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Wer hat das Älteste? Die Familie Reinbold (links Juniorchef Ludwig Reinbold) und die Chefin im Alten Wirt in Obermenzing, Renate Schlegl, beanspruchen den Titel für sich.

Gehackl um den Titel

Welches Münchner Wirtshaus ist das älteste?

München - Die Hundskugel galt als ältestes Münchner Wirtshaus – bis die Familie Reinbold mit ihrem Franziskaner Anspruch auf den Titel erhob. Jetzt hat der Alte Wirt von Obermenzing seinen Hut in den Ring geworfen: Ein spitzfindiges Gehackl um den Begriff „Wirtschaft“ und Münchens Grenzen.

Herrschaftszeiten, was für eine Metten! Erst galt Mosis Hundskugel als ältestes Wirtshaus der Stadt, dann behaupteten auf einmal die Wiesnwirtsleute Reinbold, ihr Franziskaner sei viel älter – und jetzt widersprechen ihnen Renate Schlegl, Chefin im Alten Wirt von Obermenzing, und ihr Stammgast, der Obermenzinger Dorfschreiber Adolf Thurner: „Nein, wir sind das älteste Münchner Wirtshaus. Und diesen Titel lassen wir uns auch nicht nehmen!“

Wie berichtet, berufen sich die Reinbolds auf Manfred Heimers vom Stadtarchiv. Der wiederum beruft sich auf eine Publikation des früheren stellvertretenden Stadtarchiv-Leiters Helmuth Stahleder. Derzufolge lasse sich im Sitz des Franziskaners an der Residenzstraße 9 seit dem Jahr 1363 ein Brauereibetrieb mit Gaststättentradition nachweisen.

Doch eine Brauerei macht noch längst kein Wirtshaus, meint Adolf Thurner, da kann der alteingesessene Obermenzinger und Experte für die Geschichte des Münchner Westens richtig züntig werden! Das Braurecht, doziert er, sei die Befugnis gewesen, Bier zu brauen. Damit verbunden sei meist das Zapfrecht gewesen, also die Erlaubnis, Bier zu zapfen und vor Ort zu verkaufen. Aber das – und darauf legt Thurner großen Wert – habe nicht auch die Erlaubnis bedeutet, Gäste mit Speisen zu bewirten. Hierfür sei eine sogenannte Taferngerechtigkeit erforderlich gewesen.

Eine solche hat der Franziskaner vermutlich erst seit 1550. Zumindest nennt Stahleder in seiner Publikation für dieses Jahr eine „Fremden-Herberge“ an der Residenzstraße, und die dürfte ihre Gäste wohl auch mit Speisen bewirtet haben.

Der Alte Wirt von Obermenzing dagegen hat nachweislich seit 1417 das Recht, seine Gäste auch mit Speisen zu bewirten. Das geht aus zwei Kaufbriefen aus dem Jahr 1417 hervor. „Man muss schon unterscheiden zwischen einer Tafern- und einer Bierwirtschaft, das ist ein Riesenunterschied!“, sagt Thurner. Wir waren nicht irgendeine Zäpflerei, sondern eine Tafernwirtschaft. Das war der Franziskaner nicht!“

Heimers vom Stadtarchiv, hingegen legt den Begriff der Gaststätte großzügiger aus: „Gaststätte bedeutet, dass dort Gäste bewirtet werden. Ob das nun nur mit Bier oder auch mit Speisen erfolgt, ist unerheblich.“ Allerdings sei es gut möglich, dass der Alte Wirt von Obermenzing die älteste Speisewirtschaft München sei: „Das will ich nicht bestreiten. Ich kann es natürlich nicht für alle Vororte überprüfen.“ Die Unterlagen hierfür seien nicht im Stadt-, sondern im Staatsarchiv. Thurner will Heimers Definition von Gaststätte freilich nicht gelten lassen: „Das sehen wir eindeutig anders. Gastwirtschaft heißt Trinken und Essen.“

Der Dorfschreiber betont, er habe sich schon zu Rudolph Moshammers Lebzeiten gegen die Behauptung gewehrt, die Hundskugel sei das älteste Münchner Wirtshaus. Die Hundskugel wurde vermutlich 1484 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. „Ich habe dem Mosi geschrieben, sein Wirtshaus sei das älteste der Residenzstadt München, aber nicht der Landeshauptstadt.“ Schließlich wurde Obermenzing 1938 eingemeindet – und damit hatte der Alte Wirt mit seiner Taferngerechtigkeit von 1417 die Nase vorn.

Ludwig Reinbold, Junior-Chef im Franziskaner, findet die Spitzfindigkeit amüsant – und zeigt Größe: „Dann sagen wir halt, wir sind das älteste Wirtshaus der Innen- und der Residenzstadt. Obwohl es 1363 sicher auch schon eine Brotzeit gab.“

Bettina Stuhlweissenburg 

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