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Feld... was? Feldmoching natürlich. Reinhard Bauer weiß, woher der Viertelname herrührt: An dem Feld lebte einst Mocho mit seinem Clan.

„Bei Mocho und seinen Leuten“

Münchner Forscher erklärt, wie die Stadtviertel zu ihren Namen kommen

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Der Münchner Namensforscher Reinhard Bauer will die alten Bezeichnungen bayerischer Siedlungen für die Nachwelt erhalten. Anhand einiger Münchner Viertel erklärt er seine Forschungsarbeit.

München - In und um München ist die Lage überschaubar. Das Millionen-Dorf ist durchforscht. Nicht so im östlichen Ober- oder in Niederbayern. Tausende unentdeckte Schätze warten dort noch auf Reinhard Bauer und seine Mitarbeiter. Bauer ist Historiker, Germanist, Volkskundler, Buchautor und Lokalpolitiker: 1972 wurde er in den Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl gewählt, von 2006 bis 2014 saß er für die SPD im Stadtrat. Vor allem aber ist er eins: Namensforscher. Sein Spezialgebiet: Siedlungs- und Flurnamen.

„Ich arbeite mein Leben lang daran, Dinge zu erhalten, die verloren gehen“, erzählt Bauer. „Nun sehe ich die letzte Chance, auf meinem Gebiet noch etwas voranzubringen.“ Bauer, seit 1974 Geschäftsführer des Verbandes für Orts- und Flurnamenforschung in Bayern, ist jetzt Mitte 60. Innerhalb der kommenden sechs Jahre will er für Oberbayern noch 10 000 bislang undokumentierte mundartliche Siedlungsnamen aufnehmen, in Niederbayern sind es sogar 12 000, da dort – ebenso wie im Osten Oberbayerns – „wirklich jeder Einödhof eine eigene Bezeichnung hat“.

Schwierige Forschung nach den Ursprüngen

Siedlungsnamen beziehen sich auf bewohnte Orte, Flurnamen auf alles Unbewohnte – Felder, Wiesen, Flüsse und so weiter. „Mein Leben reicht nur noch, um alle Siedlungsnamen zu erfassen“, sagt Bauer. Ursprünglich wollte er noch alle Flurnamen dokumentieren. „Aber das hat sich als nicht realistisch herausgestellt.“ In Ober- und Niederbayern wären das um die zehn Millionen Stück. Zwar kann Bauer auf ein Team von zwölf Mitarbeitern zurückgreifen. Doch auch mit ihrer Hilfe wäre es utopisch, die Mammutaufgabe in wenigen Jahren zu bewältigen. Die Namen findet man nämlich vor allem durch Interviews mit Bewohnern heraus. Insbesondere Senioren kennen noch die alten Bezeichnungen. Mit ihnen sterben die Namen aber langsam aus. 

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Gefördert wird Bauers Forschung durch das Wissenschaftsministerium und die Bezirke. Seine Mitarbeiter sind in verschiedensten Teilzeitmodellen engagiert. Unter ihnen sind Studenten, freiberufliche Mitarbeiter, Ruheständler, aber auch ein paar ehrenamtliche Helfer. Auch Bauer selbst ist eigentlich schon im Ruhestand.

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Ende Mai hat die bayerische und deutsche Unesco-Kommission Bauers Werk ausgezeichnet: Seine Dokumentation von Flur- und Hausnamen in Bayern wurde als „gutes Beispiel in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen“. Wie detailreich diese Forschungsarbeit ist, erläutert Bauer exemplarisch an sechs Vierteln seiner Heimatstadt:

Hasenbergl

Den Namen gibt es erst seit dem Jahr 1900. Um 1697 hieß die Gegend Laimpichl. Das germanische Wort laima steht für Lehm, pichl ist Süddeutsch für Hügel. Der kleine Berg diente damals als Tierweide. Als im 18. Jahrhundert das Neue Schloss Schleißheim entstand, trieb es die Jagdgesellschaften des Kurfürsten in die nähere Umgebung. Dort schützte ein Bediensteter die Kaninchen vor unbefugter Nachstellung und überwachte ihre Vermehrung. Aus dem Laimpichl wurde damals der Küniglberg, wobei „künigl“ vom lateinischen Wort für Kaninchen, cuniculus, abgeleitet wurde. 1809 schließlich wurde beim Kaninchenberg die Hasenhütte des Wildhüters erstmals in eine Karte eingezeichnet.

Am Hart, Harthof

Hart ist germanischen Ursprungs. In Flur- oder Siedlungsnamen steht es für den Weidewald. Das Wort ist mit dem Begriff Herde verwandt. Im Norden Münchens, wo sich der heute elfte Stadtbezirk befindet, lag früher der Weidewald Feldmochings. Wie ein Gürtel zog er sich von Neuherberg bis nach Moosach.

Eggarten

Die Siedlung westlich der Lerchenau war ursprünglich ein „Ödgarten“. „Öd“, weil der Boden eine schlechte Qualität hatte. Und von Öd leitete sich schließlich „Egg“ ab. In solchen Gebieten bauten die Menschen nur zeitweise Feldfrüchte an. Zwischendurch wurden sie beweidet und der Mist der Tiere zum Düngen genutzt, bevor wieder ausgesät wurde.

Lehel

Viele Altmünchner sprechen den Namen „Lechel“ aus. Da „loh“ im Mittelhochdeutschen „lichter Wald“ bedeutet und es in den Isarauen kleine Wäldchen gab, wurde vermutet, dass sich das Lehel davon ableitet. Reinhard Bauer erklärt jedoch: „Historische Belege zeigen, dass auf dem Gebiet ein kleines Lehen der Herzöge lag und der Name daher kommt.“ Die ältesten Belege sind 1525 „Lehen“, 1696 „Lehel“. Die Bezeichnung Lechel oder Löchel, wie sie zum Beispiel in der Lechelstraße in Hartmannshofen (Moosach) enthalten ist und dort von einer kleinen Lohe (Lichter Wald) kommt, wurde dann volksetymologisch eingedeutet.

Feldmoching

Ein typisch bajuwarischer Siedlungsname mit der Nachsilbe -ing. Im vorderen Teil des Namens versteckt sich in der Regel der Bezug zu einer Person. Ebenso wie das nicht allzu weit entfernt gelegene Ampermoching (alter Name: Holzmoching) hieß Feldmoching einst Mohinga, was „bei Mocho und seinen Leuten“ bedeutet. Während das heutige Feldmoching an der waldfreien Fläche, am Gfild beziehungsweise Feld, angesiedelt war, befand sich Ampermoching am Wald, also am Holz.

Milbertshofen

1149 erstmals als Schwaige Illmungeshoven (Höfe eines Illmung) erwähnt. Dass daraus Milbertshofen wurde, liegt laut Bauer an einer Verwechslung. Früher gehörte die Schwaige zum Landgericht Dachau. Etwa zehn Kilometer hinter Dachau, zwischen Vierkirchen und Fahrenzhausen, liegt das ursprüngliche Milbertshofen. Schreiber des Landgerichts haben den Namen dieser Siedlung erstmals 1468 als Milberzhofen irrtümlich auf die Schwaige übertragen. Heute gibt es damit zwei Milbertshofen.

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