Gerichtsurteil: Letzte Ruhestätte Türkei – nicht Aubing

Münchner gegen seinen Willen in Türkei beigesetzt?

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München - Wo und wie man nach seinem Tod zu Grabe getragen wird, ist meist im Vorfeld geklärt. Wenn sich die Angehörigen über die Frage uneins sind und diese nicht im Testament geregelt ist, kann sie sogar vor Gericht enden. 

„Bei der Ausübung der Totenfürsorge ist der mutmaßliche Wunsch des Verstorbenen entscheidend“ – so das Urteil des Amtsgerichtes München, das am Freitag veröffentlicht worden ist. Im vorliegenden Fall ist die Sache allerdings äußerst verzwickt: Ein Münchner verstarb Ende Mai 2015 im Alter von 60 Jahren, ohne ein Testament hinterlassen zu haben. Er war seit 2011 verheiratet mit einer Frau, die aus der Türkei stammt. Die Ehe war kinderlos, jedoch hat die Witwe aus einer früheren Beziehung zwei Töchter. Nach dem plötzlichen Tod des Mannes wollte seine Frau ihn in ihrem Heimatort in der Türkei beerdigen lassen, weil sie selbst einmal dort bestattet sein möchte.

Die Mutter des Toten war von der Vorstellung schockiert: Der Verstorbene sei katholischen Glaubens und bis zu seinem Tod noch nie in der Türkei gewesen, sagte sie. Außerdem habe er in dem Familiengrab in Neuaubing beigesetzt werden wollen, behauptete sie. Zwei Tage nach dem Tod ihres Sohnes ließ sie darum per einstweiliger Verfügung ihrer Schwiegertochter verbieten, den Leichnam in die Türkei zu überführen.

Das Amtsgericht hob die einstweilige Verfügung jedoch auf und erlaubte der Witwe nun doch die Bestattung ihres Mannes in der Türkei. Der zuständige Richter war nach der Beweisaufnahme davon überzeugt, dass sich dies „im Rahmen des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen bewegt“. So sagten unter anderem die Töchter der Ehefrau aus, er habe gemeinsam mit ihrer Mutter bestattet werden wollen.

Es geht nur um den erklärten oder mutmaßlichen Willen des Verstorbenen

„Dem Gericht ist bewusst, dass diese Entscheidung für die Mutter eine nur schwer zu ertragende Härte mit sich bringt“, heißt es in dem Urteil. Aufgrund ihres eigenen hohen Alters ist es ihr – wenn überhaupt – nur unter erschwerten Bedingungen möglich, die Grabstelle ihres Sohnes zu besuchen oder an der Beerdigung selbst teilzunehmen. Dennoch erklärte der Richter: „Diese Gesichtspunkte sind bedauerlich, sind aber für die Entscheidungsfindung nicht erheblich.“ Es gehe in dem Verfahren ausschließlich darum, den erklärten oder mutmaßlichen Willen des Verstorbenen zu ergründen.

Ausgehend von den Grundrechten muss es einem Menschen gestattet sein, über seine sterblichen Überreste selbst zu bestimmen. Für den sogenannten Inhaber des Totenfürsorgerechts – hier die Ehefrau – bedeutet das, dass er sich im Rahmen des mutmaßlichen Willens des Verstorbenen bewegen muss. Innerhalb dieses Rahmens müsse dem Beauftragten aber ein „erheblicher Ermessens- und Beurteilungsspielraum zuerkannt werden“, steht in der Urteilsbegründung. Und, so der Richter: Es sei durchaus vorstellbar, dass sich der Verstorbene mit verschiedenen Möglichkeiten für seine Beerdigung befasst und angefreundet habe. Für das Gericht entscheidend war, dass sich die Alternative, die die Ehefrau nunmehr gewählt hatte, nicht im Widerspruch zu den geäußerten Wünschen des Verstorbenen steht. Das Urteil ist rechtskräftig (Aktenzeichen 171 C 12772/15).

Der Fall zeige in besonderer Weise, wie sinnvoll es sein könne, eine „Letztwillige Verfügung“, zum Beispiel in einem Testament, zu verfassen, erklärte eine Sprecherin des Amtsgerichtes. Diese kann man notariell beglaubigt hinterlegen lassen. Aber auch ein selbst handschriftlich verfasster und unterschriebener letzter Wille, der zum Beispiel daheim im Nachttisch aufbewahrt wird, hätte in diesem Fall für Klarheit sorgen können.

Rubriklistenbild: © dpa

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