Toilettenkampf in München

München - Der Münchner Toilettenkampf geht in die letzte Runde: Am 7. Juli will die Stadt die Schließung von 34 öffentlichen Örtchen besiegeln - auch etwa am Odeonsplatz. Die übrigen Häusl sollen künftig etwas kosten, dafür aber viel sauberer sein. In vielen Stadtvierteln regt sich allerdings Kritik.

Um Münchens stille Örtchen war es zuletzt ziemlich laut: Denn schon lange debattiert man im Rathaus die Frage, wie die Stadt mit ihren „öffentlichen Bedürfnisanstalten“ umgehen soll. Bei der Verwaltung gehen schließlich zahllose Beschwerden ein, die den erbärmlichen Zustand der Klos beklagen. Zugleich stellt das zuständige Kommunalreferat aber klar: Der Häusl-Haushalt ist ausgereizt. 1,2 Millionen Euro gibt die Stadt jährlich für den Unterhalt der Toiletten aus - mehr ist nicht drin.

Weil auch die Privatisierung des Toiletten-Geschäfts scheiterte, hat die Verwaltung einen Entschluss gefasst: 34 der 70 Toiletten in der Verantwortung des Kommunalreferats sollen bis November geschlossen werden, die meisten davon liegen in U-Bahnhöfen (wir berichteten). Am 7. Juli soll der Stadtrat dem zustimmen. Referentin Gabriele Friderich legt den Stadträten nun ein „Strategiekonzept“ für Münchens öffentliche WCs vor.

Demnach hat die Stadt zuletzt geradezu akribische Toiletten-Studien betrieben. Die Experten ermittelten den Wasserverbrauch der Örtchen - und errechneten daraus, wie viele Bürger diese im Schnitt täglich aufsuchen. Mit den Daten entwickelten sie ein ausgeklügeltes Klo-Kategoriensystem: Je nachdem, wo eine Toilette liegt, wie viele Nutzer sie hat und welche Alternativen für die Notdurft zur Verfügung stehen, wurden Toiletten als erhaltenswert oder entbehrlich eingestuft.

Das Ergebnis: Im Marienplatz-Untergeschoss liegt Münchens Top-Toilette: 3000 Menschen suchen sie täglich auf - das ist Stadtrekord. Auf Platz zwei liegt das Klo in der U-Bahn-Station Hauptbahnhof, gefolgt vom Max-Weber-Platz. Diese zählen freilich zu den 36 Toiletten, die die Stadt erhalten will. Alle 36 sollen nach und nach saniert und künftig sauberer gehalten werden. Bürger werden dann aber für die Notdurft löhnen müssen: 50 Cent pro Sitzung.

Schließen will die Stadt Anlagen, die nur wenig genutzt werden. Darunter sind unter anderem Häusl am Stiglmaierplatz, im Lehel und an der Theresienwiese - letzteres, weil es außerhalb der Wiesnzeit kaum genutzt wird. Sogar das Klo am Odeonsplatz soll geschlossen werden - allerdings wegen der „Publikums- und Vandalismusproblematik“ dort.

Die Schließungspläne stoßen jedoch auf Gegenwind: Die CSU lehnt die Schließung so vieler Häusl strikt ab. Auch die meisten Bezirksausschüsse stellen sich entweder generell gegen Schließungen oder kämpfen um einzelne Örtchen in ihren Vierteln. Doch die rot-grüne Rathaus-Mehrheit dürfte dem Vorhaben wohl grundsätzlich zustimmen. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD): „Wir haben nach den Schließungen immer noch mehr öffentliche Toiletten als andere Großstädte.“ So aber könne man versprechen, dass sich der Zustand der übrigen Häusl stark verbessert. Auch Grünen-Fraktionschefin Lydia Dietrich will zustimmen. Es gebe ja auch bereits mehrere Alternativ-Ideen - unter anderem das Konzept „nette Toilette“: Dabei will die Stadt prüfen, ob man Vereinbarungen mit Gaststätten treffen kann, damit diese ihre Toiletten gegen Entgelt der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Zudem, betont die Stadt, gebe es ja noch weitere öffentliche Toiletten - etwa in Parks oder in S-Bahn-Stationen.

Johannes Patzig

Diese Örtchen sollen geschlossen werden:

Theresienwiese (oberirdisch), Odeonsplatz (unterirdisch), Waldfriedhofstraße (oberirdisch), Milbertshofen (in der U-Bahn-Station), Harthof (U-Bahn, Großhadern (U-Bahn), Kolumbusplatz (U-Bahn), Messestadt-Ost (U-Bahn), Forstenrieder Allee (U-Bahn), Haderner Stern (U-Bahn), Bavariaring (oberirdisch), Stiglmaierplatz (U-Bahn), Olympiazentrum (oberirdisch), Obersendling (U-Bahn), Josephsplatz (U-Bahn), Petuelring (oberirdisch), Am Hart (U-Bahn), Kieferngarten (oberirdisch), Hasenbergl (U-Bahn), Karl-Preis-Platz (U-Bahn), Brudermühlstraße (U-Bahn), Dülferstraße (U-Bahn), Lehel (U-Bahn), Königinstraße (oberirdisch), Candidplatz (U-Bahn), Studentenstadt (oberirdisch), Richard-Strauss-Straße (U-Bahn), Böhmerwaldplatz (U-Bahn), Friedenheimerstraße (U-Bahn), Neuperlach Süd (oberirdisch), Gollierplatz (oberirdisch), Elisabethplatz (oberirdisch), Herkomerplatz (oberirdisch), Am Nockherberg (oberirdisch)

Rubriklistenbild: © dpa

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