Mediziner ungleich verteilt

Am Stadtrand Münchens fehlen Ärzte

München - München ist laut Statistik bei der Ärztedichte eine Insel der Glückseligen. Doch das Gesamtbild trügt. In einigen eher zentrumsfernen Stadtteilen wie Hasenbergl, Milbertshofen und Riem mangelt es an Haus-und Kinderärzten.

Christoph Graßl kennt die Versorgungssituation in den Stadtteilen sehr gut. Der Allgemeinmediziner ist der Regionale Vorstandsbeauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) für die Stadt München. Während sich in der Innenstadt die Arztpraxen ballen, ist nach seiner Erfahrung die Lage am nördlichen und östlichen Stadtrand bei weitem nicht so rosig. „In Riem sieht es ganz schlecht mit der ärztlichen Grundversorgung aus“, erklärt Graßl. Die Vermutung liegt nahe, dass dort die Ansiedlung von Ärzten mit dem zügigen Bau der Messestadt nicht Schritt halten konnte. Auch im Hasenbergl und in Milbertshofen fehlen laut Graßl Hausärzte. Und eine Verbesserung der Versorgungssituation ist nicht in Sicht. Aktuell sind dem Mediziner zufolge zwei Fälle aus dem nördlichen Schwabing und dem Hasenbergl bekannt, bei denen ältere Kinderärzte keine Nachfolger für ihre Praxen fänden.

Die Zahlen des Statistischen Amts der Landeshauptstadt belegen, dass es bei der Ärztedichte gewaltige Unterschiede zwischen den Stadtteilen gibt. So versorgte bei der jüngsten Erhebung jeder Arzt durchschnittlich 392 Einwohner in München. Das ist ein Traumwert im Vergleich zu ländlichen Regionen. „So einen guten Versorgungsgrad gibt es in ganz Bayern nicht“, sagt KVB-Sprecherin Birgit Grain. Doch die Mediziner sind eben sehr ungleich auf die einzelnen Stadtviertel verteilt.

In den Bezirken Feldmoching-Hasenbergl und Milbertshofen-Am Hart steht gerade mal ein Arzt für knapp 1300 Einwohner zur Verfügung. Im Stadtbezirk Altstadt-Lehel gibt es dagegen einen Arzt je 38 Einwohner. Ähnlich sieht die proportionale Verteilung bei den Zahnärzten aus.

Christoph Graßl sagt dazu: „Es gibt wenige Kollegen, die in soziale Brennpunkte gehen, während die zentrumsnahen Bereiche und südlichen Viertel attraktiver sind.“ Ein Urteil über die Gründe hierfür wolle er sich nicht erlauben.

Fest steht, dass sich der Trend zur Ungleichverteilung weiter fortsetzt. Eine Erhebung der KVB über die vergangenen vier Jahre hinweg ergab, dass sich im Viertel Altstadt-Lehel 51 neue Ärzte niedergelassen haben – mehr als in jedem anderen Münchner Stadtteil. Bogenhausen landete mit einem Plus von 35 auf Platz zwei, in Neuhausen-Nymphenburg kamen immerhin noch 26 Ärzte hinzu.

Auch stadtweit betrachtet stieg die Zahl der Ärzte mit Kassenzulassung. So waren zum 31. Dezember 2013 insgesamt 3717 Kassenärzte in München zugelassen – und damit 107 mehr als noch im Jahre 2010 (plus drei Prozent). Doch dieser Anstieg geht auf einen Zuwachs an Fachärzten zurück. Die Zahl der Hausärzte, die für die medizinische Grundversorgung eine große Rolle spielen, ist rückläufig. Denn im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Allgemeinmediziner von 851 auf 816.

Die KVB bemüht sich nun, Vorsorge zu treffen, dass nicht noch ein weiteres Ungleichgewicht innerhalb der Stadtgrenzen entsteht. Praxen könnten bei einer Nachbesetzung nicht einfach von einem Viertel ins andere Viertel verlegt werden. Dies werde vor der Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung „stark geprüft“, sagt KVB-Sprecherin Grain.

Gerade bei der Nachfolgesuche für Hausarztpraxen am Stadtrand sei dies von großer Bedeutung, erklärt Graßl. Denn in München könnten sich aufgrund des über dem Bedarfsplan liegenden Versorgungsgrads junge Mediziner derzeit nur dann mit Kassenzulassung niederlassen, wenn eben auch ein Kassenarzt-Sitz frei werde.

Klaus Vick

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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