Geschenke wie Uhren und Juwelen sind voll im Trend.

Münchner lassen sich nicht lumpen

So protzig wird heuer Weihnachten

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  • Andrea Stinglwagner
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München - Immer mehr Menschen in München haben nicht mehr genug Geld, um für sich und die Familie Essen zu kaufen. Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Münchner geben immer mehr Geld für richtig teure, schmucke Geschenke aus.

„Die Frequenz in den Geschäften nimmt zu“, sagt Stephan Lindner, Geschäftsführer von Uhren Fridrich in der Sendlinger Straße und Präsident des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BJV). Besonders gefragt: echter Schmuck, Uhren und Markenware. Gold, Platin, Diamanten!

Mittlerweile stehen bei jedem achten Verbraucher Schmuck und Juwelen auf der Geschenkeliste, hat eine bundesweite GfK-Umfrage ergeben. Für die Branche steigen die Umsätze allein für Weihnachtsgeschenke um 25,2 Prozent und erreichen mit 955 Millionen Euro fast die Milliardengrenze. Demnach erklärten Käufer, heuer im Schnitt 117 Euro für solch glitzernde Geschenke ausgeben zu wollen – 27 Euro mehr als 2015. Stephan Lindner geht davon aus, dass die Zahlen für München noch weit höher liegen …

„Diamonds are nach wie vor a girl’s best friend“, weiß Lindner. Viele seiner Kunden sagen, sie wollen sich einfach etwas für ihr Geld gönnen. Und: Sie wollen etwas kaufen, das sie vielleicht auch eines Tages an die Kinder oder Enkel weitergeben. „Das hat mit der Finanzkrise begonnen, weil die Kunden verunsichert waren, ob ihr Geld bald nichts mehr wert ist. Viele sagen aber auch: Ich geb’ mein Geld lieber aus, bei der Bank krieg’ ich sowieso keine Zinsen mehr dafür.“

Im Trend liegen übrigens auch richtig teure Uhren wie Rolex oder Nomos. „Besonders gefragt sind zum Beispiel sportliche Edelstahlmodelle, die auch im Wiederverkauf hohe Preise erzielen.“ Dafür lassen sich Kunden sogar auf Wartelisten setzen (s. unten), weil manche Modelle nur in limitierter Zahl produziert werden. Für eine Rolex Daytona kann man auch mal zehn Jahre warten … 

Wartelisten für Uhren

Luxusuhren werden zunehmend beliebter. Die A. Lange & Söhne Boutique in der Perusastraße verzeichnet durchgehend guten Zulauf. Die Kunden warten oft bis zu zwei Jahre, bis sie ihre Traumuhr in den Händen halten – und das gerne. „Manche Kunden leisten eine Anzahlung, ohne zu wissen, wie lange sie warten müssen“, sagt Geschäftsführer Tobias Christ (52).

Zwischen 14.900 Euro und 440.000 Euro kosten die Chronometer in dem Traditionsunternehmen. Die Uhrwerke sind wahre Kunstwerke, werden alle handgefertigt. „An manchen Uhren baut der Künstler ein viertel oder ein halbes Jahr“, erklärt Tobias Christ. „Die Wartezeiten kommen also nicht durch künstliche Verknappung – wir können aufgrund unseren hohen Qualitätsanspruchs nicht mehr produzieren.“

Wer dann schließlich eine Uhr bekommt, werde bei bestimmten Modellen genau ausgewählt, sagt der Geschäftsführer. „Wir schauen, ob das ein guter Kunde ist. Die Stücke sollen schießlich in treue Hände gelangen.“ Wenn der Kunde endlich sein geliebtes Stück überreicht bekommt, sei die Freude so groß, dass die Wartezeit vergessen sei. „Manche laden uns aus Dankbarkeit zum Essen ein.“

Die Sammlerstücke sind nicht umsonst so begehrt: „Uhren sind für Generationen gemacht“, so der Experte. „Manche haben eine Wertsteigerung, die kaum eine Geldanlage schafft.“ Nach zehn Jahren kann schon eine vergleichsweise günstige Uhr das Doppelte wert sein. 

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