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Die beiden Alt-OBs sprechen am Dienstagabend im Einstein 28.

Die Alt-OBs im Interview

Herr Vogel, Herr Ude, wie sehen Sie die SPD heute?

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München - Über Jahrzehnte bestimmten Hans-Jochen Vogel und Christian Ude die Geschicke Münchens. Am Dienstagabend berichten sie über ihre ersten Schritte in der Politik. Die tz sprach mit ihnen vorab.

Ihre Namen sind heute untrennbar mit der Münchner Politik und der Sozialdemokratie in der Landeshauptstadt verbunden: Hans-Jochen Vogel (91) und Christian Ude (69). In Vogels Zeit als Oberbürgermeister fallen der Ausbau der U-Bahn und die Olympischen Spiele 1972. Christian Ude ist Verfechter der kommunalen Selbstständigkeit, er setzte sich unter anderem für eine andere Finanzverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen ein. Doch bevor die beiden zu roten Riesen wurden, haben auch sie mal klein angefangen. Am Dienstagabend berichten die Alt-OBs von ihren ersten politischen Gehversuchen im Einstein 28. Ab 19 Uhr beantworten Vogel und Ude im Vortragssaal 1 unter anderem die Frage, was sie in die Politik verschlagen hat. In der tz verraten sie es schon vorab.

Hans-Jochen Vogel (91)

Christian Ude (69)

Ich habe nach dem Krieg sehr rasch erkannt, dass man sich selbst politisch engagieren muss, um das zu überwinden, was hinter uns liegt. Ziel war es, eine stabile Demokratie ­aufzubauen.

Warum in die Politik?

Das begann schon in der Schülerzeit, weil ich festgestellt ­habe, dass alles, was einen aufregt oder einengt, mit ­politischen Ursachen zu tun hat. Ich wollte das nicht nur ­erleiden, sondern ändern.

Ich habe mich umgesehen bei den Parteien und auch deren Dokumente gelesen. Für die SPD habe ich mich wegen ihrer Geschichte entschieden und wegen ihres Schwerpunktes ­soziale Gerechtigkeit.

Warum in die SPD?

Das war ein Dreiklang von Motiven. Zum einen die ­Beschäftigung mit der Zeitgeschichte, wonach nur die SPD von Anfang an gegen Hitler agieren und dabei eine überzeugende Rolle spielen konnte...

1949 habe ich Kurt Schumacher erlebt. Mir hat dieser Mann sehr imponiert durch seine Persönlichkeit. Auch die Tatsache, dass er im Ersten Weltkrieg den rechten Arm und als Folge seiner langen KZ-Haft noch das linke Bein verloren hat. Auch die Art und Weise, wie er sprach, hat mich beeindruckt.

Wer war Ihr Idol?

... zum anderen war es in München die Bewunderung für den großen Zampano Hans-Jochen Vogel. Und in der damals aktuellen deutschen Politik die Ankündigung Willy Brandts, eine Entspannungspolitik einzuleiten. Noch ein Name wäre sicher auch Wilhelm Hoegner.

Ich war Mitglied im Ortsverein Freimann, der fast nur aus ­Arbeitern bestand. Nach zwei Jahren hat man mich gebeten, den Vorsitz zu übernehmen, weil mein Vorgänger schwer ­erkrankt war.

Ihre Anfänge in der Politik?

Als ich Vorsitzender des Ortsvereins Kurfürstenplatz wurde, war ich schon Sprecher der Münchner Schulsprecher und ­Landesvorsitzender der bayerischen Schülerzeitungen. Das fing bei mir schon zu Schulzeiten an.

Mit Freude und auch ein bisschen mit Staunen. Eine ­Entwicklung, wie wir sie gerade erleben, wäre vor drei oder vier Monaten nicht für möglich gehalten worden. Das berührt jemanden, der 66 Jahre der Partei angehört.

Wie sehen Sie die SPD heute?

Gut, dass Sie mich heute fragen. Das Bild zum Jahreswechsel war doch sehr depressiv verstimmt, während wir jetzt einen enormen Auftrieb haben. Dennoch muss nachgeholt werden, was in den vergangenen Jahren versäumt wurde.

Zu den großen Herausforderungen gehört die Verteidigung unserer Demokratie gegen die so genannten „völkischen“ Kräfte. Und natürlich die Stärkung der sozialen Gerechtigkeit. Es geht unserem Land zwar besser als den meisten anderen Ländern der Welt. Aber der Abstand zwischen denen, die reicher werden, und denen, die zurückbleiben, wird immer größer.

Was sind die Herausforderungen der ­Politik heute? 

Die Rechtspopulisten von der Macht fernzuhalten, ohne es sich selbst zu einfach zu machen. Man muss wieder die ­großen Zukunftsfragen zum Thema der Politik machen und nachhaltige Konzepte entwickeln, nicht nur kurzfristige ­Antworten.

ska

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