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Wegen der „überdurchschnittlich vielen Sterbefälle“ nimmt das städtische Bestattungsinstitut in der Damenstiftstraße derzeit keine Bestattzbgsaufträge mehr an (l.). Rechts: Der Leiter der Einrichtung, Peter Kotzbauer.

Engpässe

Zu viele Tote: Darum ist das Münchner Bestattungsinstitut momentan völlig überlastet

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Das städtische Bestattungsinstitut arbeitet an der Belastungsgrenze. Mittlerweile ist die Grenze des Möglichen erreicht, ja sogar überschritten.

München - Über einen Aushang informiert die Einrichtung in der Damenstiftstraße ihre Kundschaft, dass sie derzeit keine Aufträge mehr annehmen kann. Die Leidtragenden sind die Angehörigen.

„Wir sind schon seit Wochen überlastet“, berichtet Peter Kotzbauer, Leiter des städtischen Bestattungsinstituts, „die überdurchschnittlich vielen Sterbefälle, die Grippewelle und der daraus resultierende Personalnotstand, irgendwann geht’s einfach nicht mehr.“

Um dem Kundenandrang Herr zu werden und den Totenstau zu entzerren, beschloss der Einrichtungsleiter, kurzfristig keine Aufträge mehr anzunehmen. In der Praxis bedeutet das: Wer in den Stoßzeiten, zwischen halb elf und 14 Uhr im Bestattungsinstitut ankommt, läuft Gefahr, wieder heim geschickt zu werden. Aber: „Nur, weil es im Moment zu Engpässen kommt, bedeutet das nicht, dass wir unsere Kundschaft nicht mehr ordentlich bedienen“, so Kotzbauer. Telefonisch sei das Institut nach wie vor rund um die Uhr erreichbar und auch die Leichname würden wie gehabt abgeholt. „Das Einzige, was derzeit in der Warteschleife hängt, ist die Beratung.“

Damit Sie möglichst schnell drankommen, rät Kotzbauer, vorher anzurufen. „Wenn wir vorab schon wissen, um welche Art der Bestattung es sich handelt, können wir unseren Arbeitstag viel besser vorbereiten und die Wartezeiten verkürzen.“

Wie aber kann es sein, dass es überhaupt zu Wartezeiten kommt? Wie kann es sein, dass die Grippewelle derart drastische Auswirkungen hat und einen regelrechten Bestattungs-Stau auslöst?

„Wir können unsere Kunden ja nicht einfach abfertigen“

Dass im Winter mehr Menschen sterben als im Sommer, sei vorhersehbar, berichtet Kotzbauer. „Dass gleichzeitig aber ein Viertel unseres Personals ausfällt, ist ungewöhnlich.“ Hinzu kommt: Wird ein städtischer Bestatter krank, so kann er nicht einfach über Nacht ersetzt werden. Die Verfügbarkeit, das Fachwissen, die Empathie – „das muss gelernt sein“, erklärt Kotzbauer. Und außerdem: „Wir können unsere Kunden ja nicht einfach abfertigen, nur, weil unsere Mitarbeiter krank sind. Ein Trauergespräch dauert in der Regel ein bis zwei Stunden – daran wird auch der Engpass nichts ändern.“

Privater Bestatter: Der Tod kennt kein Wochenende

Engpässe bei städtischem Bestatter

Thomas Kirchner, privater Bestatter: „Wer seit 35 Jahren als Bestatter arbeitet, der weiß: der Tod kennt kein Wochenende und auch Krankheiten kündigen sich meist nicht an. Dass es dadurch zwischenzeitlich zu Engpässen kommen kann, sei zwar nachvollziehbar, aber dennoch ärgerlich. Thomas Kirchner (59), Mitarbeiter eines privaten Bestattungsinstituts, ist zusammen mit seinen Kollegen 24 Stunden 365 Tage im Jahr im Einsatz. „Wir beraten unsere Kunden entweder persönlich oder am Telefon.“ Nach Hause geschickt hat Kirchner noch niemanden. „Ich kann ja schlecht sagen: Bitte sterben Sie erst morgen – heute habe ich leider keine Zeit.“

Das sagen die Trauernden

Andi und Christine Springer wissen schon, wie es läuft. „Wir waren im Januar leider schon mal hier“, erzählen sie. Am Montag hatten die beiden einen weiteren Todesfall in der Familie. „Wir haben natürlich gleich im Bestattungsinstitut angerufen“, erzählt die Münchnerin, „die Mitarbeiter haben uns erklärt, dass gerade recht viel los sei. Dann haben sie uns gefragt, ob wir damit einverstanden wären, erst am nächsten Tag zu kommen.“ Das Ehepaar willigte ein. „Für uns war das überhaupt keine Frage, natürlich haben wir nicht darauf bestanden, sofort beraten zu werden. Man braucht ja bloß in die Krankenhäuser schauen – die Einrichtungen sind voll. Natürlich macht die Grippewelle auch vor den Mitarbeitern eines Bestattungsinstituts keinen Halt. Und: Die Bestatter arbeiten sowieso am Anschlag.“

Eine Portion Verständnis

Engpässe bei städtischem Bestatter

Nachdem ihr Mann am Sonntag verstorben war, beschloss Hana D., am nächsten Tag gleich in die Stadt zu fahren, um die Beerdigung zu regeln. Am Empfang des städtischen Bestattungsinstituts erfuhr die 69-Jährige, dass es zur Zeit zu Engpässen kommt. Verärgert ist die Seniorin deswegen allerdings nicht. „Ich habe ja gleich am nächsten Tag einen Termin bekommen“, erzählt sie, „außerdem ist mir die Situation ganz höflich geschildert worden – es kann ja niemand etwas dafür, wenn er plötzlich krank wird.“ Um sich die Wartezeit zu verkürzen, ist die 69-Jährige gestern mit einer Begleitung gekommen. „Wenn man nicht alleine ist, vergeht die Zeit schneller. Und überhaupt – da muss man einfach eine Portion Geduld und Verständnis mitbringen.“

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