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Oft im Schneckentempo unterwegs: Münchens Tram gleicht eher eine Bummelbahn.

Im Schneckentempo: Darum ist Münchens Tram so langsam

München - Die Münchner Straßenbahn gleicht einem langsamen Bummelzug, an vielen Stellen dürfen die Straßenbahnen nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Grund: das marode Gleisnetz.

Neue Züge, neue Strecken: Münchens Tramnetz wird angeblich immer moderner. Doch der Schein trügt. Die neuen Variobahnen vom Typ S haben auch nach einem Jahr noch keine Zulassung. Und das Schienennetz wird immer desolater. Statt es zu reparieren, werden nach DDR-Vorbild Tempolimits verhängt. Die Folge: Verspätungen häufen sich. Das Netz ist so marode, dass es inzwischen 31 Stellen gibt, an denen die Tramzüge teilweise nur noch im Schritttempo fahren können, berichtet die tz.

Betroffen sind alle Linien, wie die Karte zeigt. „Zwischen Stachus und Isartor bummeln die Trambahnen nur noch vor sich hin. Viele haben Verspätung“, klagt tz-Leser Bernd M. Das wird von der Gewerkschaft GDL bestätigt. Renate Tomasini, selbst Trambahnfahrerin und GDL-Betriebsrätin: „Ich zähle die Langsamfahrstellen gar nicht mehr. Wir sind froh, wenn wir noch irgendwo normal fahren können. Die Verspätungen nehmen deutlich zu.“

Schuld sind Schienenbrüche und andere Mängel am Gleis. Doch statt die „Schlaglöcher“ zu reparieren, werden meist Tempolimits verhängt. So ging das auch jahrelang bei der Bahn AG, bis Technik-Vorstand Volker Kefer dem Spuk ein Ende bereitete.

Einige der Langsamfahrstellen bei der Tram bestehen schon seit 2009. Insider wundern sich: „Es sind auch Stellen dabei, da wurden erst vor einigen Jahren die Schienen erneuert.“ Gerüchte besagen, es sei geschlampt worden. Tomasini sieht die Ursachen eher in den Sparmaßnahmen: „Bis vor einigen Jahren hatten wir einen eigenen Gleisbautrupp, da wurde ein Schienenbruch innerhalb von drei Tagen repariert.“ Sie erinnert sich, dass es bis vor wenigen Jahren deutlich weniger Mängelstellen im Netz gab.

Heute beseitigen Fremdfirmen die Schäden. Tomasinis GDL-Kollege Hans-Jörg Tweraser meint: „Bei privaten Firmen wird bisweilen geschlampt. Dann geht es um die Frage: Wer haftet und wer repariert den Pfusch? Bisweilen ist der Auftragnehmer nach dem Auftrag in Konkurs gegangen.“ Tweraser sieht die wahren Gründe in den politischen Vorgaben der Landeshauptstadt. Tweraser: „Die Politik sagt, es muss gespart werden, und das kommt dann dabei heraus.“

Christian Miehling, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), bestätigt: „Es gibt zurzeit 31 befristete Geschwindigkeitsbeschränkungen. Dass diese Stellen nicht umgehend instandgesetzt oder beseitigt werden können, hat verschiedene zwingende Gründe. Alleine in den nächsten Wochen werden mindestens fünf Beschränkungen wieder aufgehoben, davon drei in der Müllerstraße.“ Außerdem: „Der Vorwurf einer bloßen Mangelverwaltung ist Quatsch. Die SWM investieren auch heuer rund 20 Millionen Euro allein in die Erneuerung des bestehenden Gleisnetzes.“

Fragt sich nur, warum dann die Zahl der Mängelstellen früher deutlich kleiner war.

Karl-Heinz Dix

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