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Die heißbegehrten Erzieher bekommen mehr Geld

Dafür steigen die Gebühren

Münchens Erzieher bekommen mehr Geld 

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München - Gute Nachricht für städtische Erzieher: Sie bekommen bald mehr Geld. Die von OB Dieter Reiter versprochene Arbeitsmarktzulage ist bewilligt. Schlechte Nachricht für Eltern: Sie müssen für die Kinderbetreuung künftig womöglich mehr bezahlen.

Landauf, landab wird der Erziehermangel diskutiert – da platzt die Stadt mit einer guten Nachricht herein: Städtische Erzieherinnen und Erzieher bekommen in München bald mehr Geld. Was OB Dieter Reiter (SPD) versprochen hat, wird nun wahr: Künftig können Erzieher eine sogenannte Arbeitsmarktzulage erhalten – sofern der Stadtrat im Herbst zustimmt, „aber davon gehe ich aus“, sagte Reiters Sprecherin Petra Leimer-Kastan. Im Kommunalwahlkampf hatten fast alle Fraktionen gefordert, Erzieher besser zu bezahlen.

„Das ist ein riesiger Erfolg“, freute sich Reiter. Nachdem viele städtische Erzieher bereits ab September tariflich höher eingruppiert wurden, folgt nun ein weiteres Gehaltsplus. Vorausgegangen war ein Beschluss des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV), dem Tarifpartner der Stadt, mit dem Personalreferent Thomas Böhle verhandelt hatte.

Betroffen sind laut Bildungsreferat rund 3200 Erzieher in städtischen Krippen, Kindergärten, Horten und anderen Institutionen. Zurzeit fehlen 223 Erzieher. Und um wie viel mehr Geld geht es? „Schon um einiges“, so Leimer-Kastan. Die theoretische Obergrenze für die Zulage liegt bei 20 Prozent des üblichen Einstiegsgehalts von monatlich 2529 Euro, also bei knapp 560 Euro – aber so viel werde es nicht, lässt Personalreferent Thomas Böhle wissen.

Bisher lockte die Stadt nur mit einer München-Zulage von 117 Euro, die alle städtischen Beschäftigten auch weiterhin erhalten. Diese gibt es laut Böhle seit Jahrzehnten für den Ballungsraum München als „absoluter Einzelfall“. Sie sei zu rechtfertigen durch die exorbitant höheren Lebenshaltungskosten, aber kratze natürlich „an den Grundfesten des Flächentarifvertrags“.

Die neue Arbeitsmarktzulage beruht auf einer anderen Basis: Sie darf ausschließlich in Mangelberufen gezahlt werden, um Personal zu gewinnen und zu erhalten, und immer nur befristet, erläutert KAV-Geschäftsführer Armin Augat. Bislang bekamen in München drei Berufsgruppen die Zulage: Ingenieure, IT-Kräfte und einzelne Ärztegruppen im öffentlichen System. Diese Möglichkeit hat der KAV nun auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ausgedehnt. Damit kann jetzt jede bayerische Kommune theoretisch für die Berufe eine Zulage zahlen, bei denen ihr nachweislich Personal fehlt. Nicht überall seien es Erzieher, so Augat: Woanders fehlen Techniker, Klärwerker, Krankenhauspersonal. München plant laut Böhle die Zulage aber zunächst nur für Erzieher – und nicht für andere Fachkräfte wie Pfleger. Auch verwandte Berufe gehen leer aus: Bei Kinderpflegern oder Sozialpädagogen bestehe kein Mangel.

Und wie sehen freigemeinnützige Träger von Kindereinrichtungen den neuen Anreiz? „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission, die in München ein Dutzend Kitas betreibt, wie es auch andere Wohlfahrtsverbände tun, etwa Caritas und AWO. Die Entscheidung müsse aber für alle freien Träger gelten, so Bauer. Das heißt: Wollen auch Verbände die Zulage zahlen, müssten Kommune oder Freistaat Geld zuschießen. Laut Leimer-Kastan wird es „auf jeden Fall Gespräche“ geben. Bauer: „Ein Verdrängungswettbewerb würde keine einzige Erzieherin mehr bringen.“

Stadt und Verbände grenzen sich Bauer zufolge beide von privaten kommerziellen Trägern ab, die ihr Personal weit übertariflich bezahlen können. „Wir wollen aber keine Monatsgebühren von 600 Euro“, so Bauer. Allerdings könne es sein, dass im Zuge der neuen Zulage „der Monatsbeitrag ein bisschen nach oben geht“: Denkbar wären laut Bauer drei bis vier Prozent, die die Kommune den Eltern zusätzlich abknapsen könnte. Das Bildungsreferat bestätigte diese Vermutung gestern nicht.

Von der Höhergruppierung von der Gehaltsstufe S 6 in S 8 haben laut Referat etwa ein Viertel der Erzieher profitiert. Sie gelang, indem die Tarifmerkmale weiter interpretiert wurden: Im TVöD steht, dass Erzieher mit „besonders schwierigen Tätigkeiten“ in S 8 eingestuft werden – etwa Erzieher, die viele Migrantenkinder betreuen.

Reiters Sprecherin Leimer-Kastan sagt weiter, neben Höhergruppierung und Zulage solle es bald einen weiteren Baustein geben: ein gezieltes Wohnungsprogramm für Mangelberufe.

Von Christine Ulrich

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