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Übung in der Allianz Arena: Feuerwehr-Leute tragen einen (simulierten) Verletzten in Sicherheit.

„Braucht noch irgendwer Blut?“

Katastrophen-Test: Riesige Übung in München - mit Rauch, Bengalos und Blut

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2.000 Einsatzkräfte haben am Sonntag in München den Ernstfall geprobt. Die Übung lieferte unter anderem an der Allianz Arena drastische Bilder.

  • Im Jahr 2020 kommt die Fußball-Europameisterschaft nach München.
  • Für die Spiele in der Allianz Arena haben am Sonntag 2.000 Einsatzkräfte den Ernstfall geprobt.
  • Die Großübung lieferte für Polizei und Feuerwehr wertvolle Erkenntnisse - und nebenbei drastische (aber harmlose) Bilder.

München - „Braucht irgendwer noch ein bisschen Blut?“, hallt es um kurz nach 8 Uhr am Sonntagmorgen durch die Gänge der Allianz Arena in Fröttmaning. Die Frage richtet sich an die Statisten, die an diesem Tag bei der gemeinsamen Katastrophenschutzübung von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk, Kliniken Stadt und Fußball-Bund die Verletzten spielen und dementsprechend geschminkt sind. Die Stimmung ist ausgelassen, die Komparsen, die Fußballfans mimen, schwenken Deutschlandfahnen, es wird gescherzt und gelacht. 

Probelauf für Polizei, Feuerwehr, Kliniken in München: 2.000 Einsatzkräfte auf den Beinen

Doch der Hintergrund dieser aufwendigen Übung ist ernst: Etwa 2000 Einsatzkräfte probten am Sonntag, was sie tun müssen und wie die Rädchen aller beteiligten Organisationen am effektivsten ineinander greifen, wenn durch einen Unfall, Terroranschlag oder eine Panik eine zunächst unklare Gefahrenlage entsteht und zahlreiche Verletzte versorgt werden müssen. 

Die Übung der sogenannten „Großschadenslage“ dient zur Vorbereitung der Fußball-Europameisterschaft 2020, bei der vom 12. Juni bis 12. Juli vier Spiele in München stattfinden. Deshalb heißt die gemeinsame Großübung „EMÜ 19“, bei der das Drehbuch die Einsatzkräfte nahezu zeitgleich drei große Einsätze bewältigen lässt. 

München: Retter proben für „Großschadenslage“ bei der EM 2020

Die beteiligten Organisationen sollten davon ausgehen, dass die Ereignisse zwei Stunden vor dem dritten Gruppenspiel Deutschlands gegen einen noch nicht bekannten Gegner stattfinden. Die ersten beiden Spiele gegen Frankreich und Portugal hat Deutschland somit in der Vorstellung der Übenden bereits absolviert. 

Fritteuse explodiert? Ein Foto aus den - unter Expertenaufsicht - verrauchten Allianz Arena.

Um 8.14 Uhr raucht und qualmt es plötzlich in der Allianz Arena. Die Einsatzkräfte wissen zu diesem Zeitpunkt der Übung noch nicht, was passiert ist. Denn auch im Ernstfall wüssten sie nicht, was sie bei einem Einsatz erwartet. Alle Beteiligten reagieren professionell: Polizisten halten die Fußballfans gekonnt fern von den verletzten Statisten, Rettungskräfte kümmern sich um Menschen, die vor einem Kiosk auf dem Boden liegen. 

Allianz Arena München: Es brennt und raucht - Ernstfallübung im Stadion des FC Bayern

Allmählich wird klar, welcher Ernstfall simuliert wird: In dem Kiosk ist eine Fritteuse explodiert, es brennt und raucht. 50 Besucher müssen medizinisch versorgt, die anderen beruhigt werden. Draußen kommen mit Blaulicht Rettungsfahrzeuge an. Die Einsatzkräfte bringen die Verletzten raus und entscheiden je nach Verletzungsbild, wer wie dringend behandelt werden muss. Von dort werden die Männer und Frauen weiter in Krankenhäuser transportiert. 

Kastastrophenschutzübung an der Allianz Arena.

Bereits zuvor, um 8 Uhr, waren die übenden Einsatzkräfte am U-Bahnhof Arabellapark gefordert. „Hier war das Szenario, dass Fußballfans Pyrotechnik gezündet haben, es raucht und qualmt und eine Massenpanik bricht aus“, erklärt Polizeisprecher Damian Kania. 

Herausforderung für die Polizei sei es zunächst gewesen, herauszufinden, was passiert ist. Denn die Einsatzlage hätten die Beamten auch als Terroranschlag wahrnehmen können. Durch die Massenpanik sollten auch hier 50 Statisten Verletzte spielen, die versorgt und teilweise in Krankenhäuser transportiert werden mussten. 

München: Einsatzkräfte üben für Ernstfall - auch vor dem PC

Um 8.30 Uhr mussten die Einsatzkräfte schließlich noch einen schweren Unfall mit einem Eingeklemmten in der KFZ-Verwahrstelle des Präsidiums in Trudering bewältigen. Auch dort gab es Verletzte, um die sich die Einsatzkräfte kümmern mussten. 

Auch an den Rechnern waren die Beamten gefordert: Damit alles realistisch wirkt, prasselten in Echtzeit Hinweise und Mitteilungen via Notruf und Soziale Medien auf die Einsatzkräfte ein. Die Übenden mussten schnell entscheiden und relevante von unwichtigen Informationen trennen sowie Gerüchte oder tatsächliche Hinweise erkennen. Im Einsatz waren am Sonntag so viele Kräfte und Fahrzeuge, wie derzeit tatsächlich für die EM 2020 eingeplant sind. 

Katastrophenschutzübung in München: Polizei und Feuerwehr ziehen Fazit - „Details nachbereiten“

Das erste Fazit der beteiligten Organisationen fiel positiv aus. Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble sagte: „Auch für Feuerwehr und Rettungsdienst ist die Abarbeitung und Koordinierung solcher Einsatzszenarien eine große Aufgabe. Das hat gut funktioniert, sodass die Versorgung der Verletzten zügig durchgeführt werden konnten.“ 

Positives Fazit: Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble (li.) und Polizeipräsident Hubertus Andrä.

Laut Polizeipräsident Hubertus Andrä sind in die Vorbereitung zur EM die Erkenntnisse aus der Weltmeisterschaft 2006 eingeflossen, das Einsatzkonzept sei aber angepasst worden. Denn Beamte müssten heutzutage zunächst immer von einer lebensbedrohlichen Einsatzlage ausgehen und überprüfen, ob und mit wie vielen Tätern sie zu tun haben. Solche Situationen seien 2006 noch nicht so sehr im Fokus gewesen. 

Nach Terroranschlägen wie beispielsweise am „Stade de France“ im Herbst 2015 in Paris wurden Einsatzkonzepte überarbeitet. Ziel der Übung war auch, zu überprüfen, inwieweit die aktualisierten Einsatzkonzepte einen Praxistest bestehen. Auch Ausbilder und Trainer verfolgten die Übung und werden diese nun auswerten. Andrä resümiert: „Das Einsatzkonzept funktioniert, Details müssen wir eventuell nachbereiten.“

Die Fußball-Fans können also wohl beruhigt zu den EM-Spielen in München gehen - wie Sie an Tickets kommen, verraten wir Ihnen in diesem Artikel. Den kompletten Spielplan finden Sie hier.

sw

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