Schule am Nachmittag: 75 Prozent der Eltern von Schulanfängern wollen, dass ihr Kind eine Ganztagsschule besucht. dpa

Münchner Eltern verlangen Ganztagsbetreuung

München - Vier von fünf Müttern und Vätern wollen eine Nachmittagsbetreuung für ihr Grundschul-Kind. Viele brauchen zudem in den Ferien ein Betreuungsangebot. Die Ergebnisse der aktuellen Elternbefragung stützen die geplante städtische Offensive beim Ausbau der Ganztagsschulen.

„Ganztagsangebot“ war wohl das Wort, das Münchens Schulreferent Rainer Schweppe im ersten halben Jahr seiner Amtszeit am häufigsten gebraucht hat. Jetzt steht fest, dass der Bedarf an Nachmittagsbetreuung für Schulkinder nicht nur gefühlt riesig ist: Befragt wurden die Eltern der knapp 14 500 Kinder, die heuer in die Grundschule kommen. 82 Prozent der Teilnehmer gaben an, eine Ganztagesbetreuung für ihren Nachwuchs zu wünschen. Wenn sie an die Zeit nach der vierten Klasse denken, sind immer noch 75 Prozent der Mütter und Väter auf eine Nachmittagsbetreuung fürs Kind aus.

Bei der Frage nach der gewünschten Form der Betreuung gaben 75 Prozent der Eltern an, eine Ganztagsklasse oder -schule zu bevorzugen. Nur 21 Prozent votierten für andere Angebote wie Horte und Mittagsbetreuung.

Die Zahlen zeigten, dass „wir als Stadt unser Angebot in Horten und Tagesheimen weiter ausbauen müssen“, betont Eva-Maria Volland, Sprecherin des Referats für Bildung und Sport. Doch gleichzeitig müsse ein starker Impuls bei den Ganztagsgrundschulen gesetzt werden. „Wir sehen, dass es hier steigende Erwartungen vonseiten der Eltern gibt.“

Die Erwartungen fußen auch darauf, dass Ganztagsangebote für viele Münchner die einzige Möglichkeit sind, Familie und Beruf zu vereinbaren. Entsprechend viele Eltern verlangen lange Öffnungszeiten von der Ganztagsschule: 32 Prozent wollen eine Betreuung bis 17 Uhr, 15 Prozent sogar bis 18 Uhr.

Neben der immensen Nachfrage nach Ganztagsangeboten geht aus der Befragung hervor, wie groß die Not vieler berufstätiger Eltern in Ferienzeiten ist: 48 Prozent gaben an, sich für eine Ganztagsschule mit Betreuung in den Ferien zu entscheiden. Die aber sieht der Freistaat, dem die Grundschulen unterstehen, bislang nicht vor. Volland: „Hier müssen wir mit dem Freistaat überlegen, was wir gemeinsam anbieten können, damit es für Eltern und ihre Kinder richtig ist.“

Derzeit können nur 63 Prozent der Münchner Grundschüler nachmittags betreut werden. Nur an 14 der 130 staatlichen Grundschulen gibt es Ganztagsklassen - das entspricht einer Versorgung von einem Prozent der Schüler. Den Rest der Betreuung bieten die Stadt - in Horten und Tagesheimen - und Eltern, die rund ein Drittel der etwa 25 000 Ganztagsplätze in Mittagsbetreuungen organisieren.

Stadtschulrat Schweppe hat angekündigt, innerhalb von acht Jahren für 80 Prozent der Grundschüler Ganztagsplätze zu bieten. Ein Drittel davon, so sein Ziel, sollen Plätze in Ganztagsschulen sein. Doch auch in anderen Schularten soll ganztägige Bildung ausgeweitet werden.

Um sein Ziel zu erreichen, hat Schweppe nun das Projekt „Münchner Serviceagentur für Ganztagsbildung“ ins Leben gerufen. Die Agentur mit etwa zehn Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung soll vorerst bis zum Schuljahr 2012/2013 Ganztagsbildung in allen Schularten fördern. Die Mitarbeiter sollen Schulen etwa beim Erstellen von Raumkonzepten, bei der Entwicklung von pädagogischen Konzepten und von Arbeitszeitmodellen für das Personal beraten. Zudem vermitteln sie Träger, die etwa Sport- oder Förderangebote im Ganztagsangebot organisieren.

Caroline Wörmann

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