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Ungewöhnliche Fracht: Axel Markwardt, Chef des AWM, greift auch schon mal selbst zur Schubkarre.

Angebot der AWM

Münchner Erde: Vom Abfalleimer in den Blumenkasten

München - Aus Münchner Biomüll stellt der Abfallwirtschaftsbetrieb Pflanzenerde her – die gibt es seit Freitag zu kaufen.

Der Frühling steht vor der Tür und mit den wärmeren Temperaturen treibt es die Münchner auf die Balkone und in die Gärten. Damit ihnen allen auch ein grüner Daumen beschienen ist, bietet der Münchner Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) dieses Jahr zum zehnten Mal in Folge ihre „Münchner Erden“ zum Verkauf an.

Die entstehen aus all dem, was so in den Biotonnen der Stadt landet. „Vom Apfelbutzen zur Blumenerde“ lautet das Motto. Denn ein Teil dieser Abfälle geht nach ihrer Entsorgung in die Trockenfermentationsanlage des AWM, um daraus Biogas und im weiteren Verlauf Strom zu gewinnen. Aus den Gärresten gewinnt der AWM dann Kompost. „Die Münchner Bioabfälle bieten ein hohes Potenzial, sinnvoll weiter verwertet zu werden“, erklärt Axel Markwardt, Kommunalreferent und erster Werkleiter des AWM.

Verkauft wird die regionale Erde in den Wertstoffhöfen und dem Erdenwerk des AWM. Saisonstart war am Freitag mit einem großen Gartenmarkt am Erdenwerk in Fröttmaning, und dass die Erde bei den Münchnern gut ankommt, war dort deutlich zu merken. „Hier gibt es viel bessere Qualität als im Baumarkt“, findet Henry Schwarz, der am Eröffnungstag mit seinem Sohn Daniel gleich mehrere Säcke Erde vom Hof trägt. Schwarz weiß wovon er spricht. In einem Schrebergarten baut der Koch schon seit mehreren Jahren sein eigenes Gemüse an. „Man merkt den Unterschied“, sagt er. Auch die Zusatzstoffe in den Baumarkt-Erden ärgern ihn, insbesondere der Torf. Der AWM hingegen möchte die Erde aus den Mooren so wenig wie möglich verwenden. Deshalb sind die meisten Produkte der Müllprofis torffrei – und auch nicht wesentlich teurer als im Gartencenter. 4,15 Euro kostet beispielsweise ein 20-Liter-Sack der Blumenerde, Pflanzerde gibt es schon ab 7,90 im 45-Liter-Sack. Dass die Erde nicht nur bei der Familie Schwarz beliebt ist, zeigt sich an den Verkaufszahlen des letzten Jahres. 13 365 Säcke Erde nahmen die Münchner dem AWM letztes Jahr ab, dazu kamen 930 Tonnen lose Ware.

Wem ein ganzer Sack Erde zu viel ist, für den gab es zum Saisonstart die Münchner Erde auch in kleineren Portionen. Der vierjährige Ferdinand zum Beispiel schaufelte das Erdreich am Eröffnungstag in an der Kinderstation liegenden Socken. Aus denen lassen sich nämlich hervorragend Kresse-Igel basteln, die – der Münchner Erde sei Dank – in ein paar Wochen beeindruckende Langhaarfrisuren tragen werden. 

Münchner Erden gibt es von Montag bis Donnerstag von 7 bis 16 Uhr und am Freitag von 7 bis 14 Uhr am Erdenwerk des AWM, Werner-Heisenberg-Allee 62. Diesen Samstag findet hier von 9 bis 15 Uhr erneut der Gartenmarkt mit Rahmenprogramm statt.

Annika Schall

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