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Neue Heimat Richard-Strauss-Straße: Guido Hoenig ist vom Bahnhofsviertel nach Bogenhausen gezogen.

Patienten fühlen sich unsicher

Heilpraktiker im Bahnhofsviertel macht dicht, weil Patienten sich unsicher fühlen

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Am Ende hat Guido Hoenig keinen anderen Ausweg mehr gesehen. Der Heilpraktiker schließt seine Praxis im Bahnhofsviertel und zieht um. Denn seine Kunden fühlten sich nicht mehr sicher.

München - Dem Münchner Heilpraktiker Guido Hoenig reicht es. Der 48-Jährige hat seine Praxis an der Goethestraße zugesperrt und sich neue Räume gesucht. Der Grund: Seine Patienten hätten sich immer öfter und immer heftiger über die Zustände im Bahnhofsviertel beschwert. Der Gestank, die vielen Tagelöhner an den Straßenecken - viele von Hoenigs Kunden fühlten sich unwohl. Deshalb kündigte er nach über 15 Jahren seinen Mietvertrag.

Erst vor einigen Tagen hatte wie berichtet eine große Fluggesellschaft den Vertrag mit dem Hotel Maritim, ebenfalls an der Goethestraße ansässig, gekündigt, weil sich die Stewardessen nachts nicht mehr alleine vor die Haustür trauten. Jetzt also Heilpraktiker Hoenig. Er sagt: „Vor etwa zwei Jahren hat sich direkt vor meiner Praxis der größte Arbeiterstrich der Stadt etabliert.“ Am Anfang sei die Polizei deswegen noch regelmäßig Streife gefahren. Außerdem habe der Zoll kontrolliert. „Mittlerweile scheint es allerdings so, als hätten die freies Spiel.“

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Patienten wollten nur noch vormittags behandelt werden

Während das Geschäft auf der Straße floriert, sei es für ihn immer schwieriger geworden, sagt der Heilpraktiker. Einige seiner Patienten hätten ihn gebeten, nur noch vormittags behandelt zu werden, andere seien gleich gar nicht mehr gekommen. „Irgendwann waren die Zustände nicht mehr tragbar“, sagt Hoenig. Schließlich tummelten sich zum Teil schon in den frühen Morgenstunden „bis zu 50 dubios aussehende Männer“ an der Kreuzung zur Landwehrstraße. Bei schönem Wetter hätten die Arbeitssuchenden außerdem gerne ein provisorisches Lager auf dem Fußweg aufgeschlagen. Der verwinkelte Innenhof vor Hoenigs Praxis wurde zur Freiluft-Toilette.

Was früher noch als zweiwöchiger Ausnahmezustand während der Wiesn galt, sei „mittlerweile zum alltäglichen Bild geworden“, schimpft Hoenig. Vor allem wegen des Arbeiterstrichs sei das Bahnhofsviertel zu „einem regelrechten Glasscherbenviertel“ verkommen.

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Kriminalitätsstatistik der Polizei anscheinend in Ordnung

Fritz Wickenhäuser (72), Vorstand der Initiative Südliches Bahnhofsviertel, bestätigt Hoenigs Eindruck. Mit dem Viertel sei es schließlich wie mit dem Wetter, sagt er. Oft weiche die gefühlte Temperatur von der gemessenen ab. Auch wenn die Kriminalitätsstatistik der Polizei laut Wickenhäuser „in Ordnung scheint“, dürfe man die Anwohner mit ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine lassen.

Um den Zuständen entlang der Goethestraße Herr zu werden, hatten sich Vertreter des Wirtschafts- und des Kreisverwaltungsreferats vergangene Woche im Hotel Maritim getroffen. Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) versprach wie berichtet, die Polizei nochmals auf die „Problematiken vor Ort“ hinzuweisen. „Außerdem versuchen wir seit Jahren, Tagelöhner über ein Café von der Straße zu holen“, heißt es seitens der Stadt. 

Vergangenheit: Hier praktizierte Guido Hoenig bislang.

Hoenig reicht das nicht. „Ich würde mir wünschen, dass die Behörden noch stärker durchgreifen, damit niemand mehr seinen Mietvertrag kündigen muss.“ Er selbst ist nach Bogenhausen gezogen. Dort zahlt er 40 Prozent mehr Miete. Ob sich der Umzug lohnt, wird sich zeigen. Auf jeden Fall fühlen sich seine Patienten jetzt wohler.

Sarah Brenner

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