon lange

München - Sie passieren in München wieder und immer wieder: Abbiegeunfälle, bei denen Radfahrer verletzt werden. 395 waren es im Jahr 2018. Heuer ist ein elfjähriger Bub von einem rechtsabbiegenden Lkw getötet worden, im Vorjahr wurde eine Neunjährige von einem Laster, der sie übersehen hatte überrollt. Jetzt wird die Stadt aktiv. Sie bringt an 40 Standorten insgesamt 100 sogenannter Trixi-Spiegel an Ampeln an, mit denen der tote Winkel für Lkw-Fahrer einsehbar wird. Die Testphase läuft ein Jahr.

„Jeder Mensch, der auf Münchens Straßen zu Schaden kommt, ist ein Mensch zu viel“, sagt Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle am Freitagvormittag. Ohnehin ist der Trubel an der Ecke Arnulfstraße und Paul-Heyse-Unterführung groß. Dort, wo schon zwei der neuen Trixi-Spiegel hängen, wurde extra ein Zelt aufgestellt, um die vielen Medienvertreter vor dem Regen zu schützen. Böhle freut sich, dass KVR und Baureferat so schnell den Stadtratsbeschluss vom Juni umsetzen können. „Die Spiegel sind alle schon vorrätig“, erklärt er.

LMU München begleitet den Verkehrsversuch

Nach und nach werden sie nun an Unfallschwerpunkten angebracht. Zum Beispiel an der Ecke Pappenheimer- und Marsstraße und an der Ungerer- und Schenkendorfstraße. Ein Verkehrsversuch, der von Dr. Wolfram Hell vom Institut für Rechtsmedizin an der LMU München begleitet wird.

Eine Frage brennt am Freitag allen Medienvertretern in der Runde unter den Nägeln: Warum wird die Stadt erst jetzt aktiv? Schließlich gibt es den Trixi-Spiegel schon seit 25 Jahren. Ulrich Willburger aus Seehausen (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) hat seine Erfindung nach seiner Tochter Beatrix benannt. Sie wurde als Kind selbst von einem Lastwagen angefahren und ist seitdem halbseitig querschnittsgelähmt.

In ganz Deutschland hängen schon 1000 solcher Spiegel

Böhles Antwort auf die Frage nach dem jetzigen Zeitpunkt: Die Wirksamkeit des gebogenen Spiegels sei bislang noch nicht bewiesen gewesen. Die Ergebnisse aus anderen Orten nicht eindeutig. „Das stimmt nicht“, widerspricht ihm Willburger unter dem Regenzelt. Und verweist zum Beispiel auf die Stadt Freiburg, in der schon 160 Trixi-Spiegel hängen. 1000 sind es in ganz Deutschland. 3000 sogar in der kleinen Schweiz.

Zahlen, die den Erfinder nicht reich machen. Bei uns kostet ein Spiegel 100 Euro. Willburger – einst Bürgermeister von Seehausen und aktuell Vorsitzender einer rührigen Bürgerstiftung – ging es nie ums Geld. Er will nach den schmerzlichen Erfahrungen in seiner Familie mit den Trixi-Spiegeln schlichtweg Leben retten. „Und diese schrecklichen Unfälle vermeiden.“

„Vielleicht sind die Schweizer etwas voraus“

Für den Experten Hell sind sie aber nur ein Baustein für das Verkehrskonzept der Zukunft. „Ein Lastwagen hat selbst sechs Spiegel. Die muss der Fahrer genauso im Blick haben, wie den Verkehr“, erklärt er die Problematik. Deshalb sei ein Kamera-Assistenz-System für Lastwagen ergänzend so wichtig. 2024, schätzt Hell, müsste es in Deutschland gesetzlich verpflichtend sein. Bis dahin könnten die Trixi-Spiegel für mehr Sicherheit sorgen. So wie in der Schweiz. Dass dort schon 3000 hängen, hat Hell überrascht. „Vielleicht sind uns die Schweizer in diesem Punkt schon etwas voraus“.

Lesen Sie auch: Im Jahr 1994 wurde der Grüne Pfeil, den es bereits in der DDR gab, in die Straßenverkehrsordnung aufgenommen.Nun gibt es den Grünpfeil auch für Fahrräder.

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