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Rudolf Huber (82) bekam vor 40 Jahren eine Spenderniere. Noch immer kann er unbeschwert damit leben. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht er eine Todesanzeige für den unbekannten Verkehrstoten, dem er sein neues Leben verdankt.

„Ein Toter schenkte mir ein neues Leben“

Münchner (82) dankt seinem Organspender - in einer bewegenden Anzeige

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  • Nina Bautz
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Diesen Tag vor 40 Jahren wird er nie vergessen. Sein Leben hing damals an einem seidenen Faden. Auf eine recht ungewöhnliche Art, bedankte sich der Münchner nun für sein neues Leben.     

München - Rudolf Huber (82) erinnert sich an diesen Tag, als wäre er gestern gewesen. „Ich bekam wieder Farbe im Gesicht und dieses Gefühl, als ob sich jede Zelle mit neuer Energie füllt – das war unbeschreiblich.“ 40 Jahre ist es jetzt her, dass er die Niere eines Toten erhalten hat. Darüber ist er heute noch so dankbar, dass er sogar eine Anzeige in der tz aufgegeben hat – zwischen den Todesanzeigen.

40 Jahre nierentransplantiert. Wir danken dem unbekannten Verkehrstoten und dessen Angehörigen für die Organspende vom 26.3. 1979“, so lautete die ungewöhnliche Danksagung von Rudolf zum 40. Jahrestag am Dienstag. Für den Münchner ist dieser ausgefallene Schritt nur logisch: „Ich habe diesem Menschen ein neues Leben zu verdanken. Meine Geschichte soll zeigen: Organspenden retten Leben!“

Diagnose Niereninsuffizienz - damals war Rudolf Huber 40 Jahre alt 

Das Leben von Rudolf Huber hängt am seidenen Faden, als er 1977 mit starken Kopfschmerzen zum Arzt geht. Der stellt fest: Der Blutdruck ist viel zu hoch – 300 zu 180! Und das vermutlich schon sehr lange. Im Klinikum Großhadern erkennen die Ärzte: Der hohe Blutdruck hat die Niere des damals 40-Jährigen zerstört. Akute Niereninsuffizienz!

Eineinhalb Jahre lang arbeitet der zweifache Vater tagsüber als Bauleiter und geht jeden zweiten Abend zur Dialyse nach Martinsried. „Die Anfangszeit war furchtbar, ich war unglaublich schlapp. Ich träume noch heute davon.“ Seine Frau Hannelore (78) erinnert sich: „Seine größte Sorge damals war, dass die Kinder leiden könnten. Wir wussten bei der Diagnose nicht einmal, ob er noch lange zu leben hat.“

Um 2 Uhr nachts klingelte das Telefon

Ein Anruf am 26. März 1979 um 2 Uhr nachts ändert alles: Ein Spender ist gefunden! Vier Stunden später erreicht Rudolf Huber das Transplantationszentrum, am Abend hat er bereits die Niere eines Fremden im Körper. „Der Arzt hat mir nur gesagt, dass der Spender 29 Jahre alt war und bei einem Motorradunfall ums Leben kam.“

Rudolf Huber und seine Frau Hannelore (78). Oft denken sie an die Eltern des Toten.

Innerhalb weniger Tage fühlt sich Rudolf Huber gesünder. Sein Körper produziert wieder selbst gesundes Blut. „Ich dachte, jetzt kann ich Bäume ausreißen!“ Nur zwei Wochen später startet der Münchner erneut in seiner Fußballmannschaft beim SV Lochhausen durch. Er hat großes Glück: Bis heute hat sein Körper keinerlei Abstoßungsreaktion gezeigt. „Die Niere hat einfach perfekt gepasst.“

„Damals war Organspende ja noch gar kein großes Thema“

Nein, die Hubers haben nie vergessen, wem sie es zu verdanken haben, dass die Enkel einen fitten Opa haben und die Kinder einen gesunden Vater. Einen, der trotz Krankheit viele gleichaltrige Freunde überlebt hat. „Ich muss oft an die Eltern des jungen Mannes denken“, erzählt Ehefrau Hannelore. „Damals war Organspende ja noch gar kein großes Thema. Dass die Eltern trotzdem den Mut hatten, diese Entscheidung zu treffen, macht mich bis heute unfassbar dankbar.“ Sie stockt: „Ohne den Toten und seine Eltern wäre mein Mann heute nicht mehr da …“

Lesen Sie auch: Diskussion um Organspende: Spahn-Vorschlag ist der radikalste, aber ...

Manchmal sind die Gedanken an den Spender aber auch heiter. „Ich male mir oft aus, wie der junge Mann wohl war“, so Rudolf Huber. „Anfangs, als die Niere neu war und ich endlich wieder selbst Wasser lassen konnte, musste ich ständig nachts auf die Toilette.“ Rudolf fügt lächelnd an: „Da haben wir uns gefragt, ob er Schichtarbeiter im Nachtdienst war …“

Vor 40 Jahren bekam Rudolf Huber (82) eine Spenderniere. Darüber ist der Münchner heute noch so dankbar.

1000 Läufer bei Benefizrennen

Prominente Sportler sind am Mittwochabend gemeinsam mit 1000 Läufern beim Takeda Organspendelauf im Englischen Garten an den Start gegangen – darunter Fußballtrainer Felix Magat und Hockey-Spielerin Chantal Bausch. Aktuell warten in Deutschland noch immer rund 9400 Patienten auf ein Spenderorgan. Das Rennen soll Menschen dazu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und Organspender zu werden. Weitere Infos zur Organspende finden Sie hier.

Fußballtrainer Felix Magat und Hockey-Spielerin Chantal Bausch waren beim Takeda Organspendelauf im Englischen Garten dabei.

Passend zum Thema: Franka (2) braucht dringend Spenderherz - sonst stirbt sie

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N. Bautz, C. Wörmann

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