Münchner Fernwärme besonders teuer

München - Die Stadtwerke machen von ihrem Fernwärme-Monopol Gebrauch. Um 27 Prozent hoben sie die Preise für diese Energieform an – weit mehr, als dies Versorger in anderen Großstädten taten.

Fernwärme gilt als Energieform der Zukunft. Sie ist umweltfreundlich, weil nicht zusätzlich klimaschädliches CO2 entsteht. Denn Fernwärme ist quasi Abfallprodukt der Stromerzeugung. Rund 100 000 Haushalte hängen in München mittlerweile an dem Stadtwerke-Netz für Dampf oder Heißwasser. Und es werden immer mehr.

So sehr die Umwelt geschont wird, der Geldbeutel der Münchner Fernwärme-Kunden wird es nicht. Dies zeigt ein Mietnebenkostenvergleich deutscher Großstädte, mit dem sich der Stadtrat am Mittwoch beschäftigen soll. 81,34 Euro kostete demnach die Megawattstunde Fernwärme zum 1. Oktober 2008. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 76 Euro. Unter den sieben verglichenen Städten war nur Leipzig mit 87,88 Euro teurer als München. Der Berliner Versorger hingegen war mit 61 Euro weit billiger, ebenso der in Köln mit rund 65 Euro.

Der Vergleich mit der Erhebung vom 1. Oktober 2007 zeigt zudem, dass die Stadtwerke 2008 die Fernwärme-Preise viel drastischer angehoben haben als die Kollegen: um satte 27 Prozent. Zum Vergleich: Der Berliner Versorger änderte die Preise fast gar nicht, die GEW Köln schlug etwa fünf Prozent auf, die Drewag in Dresden knapp sechs Prozent. Die Versorger in Hamburg, Leipzig und Frankfurt lagen bei einem Plus zwischen 10 und 16 Prozent.

Der Münchner CSU-Stadtrat Marian Offman ist angesichts dieser Entwicklung schockiert. „Unter dem Gesichtspunkt des Verbraucherschutzes ist das die bedenklichste Entwicklung in München“, sagt der CSU-Politiker. „Die Stadtwerke nutzen ihr Monopol aus.“

Fragwürdig ist die Entwicklung allemal. Denn die Stadtwerke bauen ihr Fernwärme-Netz emsig aus. In Neu-Riem, im Arnulfpark oder künftig auch in Freiham – überall sollen die zahlreichen Neubauten mit der umweltfreundlichen, aber nicht ganz billigen Energieform versorgt werden. Alternativen werden oftmals gar nicht zugelassen. Etwa in Freiham: Hier gilt ein Anschlusszwang an das Wärmenetz, das vor allem durch Geothermie gespeist wird. Erdgasleitungen verlegen die Stadtwerke erst gar nicht. Öl- und Holzheizungen sind ebenfalls nicht zugelassen. Selbst Solarkollektoren oder Wärmepumpen hat die rot-grüne Stadtratsmehrheit weitgehend verboten. Begründet wurde dies mit den hohen Investitionskosten der Werke.

Die Stadtwerke hielten dem Preisvergleich entgegen, es handle sich dabei um eine Stichtagsaufnahme, die keine Aussagekraft über die Veränderungen während des verglichenen Zeitraums habe. Auch hätten die Stadtwerke seitdem den Fernwärmepreis deutlich gesenkt, während ihn andere Unternehmen erhöht hätten und nun wieder teurer seien als die SWM.

In der Tat hatten die Werke zum 1. April den Fernwärmepreis deutlich gesenkt – nach der Heizperiode. Im Juli soll die Fernwärme abermals im zweistelligen Prozentbereich billiger werden. Dass die Preise günstig seien, zeige schon die Tatsache, dass sich im vergangenen Jahr rund 12 000 Wohnungen neu an die Fernwärme haben anschließen lassen, teilten die Stadtwerke mit. Was sie indes verschwiegen: Dass dies nicht immer freiwillig geschah.

Von Matthias Kristlbauer

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