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Gini Ganserich (29) zeigt Touristen ihre Stadt.

Wir haben sie getestet

Münchens urigste Stadttour: Mit dem Bulli „Gerti“ durch Minga

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Die Stadtrundfahrten mit den Doppeldeckerbussen kennt jeder Münchner - nett, aber wenig originell. Diese Tour aber ist anders und der Star ist das Gefährt.

Das obligatorische Touri-Programm beim ersten München-Besuch liest sich oft so: Frauenkirche, Viktualienmarkt, Hofbräuhaus, BMW-Welt, Schloss Nymphenburg. Nett, aber wenig originell. Für das junge Unternehmen „Hey Minga“ hat sich Gini Ganserich (29) eine Tour überlegt, die ohne die Standard-Sehenswürdigkeiten auskommt. „Wir versuchen, Stadttouren von diesem Gähn-Image zu befreien“, sagt Gini. „Ich zeige meinen Gästen, was ich auch meinen Freunden zeigen würde.“ Die Attraktion bei den Touren ist das Gefährt: ein roter VW-Bus namens Gerti, 32 Jahre alt, 70 PS, Dieselmotor. Wenn Gerti durch die Stadt tuckert, zieht sie alle Blicke auf sich. Männer, Kinder, alte Damen unterbrechen ihre Gespräche, lächeln, manche winken sogar. Gini winkt den Passanten dann zurück und lässt Gerti aufhupen.

Die Touren werden samstags (14 Uhr) und sonntags (12 Uhr) angeboten – vier Stunden mit dem VW-Bus kosten 49 Euro pro Person. Freitags (17 Uhr) gibt es auch eine Kompakt-Tour, die nur zweieinhalb Stunden dauert, für 39 Euro (Tel.: 089/21 54 42 05). Die tz war mit Gerti und Gini unterwegs.

Das Werksviertel: Hier sollen bald Schafe grasen

Der Bulli steht bereit, doch erst führt Gini die Teilnehmer durchs Werksviertel, das nahe dem Ostbahnhof auf dem ehemaligen Pfanni-Fabrikgelände entsteht. Treffpunkt ist vor den bunten Containern, die junge Künstler und Gastronomen beheimaten. Sebastian (35), Domenica (37), Helga (47) und Bernd (51) haben sich hier eingefunden. Überraschenderweise ist keiner der Teilnehmer Tourist, alle wohnen in München. Aber Gini kann mit jeder Menge Super-Wissen punkten: Das Gebäude „Werk 3“ ist in Pfanni-Orange gestrichen und auf dem Dach sollen bald Schafe grasen. Die skurrilen Straßennamen auf dem Gelände – Püreelinie, Kartoffelgleis – hat sich der Pfanni-Erbe Werner ­Eckart ausgedacht.

Die Preysingstraße: Romantisches Gässchen

In Haidhausen geht es durchs Franzosenviertel. ­Gini zeigt auf die vielen schönen Gründerzeitfassaden, die noch erhalten sind, weil das Viertel ­jenseits der Isar im Krieg teilweise verschont blieb. Dann biegt Bulli Gerti in die Preysingstraße ein, die vielleicht niedlichste Straße der Stadt. Kleine Handwerkshäuser von 1840, viel Grün, Pflastersteine – hier scheint die Zeit stehen ge­blieben zu sein. „Früher war es hier allerdings nicht so romantisch“, erzählt Gini. „Hier wohnten Handwerker und Tagelöhner, eine ganze Familie lebte oft in nur einem Zimmer.“

Englischer Garten: Eine Limo am Eisbach

Bulli Gerti fährt durch das Lehel – Paradiesstraße und Himmelreichstraße entlang – zum Englischen Garten. Trinkpause und Zeit für einen Spaziergang. Aus dem Kofferraum heraus verteilt Gini Eizbachlimos und Giesinger Bier. Prost! Gini hat Glück: Auf den Sandwegen im E-Garten traben heute ein paar Reiter vorbei. „Davon erzähle ich sonst immer nur, aber ihr seid die erste Gruppe, die auch wirklich welche sieht“, sagt sie und lacht. Nicht weit entfernt stürzen sich Eisbachsurfer in die Fluten. Und dann weiht Gini die Teilnehmer in die Münchner Jugendsprache ein: „Da heißt es oft nur noch: ,Kommst du heute Abend zur Mono?‘“ ­Gemeint ist damit die Wiese am Monopteros.

Klein-Venedig: Idylle am Bach

Endstation Unter­giesing. „Ein spannendes Viertel, in dem sich viel tut“, sagt Gini. Heißt auch: die Gentrifizierung hält Einzug. Und so zeigt Gini auch den Ausdruck des Protests gegen das Neue: Graffiti wie „Werte dein Viertel ab“ und „Weiße Wände = hohe Mieten“ prangen auf frisch gestrichenen Häusern. Doch zum Abschluss soll es etwas Hübsches sein: Es geht in die Mondstraße, bekannt als Münchens Klein-Venedig. Hinter den Häusern mit den bunten Fensterläden rauscht der Auer Mühlbach. So viel Idylle mitten in der Stadt – das gibt es nur in München!

Darum sollte jeder Münchner unsere Stadtviertel-Seiten auf Facebook kennen 

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